„Wunder ist ausgeblieben“Steinhäuser sieht „Zeit des Leidens“ nach Woelki-Rückkehr

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Kardinal Rainer Woelki

Köln – Der scheidende Verwalter des Erzbistums Köln, Rolf Steinhäuser, sieht das Erzbistum mit der geplanten Rückkehr von Kardinal Rainer Woelki am Aschermittwoch vor einer Zeit des Leidens. „Das spektakuläre Wunder ist ausgeblieben“, sagte Steinhäuser in einer Videobotschaft auf „domradio.de“ zu seinem Abschied. Wenn man Umfragen folge, „scheinen viele Gräben noch tiefer und unüberbrückbarer als zuvor“. Die Probleme seien nicht gelöst.

Gibt Rainer Woelki doch noch seinen Rücktritt bekannt?

Am Dienstag hielten sich zugleich hartnäckig Gerüchte, Woelki könnte am morgigen Tag in einer von ihm angekündigten Presse-Erklärung doch noch seinen Rücktritt bekanntgeben. Konkrete Hinweise darauf oder gar eine Bestätigung waren aus hochrangigen Kirchenkreisen nicht zu erhalten.

Nach den Vorgaben eines päpstlichen Dekrets vom September läuft Woelkis knapp fünfmonatige Beurlaubung mit dem heutigen Tag aus. Erste Auftritte beim „Aschermittwoch der Künstler“ mit einem Gottesdienst am Dom sowie in einem ökumenischen Gottesdienst am Samstag in Düsseldorf hatte Woelki kurzfristig abgesagt. Die Pressestelle des Erzbistums teilte auf eine Anfrage zu Woelkis Programm in den folgenden Wochen mit, es lägen über die beiden Absagen hinaus „leider keine weiteren aktuellen Informationen vor".  

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Rundschreiben des Generalvikars an alle Mitarbeitenden

Gegen Rücktrittsvermutungen spricht auch ein Rundschreiben an alle Priester, Seelsorgenden und Mitarbeitenden der Bistumsverwaltung vom 1. März. Darin kündigt Woelkis Generalvikar Markus Hofmann die reguläre Übernahme der Amtsgeschäfte für den folgenden Aschermittwoch an – genau wie geplant. Auch Hofmann spricht davon, dass viele Mitarbeitende derzeit litten. „Mir ist bewusst, dass viele von Ihnen die aktuelle Situation mit großer Sorge betrachten und eine konkrete Perspektive vermissen“, heißt es in Hofmanns Brief, der dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegt. „Wir werden gemeinsam einen Weg des Dialoges suchen“, verspricht Hofmann, der zuletzt als „Delegat“ von Steinhäuser in dessen Aufgabe als „Apostolischer Administrator“ fungierte.

Zu organisatorischen Details teilt Hofmann unter anderem mit, dass Siegel, Briefbögen und Urkunden künftig wieder auf den Erzbischof lauteten beziehungsweise entsprechend zu verwenden seien. „Die Dienstsiegel des Apostolischen Administrators sind am Aschermittwoch im Büro des Generalvikars abzugeben." Das Büro des Administrators werde geschlossen, Steinhäuser amtiert dann wieder als Weihbischof.

„Zeit des Aufatmens“ im Erzbistum Köln

Steinhäuser selbst stellt in seiner Grußbotschaft an die Menschen im Erzbistum zwar fest, dass es in Woelkis Abwesenheit seit Oktober für viele „eine Zeit des Aufatmens“ gegeben habe. „Blockaden wurden aufgehoben, Gesprächsfäden wieder neu geknüpft.“ Das Erzbistum habe eine „neue Kultur des Miteinanders eingeübt“. Synodalität sei kein Schlagwort geblieben. Die Gremien seien in den vergangenen Monaten „in einem veränderten Klima nicht schwächer, sondern stärker“ geworden. „Wir wissen nicht, was kommt, aber wir bleiben einander erhalten."

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Allerdings habe er seine „Mission impossible“ – den unmöglichen Auftrag – von Umkehr, Versöhnung und Erneuerung im Erzbistum nur sehr bedingt erfüllen können. „Der Erzbischof und die Christen im Erzbistum liegen sich nicht in den Armen, bekennen ihre Schuld und feiern Versöhnung“, stellt Steinhäuser fest.

Rolf Steinhäuser schließt mit einem geistlichen Ausblick

Vielmehr beginne am Aschermittwoch nun eine neue Zeit. „Diese Zeit hat auch etwas mit Passion zu tun. Mit Leiden und mit Leidenschaft. Ich fürchte, das werden wir auch miteinander erleben und aushalten müssen.“ Steinhäuser schließt mit einem geistlichen Ausblick: Am Ende stehe „immer Ostern die Verheißung neuen Lebens“.

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