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Talk-Format „100 Ideen für Köln“Klimaneutralität braucht grüne Lösungen – „Müssen um jeden Baum kämpfen“

4 min

Stadtförster Michael Hundt, Grünflächenamt-Leiterin Melanie Ihlenfeld und Moderator Jürgen Domian.

Kölner Experten diskutieren kreative Lösungen für mehr Stadtbegrünung. Schutz und Neuanpflanzungen sollen beides fördern.

Unkompliziert ist sie nicht, die Linde. Dreimal im Jahr mindestens verflucht Michael Hundt den Baum, weil er verdammt viel Arbeit macht. Fan ist der Stadtförster dennoch. „Die Linde ist ein Insektenmagnet, sie duftet wunderbar und ist irre robust“, sagt Hundt am Dienstagabend in der Workstage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ bei der Diskussionsrunde „Wie viele Bäume braucht die Stadt der Zukunft?“. Neben Hundt saßen Moderator Jürgen Domian und Melanie Ihlenfeld, die Leiterin des Kölner Grünflächenamts, auf dem Podium. Moderiert wurde der Abend von den KStA-Redakteurinnen Susanne Rohlfing und Julia Hahn-Klose.

„Bäume sind Leben“

Es war die zweite Ausgabe des Live-Talks „100 Ideen für Köln“, den der „Kölner Stadt-Anzeiger“ mit Unterstützung der Sparkasse Köln-Bonn veranstaltet: Jürgen Domian, langjähriger Nachttalker bei 1Live, war im vergangenen Jahr einer der Ideengeber der Serie „100 Ideen für Köln“. Er hatte sich 50 blühende Kirschbäume vor der Oper gewünscht – eine Idee, die nie umgesetzt werden wird. Der Grund: „Das Gebäude und das Ensemble der Oper stehen unter Denkmalschutz. Von der Straße aus muss ein freier Blick auf die Oper gegeben sein“, erklärt Ihlenfeld, „da ist nix zu machen.“ Dass dem so ist, wusste Domian – zu dem Talk zu kommen, war ihm dennoch ein Bedürfnis. „Bäume sind Leben und unfassbar wichtig für die Natur. Ich habe Bäume schon als Kind geliebt“, erzählt er zu Beginn im Gespräch mit Julia Hahn-Klose.

Julia Hahn-Klose und Susanne Rohlfing mit Michael Hundt, Melanie Ihlenfeld und Jürgen Domian (v.l.)

Am Mittag, noch in seiner Dachgeschosswohnung, hatte er, so erzählt der Kölner, Sorge, dass wegen der Temperaturen am Abend niemand kommen würde, aber damit lag er falsch. Rund 80 Besucherinnen und Besucher – Jüngere wie Ältere – hörten zwei Stunden lang konzentriert zu, zeigten sich überaus kundig beim „Welchen Baum sehen Sie hier“-Quiz und diskutierten am Ende sogar mit.  

Flächen sind rar in Köln

Eines der Grundprobleme skizzierte Susanne Rohlfing gleich zu Beginn: „Die Flächen sind knapp, wir benötigen in Köln Schulen, Infrastruktur, Wohnungen, aber wir brauchen auch mehr Bäume – die Frage ist, wie man diesen Spagat bewältigt.“ Melanie Ihlenfeld hat dazu eine klare Haltung: „Man muss kreativer werden, wenn man baut: Wo kann man Bäume erhalten, wo kann man Straßenbäume pflanzen? Wir müssen Baumschutz früher betrachten. Es darf nicht sein, dass man irgendwann denkt: ‚Ach, da ist ja noch ein Baum‘.“

Gerade in finanziell schwierigen Zeiten wie jetzt in Köln sei es, so Ihlenfeld, „wichtig, dass wir um jeden Baum kämpfen. Klimaschutz muss Pflichtaufgabe werden.“ Hundt ergänzte, die Politik sei ein sehr wandelnder Partner, die Natur erinnere einen aber immer wieder daran, wo es brennt. „Die Natur korrigiert die Fehler der Politiker, und alle, die den Klimawandel leugnen, kriegen eines Tages die Quittung. Das ist so.“

„Der Wald hat große Probleme“

Was den Zustand des Kölner Waldes angeht, war Hundt realistisch und hoffnungsvoll gleichzeitig. „Der Wald hat nach wie vor große Probleme infolge von Dürren oder neuen Krankheiten“, sagte der Stadtförster. Er sei jedoch, so Hundt mit einem Lächeln, zuversichtlich, dass die alten Bäume länger durchhielten als die Kölner Brücken. „50 bis 80 Jahre sind kein Zeitraum für die. Im Gremberger Wäldchen haben wir Bäume, die ungefähr 300 Jahre alt sind.“ Sei ein Ökosystem ausreichend vielfältig, könne die Natur so einiges wegstecken. Für diese Artenvielfalt warben daher auch beide Baum-Experten.

Die These, aufgestellt jüngst unter anderem von der Deutschen Umwelthilfe, Köln hätte zwischen 2018 und 2025 rund 20.000 Bäume verloren, wollte Ihlenfeld so nicht stehen lassen. „Wir pflanzen in der Stadt immer nach, der Wald wird auch kontinuierlich erweitert. Für jeden Baum, der gefällt werden muss, muss einer nachgepflanzt werden – wenn es am Ort des alten Baums nicht möglich ist, muss eine Ausgleichszahlung geleistet und an anderer Stelle nachgepflanzt werden.“ Hundt ergänzte, in zehn Jahren seien 120 Hektar Wald hinzugekommen.

Der Abend endete mit einer lebhaften Diskussion: über große Pflanzkübel, Kölns Ziel, 2035 klimaneutral zu sein, Dachbegrünung, neue Bäume auf einer Wiese am Aachener Weiher – und dem Hinweis eines Besuchers, die von Jürgen Domian gewünschten Kirschblüten seien nicht gerade Insektenmagneten. Der befand nichtsdestotrotz: „Es gibt ein zunehmendes Bewusstsein für diese Problematik, das ist eine gute Entwicklung, und die macht Hoffnung.“


Der Erlös des Kartenverkaufs geht an die Aktion „10.000 Bäume für Köln“. Wenn auch Sie gern für Setzlinge für den Stadt-Anzeiger-Wald spenden wollen, bitte hier entlang: ksta.de/zehntausend. Die Spendensumme liegt aktuell bei über 38.000 Euro, das entspricht mehr als 7500 Setzlingen.

Am 14. November werden die Bäume in einer gemeinsamen Aktion auf einem künftigen Waldgrundstück in Köln gepflanzt. An diesem Datum vor 150 Jahren ist die erste Ausgabe des "Kölner Stadt-Anzeiger" erschienen – die Pflanzaktion ist Teil des Programms zum Jubiläumsjahr. Die Talk-Reihe „100 Ideen für Köln“ wird im September fortgesetzt.