José Navarro-Silberstein lebt in Kölns größter WG in Ehrenfeld. Für Konzerte nutzt er den gebäudeeigenen Kinosaal. Am 23. Mai spielt er dort mit Eko Fresh.
Konzert in Kölns größter WGEko Fresh rappt zu Piano-Klängen am weißen Bechstein-Flügel

Crossover ist angesagt: José Navarro-Silberstein am Flügel und Rapper Eko Fresh läuten eine neue Phase der „Masurka Concerts“ ein.
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Eko Fresh rappt ins Mikro, muss den Text aber vom Handy ablesen, weil er noch ziemlich neu ist. Es sind Grüße an den Bundeskanzler, ein Kommentar zu dessen „Stadtbild“-Einlassungen: „Friedrich, ey, komm mit in mein'n Kiez, Ich zeige dir, wie Existenzen flöten geh'n am Spieltisch, eingepfercht, Aggression, die so tief sitzt, Vertrau'n in den Staat existiert nicht.“ Begleitet wird Eko Fresh diesmal aber nicht von elektronisch erzeugten Beats, sondern von José Navarro-Silberstein am weißen Bechstein-Flügel. Er schmückt seine rhythmisierten Tonfolgen aus, gibt ihnen Ausdruck und Intensität. Nach dem ersten Durchlauf hat der Rapper Redebedarf: „Du wirst mit der Zeit immer schneller, du läufst mir weg.“
„Friedrich“, „Gheddo“ und „Köln-Kalk Ehrenmord“
Eko Fresh, der mit bürgerlichem Namen Ekrem Bora heißt und aus der „Grembronx“ - also Humboldt-Gremberg – stammt, hat sich mit dem ausgebildeten Konzertpianisten im Co-Living-Wohnprojekt „WG & Co“ an der Ecke Piusstraße/Weinsbergstraße verabredet, um drei seiner Songs einzustudieren. Am 23. Mai steht der gemeinsame Auftritt im Rahmen einer Konzert-Reihe neben Musik von Beethoven und Brahms im Kinosaal von „WG & Co“ auf dem Programm. Geprobt wird heute im Foyer des Saals, wo sich auch ein Team des Bechstein Zentrums eingefunden hat, um Ton- und Bildaufnahmen von der Arbeit an „Friedrich“, „Gheddo“ und „Köln-Kalk Ehrenmord“ zu machen.
Improvisierte Passagen am Flügel ergänzen den Rap
Schon seit einem Vierteljahrhundert ist Eko Fresh Profi, aber die Unplugged-Arbeit mit dem Pianisten erfordert seine ganze Konzentration: „Das ist für mich neu und spannend, ich habe selbst leider nie ein Instrument erlernt“, sagt er. Live rappt er gewöhnlich zu vorproduzierten Klängen und Rhythmen, jetzt eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten. Zum „Ehrenmord“-Stück etwa hat Malic Bargiel, sein langjähriger Kumpel und Video-Produzent, eine Idee: „Wenn der Schuss in der dritten Strophe gefallen ist, sollten wir einen Break einbauen, vielleicht mit einem Klavier-Solo.“ Navarro-Silberstein improvisiert eine passende Passage, die allseits Anklang findet. „Das kann live ein Gänsehaut-Moment werden“, meint Eko Fresh.
Auch José Navarro-Silberstein freut sich auf die neueste Ausgabe seiner Konzert-Reihe, die er im Jahre 2022, nach Corona, ins Leben gerufen. „Es ging immer darum, junge Menschen für klassische Musik zu interessieren, mit einem offenen Konzept.“ Mit offenen, spielerischen Formen beispielsweise, die den Musikern Freiräume zur Improvisation lassen. Deshalb fanden auch mal Jazz-Konzerte statt. Anfangs allerdings war der Andrang nicht riesig. Denn der Gebäudekomplex an der Weinsbergstraße 74, der damals noch dem Verein Studentische Kulturgemeinschaft gehörte, stand beinahe leer. Der in Bolivien geborene Navarro-Silberstein war einer von fünf Bewohnern.
Nach seinem Master-Abschluss an der Hochschule für Musik lebte und arbeitete er in London und Brüssel, bis er vor einem Jahr zurück nach Köln kam. Seine Konzert-Reihe in Köln hatte er nie aus den Augen verloren. Jetzt bekam sie neuen Auftrieb: Das Bechstein-Zentrum stellte einen nagelneuen weißen Flügel als Dauerleihgabe zur Verfügung, um das Projekt zu unterstützen. Und Eko Fresh und Malic Bargiel gründeten mit der Wunderlich Bauunternehmung aus Kerpen ein Start-up, um das fast vergessene Wohnheim als „WG & Co“ wiederzubeleben.

Im Juni 2025 war Eko Fresh (2. Reihe, Dritter von links) schon einmal zu Gast in der größten WG Kölns an der Weinsbergstraße.
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94 Studenten, Künstler und Azubis leben hier mittlerweile, Gemeinschaft wird groß geschrieben, und die Konzerte sind nun bestens besucht: „Wir würden gern mehr Termine im Kino-Saal anbieten, die Musiker, auch die Profis, lieben die Akustik“, erzählt Navarro-Silberstein. „Aber hier finden oft Konzerte oder Filmführungen statt, da ist es schwer, Termine zu bekommen.“ Auch über Fördergelder würde er sich freuen. Für Malic Bargiel entspricht die Konzertreihe ganz dem neuen Geist des Hauses. „Wir wollen ja ein Crossover, wir wollen, dass Menschen aus allen sozialen Schichten, Altersgruppen und Kulturen zusammenkommen.“
Insofern läutet der Auftritt von Eko Fresh am 23. Mai die nächste Phase der Reihe ein, künftig sollen verstärkt kölsche Größen wie Brings, Techno-DJs oder Ambient-Musiker als Gäste hinzukommen. Hohe Gagen sind allerdings nicht zu erwarten: Der „non-profit“-Charakter der Reihe bleibt erhalten, die Besucher werden um Spenden gebeten. Und die Musiker dürfen auf Inspirationen hoffen: „Vielleicht sollte ich mal ein ganzes Konzert mit akustischen Instrumenten machen“, überlegt Eko Fresh nach der Probe.
Wer am 23. Mai um 20 Uhr dabei sein möchte, sollte sich online unter „wgundco“ auf Instagram anmelden.
