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Neue Hotspots, Sicherheitslage, AbsperrungenSo bereiten sich Stadt, Polizei und Feuerwehr auf die Karnevalstage vor

4 min
Rund um den Chlodwigplatz kam es am 11.11. zu viel Müll, Wildpinkeln und verärgerten Anwohnern.

Rund um den Chlodwigplatz kam es am 11.11. zu viel Müll, Wildpinkeln und verärgerten Anwohnern.

Der Hype um das Zülpicher Viertel hat zwar nachgelassen. Der Andrang verlagert sich aber in andere Viertel. Wie die Stadt reagiert.

Die Strahlkraft des Feier-Hotspots Zülpicher Viertel hat zwar nachgelassen, der Andrang teils sehr junger Jecken ist an den Karnevalstagen jedoch weiterhin hoch – er verteilt sich nur stärker über das Stadtgebiet. Diese neue Lage stellt Stadt, Polizei und Feuerwehr vor neue Herausforderungen. Bei einer Pressekonferenz haben die Behörden nun ihre Pläne für die tollen Tage vorgestellt. Ein Überblick:

Was plant die Stadt im Zülpicher Viertel?

Der Hype um das Studentenviertel ist zwar leicht abgeflaut, dennoch rechnen Stadt und Polizei vor allem an Weiberfastnacht und Rosenmontag mit vielen jungen Feiernden. Das Viertel wird erneut großräumig abgesperrt. Neben den bekannten Zugängen an der Roonstraße und vor der Uni-Mensa öffnet in diesem Jahr ein dritter Zugang an der Ecke Kyffhäuserstraße/Barbarossaplatz. Wird es zu voll, werden die Zugänge vorübergehend geschlossen. Am 11.11. war dies nur einmal für kurze Zeit nötig. Für Anwohnerinnen, Anwohner und Gewerbetreibende gibt es gesonderte, mit Ausweisen passierbare Eingänge.

Wie sieht es auf der Uniwiese aus?

„Unsere Maßnahmen zur Entlastung des Kwartier Latäng und der Uniwiese zeigen Wirkung“, sagte Ordnungsamtsleiter Dirk Käsbach. Die Uniwiese wird wie im Vorjahr als reine Transit- und Ausweichfläche genutzt: keine Bühne, keine Musik, keine Getränke, kein Essen. Die gesperrte Fläche ist aber rund ein Drittel kleiner als im Vorjahr. Auch im Hiroshima-Nagasaki-Park richtet die Stadt erneut eine Schutzzone ein, um Vermüllung und Schäden zu vermeiden.

Die gesperrte Fläche auf der Uniwiese ist rund ein Drittel kleiner als im Vorjahr.

Die gesperrte Fläche auf der Uniwiese ist rund ein Drittel kleiner als im Vorjahr.

Dem BUND reicht das allerdings nicht. „Wir erwarten nach wie vor, dass die Uni-Wiesen im Landschaftsschutzgebiet nicht weiter als ‚Ausweichflächen zu Gefahrenabwehr‘ missbraucht werden, indem Ströme von feierfreudigen jungen Menschen dort hingelenkt werden. Wer Exzesse im Straßenkarneval eindämmen möchte, muss hier anfangen und damit auch die BewohnerInnen des Zülpicher Viertels entlasten“, sagte Helmut Röscheisen, Vorstandsmitglied des BUND Köln. Er fordert eine Alternativveranstaltung auf versiegelter Fläche, etwa am Konrad-Adenauer-Ufer.

Wie geht die Stadt mit neuen Hotspots um?

Während das Zülpicher Viertel an Attraktivität verliert, werden Südstadt und Altstadt bei jungen Jecken beliebter. Rund um den Chlodwigplatz kam es am 11.11. zu viel Müll, Wildpinkeln und verärgerten Anwohnern. Die Stadt will dort mehr Toiletten und Mülleimer aufstellen. Die Haltestelle Chlodwigplatz soll besser gesichert werden, auch Überfahrsperren werden aufgestellt. Sperrzonen wie im Zülpicher Viertel sind vorerst nicht geplant. „Sollte sich die Lage verschärfen, reagieren wir kurzfristig“, so Ordnungsamtschef Käsbach. „Wir wollen aber nur dort absperren, wo es wirklich erforderlich ist.“

Feuerwehrchef Christian Miller, Ordnungsamts-Chef Dirk Käsbach, und Martin Lotz, Direktionsleiter Gefahrenabwehr der Polizei Köln bei der Pressekonferenz (v.l.).

