- Die Kölner Laienvertretung und Kardinal Rainer Woelki sind sich einig, dass die katholische Kirche in einer Misere steckt.
- Eine gemeinsame Anstrengung, um ihre gemeinsame Sorge um die Kirche zu bekämpfen, gibt es aber nicht.
- Woelki reagiert auf Forderungen des Laiengremiums nicht, und das kommt nicht zum ersten Mal vor.
Köln – In der Analyse der Misere sind sich Kardinal Rainer Woelki und die Kölner Laienvertretung auffallend einig. Am drastischsten formuliert es der Erzbischof selbst: Erschreckend und beschämend für die Kirche sei die Abwendung einer zunehmenden Zahl von Menschen. „Offenbar haben die Verkünder des Glaubens versagt.“ So weit, so schlimm.
Doch aus geteilter Erkenntnis erwächst keine gemeinsame Anstrengung. Es reicht noch nicht einmal zum Reden: Seit einem halben Jahr wartet das oberste Laiengremium vergeblich darauf. Auch seinen Seelsorgern gegenüber bleibt Woelki stumm, wenn sie sich mit Sorgen um seine Kirche zu Wort melden, die doch genauso auch ihre ist.
Für Woelki ist klar, dass es sich um ungesundes Gebrause des Zeitgeists handelt
Was die Verfasser eines offenen Briefes an den Erzbischof jetzt erleben, erging einer Gruppe von Priestern ganz ähnlich, als sie Woelki 2017 zum 50. Jahrestag ihrer Weihe einen Brief mit einer aufrüttelnden Anfrage an den Zölibat schrieb. Die Antwort war und ist: beredtes Schweigen.
Es korrespondiert mit Woelkis Weigerung, im Ruf nach Kirchenreformen die Stimme des Heiligen Geistes auch nur zu vermuten. Für ihn ist klar, dass es sich stattdessen bloß um das – natürlich ungesunde – Gebrause des Zeitgeists handelt. Zu diesem eindeutigen Ergebnis kann aber eigentlich nur kommen, wer den Willen Gottes immer schon und von vornherein zu kennen glaubt. Manche nennen so etwas klerikale Hybris.
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Die Wirklichkeit, sagt Woelki, sei keine eigene Erkenntnisquelle. Seltsam nur, dass ausgerechnet Jesus in der Bibel ständig die Realität zu Hilfe nimmt, wenn er von Gott redet und seine Zuhörer dazu auffordert, die Zeichen der Zeit zu deuten. Deshalb darf eine Rückbesinnung auf Christus gerade nicht den Bezug zur Gegenwart verlieren. Sonst kommt ihr auch die Zukunft abhanden.

