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„Die Zeche zahlen die Kinder“Wettbewerb um Betreuung in Köln – Leitlinien sollen helfen

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Alltag in einer Kölner Kindertagespflege.

Alltag in einer Kölner Kindertagespflege. 

Der Kampf um Kinder zwischen Kitas und Kindertagespflege spitzt sich zu. Die Kölner Politik will Tagesmütter und Tagesväter stärken. 

Kitas und Kindertagespflege in Köln konkurrieren zunehmend um Kinder, das verursacht vor allem bei Tagesmüttern und Tagesvätern immer häufiger Existenzängste. Vor einigen Jahren waren sie noch gefragt, um fehlende Betreuungsplätze in den Kindergärten auszugleichen. Durch einen intensivierten Kita-Ausbau und den Geburtenrückgang nimmt der Bedarf aktuell jedoch ab. Grundsätzlich würden alle Betreuungsplatzanbieter, Kita-Träger wie Kindertagespflegepersonen, mit ihren Angeboten um Familien werben, teilt eine Sprecherin der Stadt Köln auf Anfrage dieser Redaktion mit: „Am Ende entscheiden die Eltern, welches konkrete Angebot sie für ihr Kind in Anspruch nehmen wollen.“

Alice Birkenfeld von der Kölner Großtagspflege „Pinta Caminos“ in Braunsfeld hat allerdings schon mehrfach öffentlich kritisiert, dass Kölner Kitas unter drei Jahre alte Kinder mit massivem Druck von der Kindertagespflege abwerben würden. Häufig mit der Drohung, dass Eltern später keinen Platz in der Kita mehr bekommen. „Dann greifen Eltern zu, unabhängig vom Alter und Entwicklungsstand ihres Kindes“, sagt Birkenfeld: „So werden sie um ihr Wunsch- und Wahlrecht für die Betreuung ihres Kindes gebracht.“

Die Kölner Politik will Tagespflegepersonen in der Stadt nun durch eine Satzung strukturell stärken. Der Jugendhilfeausschuss hat der Verwaltung nach einem einstimmigen Beschluss in seiner Sitzung Ende Juni den Auftrag erteilt, die Erstellung einer Satzung über die Förderung von Kindern in der Kindertagespflege zu prüfen. Den Antrag hatten die Fraktionen von Grünen, CDU, SPD, Volt und FDP/KSG gemeinsam gestellt. Eine Satzung wäre „ein echter Meilenstein für die Kindertagespflege in Köln“, findet Reinhard Houben, der jugendpolitische Sprecher der FDP/KSG-Fraktion: „Kindertagespflegepersonen leisten jeden Tag hervorragende Arbeit und übernehmen eine enorme Verantwortung. Sie verdienen klare Regeln, mehr Planungssicherheit und vor allem die Wertschätzung, die ihrer Arbeit gerecht wird.“  

Die Stadt Köln will zu „gegebener Zeit“ ihre Einschätzung mitteilen

Birkenfeld wünscht sich, dass Kölner Tagespflegepersonen an der Erstellung einer solchen Satzung beteiligt werden. Sie arbeitet seit 2007 als Tagesmutter und ist auch Vorständin des Vereins Kölner Kindertagespflege, einem Zusammenschluss mehrerer Kindertagespflegepersonen. Die Stadtsprecherin teilte mit, dass die Verwaltung dem Prüfauftrag aktuell nachkomme und „zu gegebener Zeit“ ihre Einschätzung in den Jugendhilfeausschuss einbringen werde. Einen Zeitrahmen für die Erstellung einer möglichen Satzung könne man daher nicht nennen. Man könne auch nicht sagen, ob Kölner Kindertagespflegepersonen bei der Erstellung einbezogen werden sollen. Das hänge vom Prüfergebnis ab, so die Sprecherin.