Feuerwehrchef Christian Miller, Ordnungsamts-Chef Dirk Käsbach, und Martin Lotz, Direktionsleiter Gefahrenabwehr der Polizei Köln bei der Pressekonferenz (v.l.).

Ein Glasverbot – anders als im Zülpicher Viertel, der Altstadt und am Aachener Weiher – ist nicht vorgesehen. Stattdessen setzt die Stadt auf freiwilligen Verzicht und Tauschstellen für Pappbecher.

Wie schätzt die Polizei die Sicherheitslage ein?

Die Gefahr sei aufgrund der weltweiten Lage weiterhin „abstrakt hoch“, sagte Martin Lotz, Direktionsleiter Gefahrenabwehr. Konkrete Hinweise gebe es aber nicht. Wie im Vorjahr sind 1400 bis 1500 zusätzliche Polizistinnen und Polizisten im Einsatz. „Wir bringen alles auf die Beine, was gesund ist“, so Lotz. Die Synagoge an der Roonstraße wird erneut besonders geschützt. Lotz appellierte an Feiernde, keine Waffenattrappen mitzuführen; Messer sind verboten. Die Polizei kündigt gezielte Personen- und Taschenkontrollen an, auch auf sogenannte Anscheinswaffen soll kontrolliert werden.

Wo bekommen die Jecken Hilfe?

Neben Polizei und Ordnungsamt ist erneut das Projekt „Edelgard“ gegen sexualisierte Gewalt im Einsatz – mit bis zu drei mobilen Teams an den Karnevals-Hotspots. Unter 0221/221‑27777 wird beraten und informiert. Zudem sind 26 Streetworkerinnen und Streetworker unterwegs.

Feuerwehr und Rettungsdienst bereiten sich ebenfalls auf hohe Einsatzzahlen vor. „2025 gab es an Weiberfastnacht 944 Rettungsdiensteinsätze – etwa doppelt so viele wie an einem normalen Tag“, sagte Feuerwehrchef Christian Miller. Der Rettungsdienst richtet mehrere mobile Hilfsstellen ein, zusätzlich wird es wieder ein Notfallzentrum am Perlengraben geben. Miller berichtete zudem von Übergriffen auf Einsatzkräfte und appellierte: „Lassen Sie die Einsatzkräfte ihre Arbeit machen. Übergriffe haben im Karneval keinen Platz.“

Was tut die Stadt für den Jugendschutz?

Wie in den Vorjahren führte die Stadt Testkäufe in Kiosken durch – und erneut kam es zu zahlreichen Verstößen: Von 41 kontrollierten Betrieben verkauften 31 verbotenerweise hochprozentigen Alkohol oder Tabak an Minderjährige. Auch an den Karnevalstagen sind Kontrollen geplant. Den erwischten Betrieben drohen empfindliche Strafen. Ein Kiosk in der Altstadt etwa wurde vergangene Woche wegen wiederholter Verstöße geschlossen.

Welche Konsequenzen zieht die Stadt aus dem Feuerunglück von Crans-Montana?

Das Unglück hat auch in Köln viele verunsichert und auch die Frage aufgeworfen, wie sicher der Kneipenkarneval ist. Stadtdirektorin Andrea Blome hatte gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ bereits Mitte Januar angekündigt, dass das Ordnungsamt stichprobenartige Kontrollen von Kneipen „in der heißen Phase des Karnevals“ durchführen wird. Das bekräftigte Ordnungsamt-Chef Dirk Käsbach am Montag erneut.

Am 28. Januar trafen sich Gastronomie, Feuerwehr, Bauaufsicht und Ordnungsamt außerdem zu einem Austausch über Brandschutz in Kneipen und Restaurants. Die IG Gastro bot daraufhin kurzfristig Schulungen an, die schnell ausverkauft waren, so Käsbach. „Die große Nachfrage zeigt, dass das Thema ernst genommen wird. Das erleichtert uns und der Bauaufsicht die Arbeit“, so Käsbach.