Bei der Kreismitgliederversammlung stimmt eine Mehrheit dafür, die Debatte zum Olympia-Entscheid „kritisch, sachlich und konstruktiv“ zu begleiten.
Hitzige DiskussionKölner Grüne sagen „Jein“ zu Olympia und Paralympics

Fraktionschefin Christiane Martin steht bei der Kreismitgliederversammlung der Grünen am Rednerpult.
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Ein klares „Ja“ oder „Nein“ zu Olympischen und Paralympischen Spielen in Köln und der Region Rhein-Ruhr wird es im Vorfeld des Ratsbürgerentscheids am 19. April von den Kölner Grünen nicht geben. Eine Mehrheit stimmte bei der Kreismitgliederversammlung am Montagabend im Friedrich-Wilhelm-Gymnasium nach einer hitzigen Diskussion für die informative Herangehensweise des Vorstands und sprach sich „für eine kritische, sachliche und konstruktive Begleitung der Debatte“ aus.
Ziel sei es, „dass die Bevölkerung so auf einer fundierten Basis eine Entscheidung treffen kann“, heißt es in dem entsprechenden Antrag. Co-Parteichefin bezeichnete die vorgeschlagene sachliche Kosten-Nutzen-Abwägung einer Austragung Olympischer Spiele als „sich Aufschlauen“. Eine klare Abstimmungsempfehlung geben die Kölner Grünen damit nicht.
Olympia: Stadt Köln sammelt bis zum 20. Februar die jeweilige Haltung der Ratsfraktionen
Die Stadt Köln will bis zum 20. Februar die jeweilige Haltung der Ratsfraktionen und des Oberbürgermeisters einsammeln, um sie auf der eigens eingerichteten städtischen Olympia-Informationsseite im Internet zu veröffentlichen und in den Bürgerämtern als Information auszulegen. CDU und SPD (jeweils 18 Sitze im Stadtrat) und Oberbürgermeister Torsten Burmester haben sich bereits klar als Olympia-Befürworter positioniert. Die Grünen (22 Sitze) hatten im Rat zwar dafür gestimmt, dass Köln sich um die Austragung der Spiele bemüht, zuletzt waren aber zunehmend auch kritische Stimmen zu hören gewesen.
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Entsprechend kontrovers verlief die sogenannte „Aussprache“ am Montagabend. Auf Seiten der „Jein“-Befürworter argumentierte unter anderem Fraktionschefin Christiane Martin: „Wir müssen nicht die sein, die blindlings jubelnd sagen: eine ultrageile Sache, wollen wir hier in Köln haben.“ Vielmehr sollten die Grünen diejenigen sein, „die neben den unbestrittenen Chancen auch die Risiken ganz klar benennen, da wären wir quasi die Einzigen“.
Kölner Grüne wollen bei Olympia-Bewerbung nicht „gallisches Dorf“ sein
Martin warnte davor, Olympia komplett abzulehnen. „Erstens werden unsere Stimmen bei späteren Entscheidungen als Regulativ gebraucht“, sagte sie. „Zweitens glaube ich, dass wir als grüne Kölnerinnen und Kölner nicht unbedingt das gallische Dorf innerhalb der grünen Landschaft sein sollten.“ Sowohl Bundestags- als auch Landtagsfraktion der Grünen hätten sich immerhin für eine Olympia-Ausrichtung ausgesprochen.
Viele Worte, keine Position
Vehement gegen Olympische und Paralympische Spiele in Köln-Rhein-Ruhr sprach sich etwa Ida Holschbach aus, Sprecherin der Grünen Jugend Köln. „Viele Worte, keine Position“, so beschrieb sie die Haltung des Kreisvorstands. „Olympia wird immer als Mittel zum Zweck gesehen, fast schon ein Heilmittel“, sagte sie: „Das ist doch Bullshit und naiv, Olympia ist kein Instrument der Wirtschaftsförderung und kein Instrument des Klimaschutzes.“
Um etwa den Breitensport zu fördern, müsse man Sportstätten sanieren und Vereine stärken, „nicht Goldmedaillen an gedopte Sportlerinnen und Sportler verteilen“, sagte Holschbach. Sie bekam ebenso wie weitere Olympia-Gegner viel und lauten Applaus. Die Mehrheit der Stimmen ging am Ende aber an das vom Kreisvorstand vorgeschlagene „Jein“.

