Zigarettenstummel, Handtücher, Koffer, aber auch eine Pistole oder Geldbörsen hat Heide Bergkammer schon auf ihren Touren in Ostheim gefunden.
Reifen, Kondome, Pistole„Müssen alle was tun“ – 80-Jährige sammelt Müll im Waldbadviertel
Fast einen ganzen Sack voller Zigarettenstummel hat Heide Bergkammer in acht Monaten in Köln-Ostheim aufgehoben. Ihr Sammelgebiet: das Waldbadviertel, der Alte Deutzer Postweg und das Höwiland. Bergkammer ist 80 Jahre alt und seit zehn Jahren ehrenamtlich als Müllsammlerin in ihrem Veedel in Köln unterwegs – rund 25 Stunden pro Woche, mit Greifzange und Mülltüte.
Reifen, Schuhe, Unterhosen
Die Kippen ärgern die Seniorin mit der orangefarbenen Weste, den Handschuhen und dem Greifer besonders. Eine einzige Zigarette kann laut BUND zwischen 40 und 60 Liter Wasser verseuchen. Was sie darüber hinaus aufsammelt, listet sie selbst auf: „Autoreifen, Schuhe, Unterhosen, Handtücher, Schnuller, Zigarettenstummel, Plastik.“ Auch illegal entsorgter Sperrmüll auf Grünflächen – Koffer, Kleidung, Farbreste – ärgert sie. Vieles davon könnte ihrer Ansicht nach in Secondhand-Shops oder auf Recyclinghöfen abgegeben werden.
Ihr Einsatz hat ihr auch ungewöhnliche Funde eingebracht. Vor etwa zweieinhalb Jahren entdeckte sie eine Pistole. „Bin natürlich zur Polizei“, sagt sie. Kurz darauf fand sie eine Reihe von Dokumenten und Karten: „Da habe ich dann erfahren, dass das eine ganz wichtige Sache war, die ich da gefunden habe.“ Außerdem hat sie bereits Geldbörsen, Kondome und Kot aufgesammelt.
E-Scooter werden beiseite geräumt
Wenn Grünflächen zu stark zuwachsen, ruft Bergkammer das Grünflächenamt an. Auch falsch abgestellte E-Scooter räumt sie weg: „Die räume ich dann beiseite, sodass man wieder durchkommt und nicht stolpert.“
Ihren Antrieb erklärt sie schlicht: „Wir sind alle aufgefordert, was zu tun. Wir können nicht alles für Geld machen.“ Sie wünscht sich, dass Eltern ihre Kinder früh für das Thema sensibilisieren: „Die Eltern müssten ihren Kindern von klein auf beibringen, welche Gefahren dieses Plastik hat. Der Grund ist wichtig – was passiert mit unserer Erde, wenn das alles in den Boden kommt?“
Ihr Waldbadviertel könnte aus ihrer Sicht Vorbild sein: „So könnte es auch in Kalk und in Vingst und überall aussehen, wenn die Menschen sich bereit erklären, mal für einen Stadtteil was zu tun.“