In Köln fehle bislang eine umfassende Satzung, die Rechte und Pflichten in der Kindertagespflege transparent regelt, heißt es in einer Mitteilung der FDP-Fraktion. Andere Städte, etwa Essen, Bonn, Gladbeck, Langenfeld oder Leichlingen, hätten gezeigt, dass eine solche Grundlage die Kindertagespflege stärken und das Berufsbild attraktiver machen könne.

Die SPD formuliert als Ziel einer Satzung, „verlässliche Qualitätsstandards für Kinder zu sichern, Eltern mehr Planungssicherheit zu geben und das Berufsbild von Tagesmüttern und Tagesvätern attraktiver zu gestalten“. Die Kindertagespflege sei eine unverzichtbare und flexibel ausbaubare Säule der frühkindlichen Bildung und Betreuung in Köln. Über eine Satzung sollen verlässliche Vertretungsmodelle bei Erkrankung der Pflegeperson geregelt und transparente Kostenstrukturen für Eltern geschaffen werden. „Tagesmütter und Tagesväter retten jeden Tag den Alltag hunderter Kölner Familien. Es ist höchste Zeit, dass wir ihnen und den Eltern durch eine umfassende Satzung den Rücken stärken“, sagt Lena Dickgießer, die familienpolitische Sprecherin der SPD-Ratsfraktion.

Kleine Gruppen und feste Bezugspersonen

In der Kindertagespflege werden Kinder im Alter bis zu drei Jahren betreut, einer Gruppe mit einer Betreuerin gehören maximal fünf Kinder an. Befürworter dieser Betreuungsart heben die kleinen Gruppen und festen Bezugspersonen im Gegensatz zu größeren Gruppen und wechselnden Betreuern in den Kitas hervor. Aktuell seien in Köln in einigen Stadtteilen noch Plätze in der Kindertagespflege frei, teilt die Stadt mit – ohne genaue Zahlen oder Stadtteile zu nennen. Daraus lasse sich jedoch nicht pauschal ableiten, dass in Köln eine Überversorgung mit Betreuungsplätzen vorliege, so die Stadtsprecherin. In manchen Stadtteilen hätten Kindertagespflegepersonen  Wartelisten.

Die Sprecherin weist darauf hin, dass es sich bei der Kindertagespflege um „eine rechtlich selbstständige Tätigkeit“ handele: „Die Kindertagespflegepersonen entscheiden eigenverantwortlich, in welchen Stadtteilen sie ihr Angebot umsetzen.“ Birkenfeld befürchtet allerdings, dass auch nach diesen Sommerferien wieder viele Kölner Tagespflegepersonen nicht mehr wirtschaftlich werden arbeiten können. Wenn in angemieteten Räumen nur einer der fünf Plätze nicht besetzt werden kann, bedeute das das Aus für die Tagespflegeperson: „Die Zeche zahlen die Kinder, die nicht mehr in Kleinstgruppen betreut werden können.“

Am Konkurrenzkampf um Kinder könne wohl auch eine Satzung nichts ändern, sagt Birkenfeld. Aber das Ansehen der Kindertagespflege würde möglicherweise gestärkt. Und das könnte Eltern vielleicht darin bestärken, den Drohungen von Kitas zu widerstehen, wenn sie eine Betreuung ihres unter drei Jahre alten Kindes in einer Kleinstgruppe mit fester Bezugsperson favorisieren. 

Zudem erhofft sich Birkenfeld von einer möglichen Satzung eine gerechtere Bezahlung. In Langenfeld und Leichlingen etwa wurde so eine nach Berufserfahrung und Qualifizierung gestaffelte Bezahlung eingeführt. Birkenfeld hat ausgerechnet, dass sie in Langenfeld auf Grund ihrer vielen Jahre im Beruf und ihrer Zusatzqualifikation rund 570 Euro pro Monat mehr verdienen würde – in Leichlingen wären es knapp 370 Euro mehr. Sie sagt: „Und das für dieselbe Leistung, also die Betreuung, Bildung und Erziehung von Kleinkindern, nur eben an unterschiedlichen Orten.“