„Nicht mehr zu akzeptieren“BUND will Karneval im Grüngürtel verhindern – trotz geplanter Bühne auf den Ringen

Lesezeit 4 Minuten
Drei Personen auf der Uniwiese

Helmut Röscheisen (BUND), Anwohnerin Coletta Scharf und Jörg Frank im Grüngürtel (v.l.) auf der Uniwiese

Die Uniwiese dürfe nicht weiter als Ausweichfläche genutzt werden, so der Umweltverband. Zu groß seien die Folgen für den Landschaftsschutz.

Der Umweltverband BUND will verhindern, dass die Uniwiese kommende Weiberfastnacht trotz möglicher neuer Bühne auf den Ringen weiterhin als Ausweichfläche genutzt wird. „Die Exzesse am vergangenen 11.11. haben ein Ausmaß angenommen, das für das Landschaftsschutzgebiet nicht mehr zu akzeptieren ist“, sagte Helmut Röscheisen vom BUND am Freitag. „Die Stadtdirektorin Andrea Blome kann die Nutzung des Grüngürtels nicht mehr mit der Gefahrenabwehr begründen.“

Karnevalsgesellschaft plant neue Bühne an Weiberfastnacht

Weiberfastnacht ist in rund fünf Wochen. Derzeit konkretisiert sich der Plan für eine neue Bühne auf dem Hohenstaufenring zwischen Schaevenstraße und Schaafenstraße (wir berichteten). Die Karnevalsgesellschaft „Die Grosse von 1823“ will sie organisieren, bis Mitte Januar soll das Konzept fertig sein, sagte Präsident Joachim Zöller dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ kürzlich. Auf der Bühne sollen Nachwuchsbands auftreten und das junge Feierpublikum von der Zülpicher Straße anlocken, damit diese entlastet wird. Der Stadtrat hat zur Unterstützung des Vorhabens kurzfristig Mittel von 320.000 Euro freigegeben.

Der Forderung des BUND nach einer Alternativveranstaltung auf versiegelter Fläche und nicht mehr im Grüngürtel wird damit zwar grundsätzlich nachgekommen. Doch das ist dem BUND noch nicht genug. Denn die Uniwiese wird, selbst wenn schon zu Weiberfastnacht die neue Bühne kommt, vorerst weiter genutzt werden. So schrieb die Verwaltung in der Begründung für die Freigabe der 320.000 Euro im Dezember: „Der Verwaltung ist bewusst, dass die Umsetzung der dezentralen Veranstaltung nicht unmittelbar dazu führen wird, dass auf die bisher genutzte Ausgleichsfläche verzichtet werden kann, um die Überfüllung des Zülpicher Viertels entsprechend zu kompensieren.“

Alles zum Thema Weiberfastnacht

Für den 11.11.2024 sollen dann weitere Konzepte und mögliche weitere Ausweichflächen für das Zülpicher Viertel erörtert werden. Dafür brauche es aber weitere private Veranstalter, die an der Umsetzung Interesse hätten.

BUND kritisiert Ausweichfläche für Zülpicher Straße im Grüngürtel

Ex-Grünen-Fraktionsgeschäftsführer und BUND-Mitglied Jörg Frank nennt das „den Gipfel der Ignoranz“. „Der Grüngürtel wird an Weiberfastnacht trotz neuem Großevent als faktische Eventfläche der Verwüstung preisgegeben.“ Es brauche eine „echte Feieralternative“. Die vom BUND vorgeschlagene Nord-Süd-Fahrt als Ausweichfläche hatte die Stadtverwaltung aber abgelehnt. Der BUND hat gegen die erneute Nutzung des Grüngürtels Beschwerde bei der Kölner Bezirksregierung eingereicht. Faktisch sei die Entlastungsfläche keine Gefahrenabwehr, sondern eine Veranstaltung mit DJs für mehrere Zehntausend Leute.

Man brauche die Uniwiese nicht mehr, wenn die Feiernden entsprechend vom Gelände weggelenkt werden würden, ergänzte Helmut Röscheisen. „Dazu muss der Grüngürtel großflächig abgesperrt werden.“ Dafür brauche es auch Unterstützung aus der Politik. „Ich erwarte ein klares Bekenntnis von der Grünen-Fraktion und auch von unserem Umweltdezernenten“, so Röscheisen.

Bürgergemeinschaft fordert mehrere Ausweichflächen an Karneval

Michael Neumann von der Bürgergemeinschaft Rathenauplatz wünscht sich diverse dezentrale Veranstaltungen zur Entlastung seines Viertels. „Unsere Mindestforderung ist aber, dass der gesamte Bereich des Grüngürtels zwischen Bachemer Straße und Aachener Straße ebenso geschützt werden soll wie die Uniwiese“, sagte Neumann. Besonders der Aachener Weiher war beim vergangenen 11.11. deutlich in Mitleidenschaft gezogen worden.

Hier wurden, im Gegensatz zum Teil des Grüngürtels zwischen Bachemer Straße und Luxemburger Straße, weder Bodenplatten verlegt, noch Teile der Wiese mit Zäunen abgeriegelt. „Es sah aus wie auf einer Mülldeponie“, berichtet Anwohnerin Coletta Scharf zum Aachener Weiher. Die kleinen Wäldchen dort wären als Toiletten genutzt worden, im Wasser habe sie Hunderte Glasflaschen gezählt. „Schützenswerte Tierarten werden dort gefährdet“, sagte sie.

Wie Weiberfastnacht in fünf Wochen aussehen wird, wird sich wohl in den kommenden zwei Wochen konkretisieren, wenn die „Grosse“ ihr Konzept zur Bühne eingereicht hat. Dieses muss die Stadtverwaltung dann bewerten. Kritik an der Bühne gibt es unterdessen auch von Vertretern aus der queeren Kölner Szene. „Eine Bühne in der Nähe zur Schaafenstraße wird die Zahl der Konfrontationen, Anfeindungen und Übergriffe auf die Gäste und das Sicherheitspersonal der Straße erhöhen“, teilte der Vorstand des Vereins „Cologne Pride“, der auch den Christopher-Street-Day in Köln organisiert, am Dienstag mit.

KStA abonnieren