Abo

Visionen für KölnLindenthaler Bürgermeister führt durch zukünftige „Weststadt“

3 min
Ein Mann erklärt einer Gruppe Menschen etwas.

Vor der „Piazza“ der Ovum-Bürogebäude: Roland Schüler (l.) brachte den Teilnehmern auf einem Rundgang die Komplexität der Weststadt näher.

Die „Weststadt“ soll auf einem 500 Hektar großen Areal entstehen. Dazu gehört der Technologiepark Braunsfeld. Bürger trafen sich zum Ortstermin am „Ovum“.

Der Braunsfelder Technologiepark ist ein dynamisches Gebiet, wie Roland Schüler rund 50 Teilnehmern im Verlauf eines Spaziergangs im Rahmen der „Weststadt-Werkstadt“ erklärte. Junge Unternehmen kommen und gehen, ebenso Institutionen und sogar Marken, die für die Ewigkeit gemacht schienen: Im vergangenen Jahr wurde der Mercedes-Stern an der Widdersdorfer Straße demontiert. „Dieser ständige Wechsel macht die Planungen für dieses Gebiet sehr schwierig, man hinkt dauernd hinterher“, sagte der Lindenthaler Bezirksbürgermeister. Vor allem müssten bei alldem die Rechte und Wünsche der hier lebenden Menschen berücksichtigt werden.

Wie komplex die Aufgabe einer „Entwicklungsplanung Weststadt“ ist, die über den Technologiepark hinausgeht und ein rund 500 Hektar großes Gebiet zwischen Militärring, Aachener Straße, Melatengürtel und Venloer Straße betrifft, war auch der Tenor des „Werkstadt“-Tags unter dem Motto „Menschen, Räume, Möglichkeiten“, zu dem die Verwaltung zusammen mit den Planungsbüros Cityförster und Urbancatalyst sowie dem Verkehrsplanungsbüro SHP Ingenieure eingeladen hatte. Nicht weniger als 40 Bauprojekte seien für dieses Gebiet derzeit im Gespräch oder in der Mache, berichtete Andree Haack, Dezernent für Stadtentwicklung, die größten sind das „Neue Quartier Bickendorf“ und das „Max-Becker-Areal“.

Einen „Kompass“ für die Weststadt habe man trotz der Größe gefunden, vermeldete Urbancatalyst-Gründer Professor Klaus Overmeyer ein Zwischenergebnis: „Klima, Mobilität, Freiräume“ seien wichtige Orientierungspunkte, die bei den bisherigen Werkstatt-Veranstaltungen regelmäßig von den Bürgern eingefordert wurden. Ausdruck findet dies in den Planungen für die „Low Line“, einen begrünten Geh- und Radweg, der mit einer Breite zwischen vier und 20 Metern einmal vom Grünen Weg bis zur Vitalisstraße führen soll und im jetzigen Niemandsland zwischen Widdersdorfer Straße und Stolberger Straße zum Gleispark aufgeweitet wird.

An einer Straße steht ein mehrstöckiges Gebäude.

In der Weststadt, hier an der Stolberger Straße, stehen kaum 30 Jahre alte Bürogebäude leer und verfallen, weil sie den heutigen Anforderungen nicht mehr genügen.

Dieser Grünstreifen ist ausdrücklich als Mittel- und Treffpunkt für die Bewohner des Quartiers gedacht. Darüber hinaus haben die Planer in der Weststadt 13 Viertel mit einer eigenständigen Identität ausgemacht. Diese Identität soll jeweils betont werden, am besten mit Orten, an denen Menschen zusammenkommen – das können öffentliche Plätze oder private Einrichtungen sein. Unter Mitwirkung von Anwohnern sollen zum Abschluss des zweijährigen Planungsprozesses Ende 2026 erste Schritte gemacht sein, um dies auf den Weg zu bringen.

Arbeit wartet auch auf Alice Bauer, Leiterin der Koordinationsstelle Klimaschutz: „Leider sind große Teile der Weststadt versiegelt, aber Dachbegrünung ist eine Möglichkeit oder die Aufstellung von Fotovoltaikanlagen.“ Auch werde geprüft, welche Areale an das Fernwärmenetz angeschlossen werden können.

Eine Straße ist wegen Bauarbeiten einspurig befahren.

Engpass: An der Brücke über die HGK-Trasse ist die Widdersdorfer Straße derzeit einspurig.

Dass in der Weststadt auch weiterhin Gewerbe angesiedelt wird, betonte Natascha Rohde vom Amt für Stadtentwicklung: „Häufig wird Gewerbe durch Wohnungsbau ersetzt, aber die Stadt braucht Gewerbe, es bringt Steuereinnahmen und Arbeitsplätze.“ Neuansiedlungen müssten jedoch auf die übergeordneten Ziele Klimaverträglichkeit, zeitgemäße Mobilität und Aufenthaltsqualität Rücksicht nehmen, darauf werde in der Planungsphase und bei der Aufstellung von Bebauungsplänen geachtet, versprach Rohde: „Heute stimmen sich dabei sieben Ämter ab, das war vor 20 Jahren noch anders.“

Sanierung der Brücke über die HGK-Trasse steht an

Wie gut die interne Abstimmung funktioniert, muss sich möglicherweise schon bald erweisen. Ein Abschnitt der Widdersdorfer Straße ist derzeit nur einspurig, aufgrund von vorbereitenden Arbeiten zur Sanierung der Brücke, die an dieser Stelle über die HGK-Trasse führt. Fünf Jahre wird die Sanierung dauern, wann die eigentlichen Arbeiten losgehen, ist noch unbekannt. Patric Prager, der mit seiner Kommunikationsagentur die Interessen der Braunsfelder Industrie vertritt, schwant Übles: „Hoffentlich finden die Arbeiten nicht gerade dann statt, wenn auf dem Max-Becker-Areal die Bauarbeiten losgehen. Irgendwo müssen die Lkw ja lang fahren.“ Man könne nur hoffen, dass bis dahin die lange geplante Anbindung der Stolberger Straße an die Militärringstraße steht. Hendrik Colmer vom Amt für nachhaltige Mobilitätsentwicklung bestätigte immerhin: „Die Verwaltung arbeitet sehr aktiv daran, wir haben ein großes Interesse, diese Verbindung möglichst schnell herzustellen.“