Kampf gegen SchließungEhrenfelder Josephkirche soll Sport- und Begegnungsstätte werden

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Frau, die Pfeil und Bogen in der Hand hält und auf etwas zielt

Das meditative Bogenschießen konnten Besucher zuletzt in der Ehrenfelder Josephkirche an der Venloer Straße ausprobieren.

Die St. Joseph Kirche an der Venloer Straße in Köln-Ehrenfeld hat zum Bogenschießen eingeladen – Bingo und Klettern sind in Planung. 

Lauter Jubel in einer Kirche? Und das nicht als inbrünstig vorgetragenes Hallelujah, sondern nur als Ausdruck der Freude über einen Volltreffer. Eine gewöhnungsbedürftige Szenerie in der Kirche St. Joseph: Eine kleine Gruppe Erwachsener übt sich im „meditativen Bogenschießen“. Die meisten waren aus reiner Neugier gekommen und hatten zuvor noch nie Pfeil und Bogen in Händen gehabt.

Selten flogen die Pfeile genau ins Zentrum der Zielscheibe. Darum ging es bei diesem neuen Angebot aber auch gar nicht. Das meditative Bogenschießen stellt das eigene Körperempfinden in den Mittelpunkt. Die Konzentration auf das Sportgerät und den Bewegungsablauf soll helfen, ins innere Lot zu finden. Wie kaum eine andere Sportart bietet das Bogenschießen vielfältige Bezüge zum Alltäglichen, wo gern mal Ziele aus dem Blickfeld geraten oder es schwerfällt, etwas loszulassen.

Zielscheibe, die vor einem erleuchteten Kirchenaltar steht

Meditatives Bogenschießen ist ein neues Angebot in der Kirche St. Joseph.

Auch die Redensart, dass der „Bogen überspannt“ wird, kommt zur Sprache. Die ideale Übung also, um damit den ersten Aufschlag für die „Sport- und Begegnungskirche St. Joseph“ zu machen. Die Teilnehmenden waren begeistert. „Vor allem weil es ein schönes Gemeinschaftserlebnis war“, sagt eine Teilnehmerin.

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Jutta Himmelsbach, die die Aktion mit vorbereitete, berichtet, dass in der Gesprächsrunde anfangs schon die Fragen aufkamen, ob so ein Bogen nicht auch eine Waffe sei und ob dafür eine Kirche der richtige Ort sei. „Wir haben uns dann das Sebastianus-Fenster in der Kirche angeschaut, Sebastianus ist der Patron der Schützen“, sagt Jutta Himmelsbach. Dass darüber schnell auch über Waffen zum Schutz und über den Ukraine-Krieg gesprochen wurde, versteht sich fast von selbst.

Aber das gehörte zum Konzept der Begegnungskirche. Das Gotteshaus an der Venloer Straße soll künftig nicht mehr nur Ort des Gebets sein. Es geht um „Sinnsuche im neuen Stil“. Das nämlich hat sich eine Gruppe aus der Gemeinde vorgenommen, die sich Projektteam „Joseph träumt“ nennt. Natürlich ist der Schwund an Mitgliedern einer der Auslöser für das ungewöhnliche Vorhaben.

Horst Eßer

Horst Eßer ist Diakon im Seelsorgebereich Ehrenfeld

Die Gottesdienste sind schwach besucht. Inzwischen steht nur noch ein kleiner Teil der Kirchenbänke im Mittelschiff. Dennoch stellt Pfarrvikar Klaus Thranberend fest: „Es kommen aber immer noch viele Menschen zu uns.“ Die Kirchentür steht offen. Der Vorraum mit den kleinen Opferaltären kann betreten werden, während der restliche Kirchenraum durch ein geschlossenes Eisengitter versperrt ist.

Mit Sport und Kunst neue Zugänge zum Glauben schaffen

Laut Thranberend werden täglich 400 Kerzen entzündet. Das Projekt will neue Zugänge zum Glauben schaffen. Sport gehört dazu, Kunst auch. Zurzeit stellen mehrere Ehrenfelder Künstlerinnen und Künstler unter dem Motto „Kunst der Andacht“ aus. Aber die Kirche soll kein Spielplatz werden, betont Diakon Horst Eßer: „Es bleibt ein sakraler Raum.“

Letztlich gehe es auch darum, dass die Menschen um diese Kirche kämpfen, damit sie eben nicht geschlossen und profaniert wird, so dass sie kein geweihter Ort mehr wäre. Eine solche Entwicklung ist angesichts des Schwunds beim katholischen Kirchenvolk nicht ganz auszuschließen. So gab es für die Kirche St. Barbara in Neuehrenfeld, die zum selben Seelsorgebereich wie St. Joseph gehört, zeitweilig Überlegungen, sie als Archivgebäude für die Gemeinden zu nutzen.

Das aber ist vom Tisch. Doch Veränderungen wird es geben: „Dort soll eine Kulturkirche entstehen mit einem gegenüber heute deutlich verkleinerten Gebetsraum“, sagt Diakon Eßer. In St. Joseph wird derweil schon über eine Kletterwand und über Bingo-Abende nachgedacht. Und das Bogenschießen soll wiederholt werden. Da waren sich alle, die es erlebt haben, einig.

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