Stehender Rosenmontagszug?So könnte der Kölner Karneval in der Corona-Krise aussehen

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Der Rosenmontagszug ist ein fester Bestandteil des Kölner Karneval

  • Die Corona-Krise bringt mit Blick auf die Zukunft derzeit vor allem eines mit sich: Verunsicherung. Keiner kann zuverlässig sagen, was sein wird.
  • Ob und wie sich das alltägliche Leben normalisieren kann, hängt von zu vielen Faktoren ab. Das gilt auch für den Kölner Karneval.
  • Wie wichtig es ist, einen Plan B in der Schublade zu haben, über den Kern des Karnevals und was Rosenmontag passieren könnte, haben wir mit Christoph Kuckelkorn, dem Präsidenten des Festkomitees Kölner Karneval, besprochen.

Köln – Die Corona-Krise bringt mit Blick auf die Zukunft derzeit vor allem eines mit sich: Verunsicherung. Keiner kann zuverlässig sagen, was sein wird. Ob und wie sich das alltägliche Leben normalisieren kann, hängt von zu vielen Faktoren ab. Das gilt auch für den Karneval. Es ist schon jetzt ziemlich sicher, dass die Session 2020/2021 nicht so ablaufen wird wie die in den Jahren zuvor. Karneval wird stattfinden, aber anders. Abgesagt wurde bisher nichts. 

Kölner Karneval muss in Krisenzeit kreativ werden

„Karneval ist so tief in der Bevölkerung verankert, dass er gerade in Krisenzeiten besonders wichtig ist. Er gibt Perspektive, Halt und Zuverlässigkeit – wie Weihnachten, das kommt einfach. Wir sind uns sehr bewusst, dass das FK nicht der Karneval ist, wir helfen nur, das Fest zu organisieren. Aber das Volk gibt sich den Karneval selber, ob wir das wollen oder nicht. Wenn wie 91 ein Zug abgesagt wird, findet er halt trotzdem irgendwie statt. Deshalb müssen wir überlegen, was können wir unter den dann bestehenden Rahmenbedingungen maximal für einen Karneval veranstalten. Da muss man kreativ sein und wieder an den Kern der einzelnen Veranstaltungen gehen. Wie kann ich diesen Kern neu denken und neu feiern? Darüber reden wir auch mit unseren Gesellschaften. Dabei geht es um Abläufe, aber auch um Finanzierungen. Sie müssen den Karneval mit dem Herzen, als Karnevalisten, sehen, nicht als Veranstalter. Wenn du vom Kern aus denkst, ist das vielleicht sogar eine Bereicherung. Selbst wenn wir dann eine normale Session haben. Was sind die wirklich wichtigen Elemente, was muss es auf jeden Fall geben? Das kann auch neuen Rückenwind geben.

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Die Krise zwingt uns, über Dinge nachzudenken und neue Wege zu gehen. Wir haben ja noch ein gutes halbes Jahr Zeit. Jetzt müssen wir erstmal abwarten, was nach dem Sommer, der Urlaubszeit und den weiteren Lockerungen passiert. Dem versuchen wir uns anzupassen. Flexibel sein, Konzepte im Hintergrund haben, das kennen wir ja, etwa wenn ein Sturm aufkommt vor Rosenmontag. Es ist absehbar, dass sich vieles verändern wird im Vergleich zur letzten Session. Wahrnehmbar. Aber vieles bleibt Mutmaßung.

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Ich war am Wochenende auf der Aachener Straße, da war es so voll, das man als Fußgänger kaum durchgekommen, so eng war das. Bleibt das so? Wer weiß. Wir müssen Planspiele spielen, das sagen wir auch unseren Gesellschaften. Ideen sammeln, kreativ sein, Lösungen haben. Raus aus angestammten Rastern. Das macht ja auch Spaß. Entschieden wird dann ganz kurzfristig, welchen Weg wir gehen. Den gehen wir Hand in Hand mit Bonn, Aachen und Düsseldorf.“

  • Wir wird der Rosenmontag in Köln aussehen?

„Abgesagt ist nichts, wir planen vieles mehrgleisig. Klar ist: An Rosenmontag wird Karneval gefeiert“, sagt Christoph Kuckelkorn, „der Tag ist für viele Kölner ein ganz hoher Feiertag. Es steht außer Frage, dass wir diesen für viele Menschen extrem wichtigen Tag karnevalistisch feiern werden. Wir müssen nur überlegen, in welcher Form wir die Leute mitnehmen können. Dazu gehört, dass man Dinge aus anderen Perspektiven betrachten und nach alternativen Wegen suchen muss.“ Das gilt auch für den Rosenmontagszug. „Unter den heutigen Bedingungen mit den Corona-Auflagen kann der Rosenmontagszug in der gewohnten Form schwerlich stattfinden. Auf die wesentlichen Dinge, die den Zug ausmachen, brauchen die Fastelovendsfreunde dennoch nicht zu verzichten.“

Klingt paradox, ist aber Teil einer charmanten Idee, die nach dem Prinzip des „Was-wäre-wenn-wir-den-Spieß-umdrehen“ funktionieren könnte: Die Persiflage,- Fest - und Prunkwagen ziehen nicht durch die Stadt, sondern stehen auf verschiedenen Plätzen, zu denen die kostümierten Jecken hingehen. Frei nach dem Motto „Stell d’r für, d’r Zochleiterwage stünd’ om Ebertplatz“ könnten kleine karnevalistische Inseln entstehen, wie Konfetti in der Stadt verteilt. Kamelle und Strüßjer könnte es geben, ein Wegesystem, Hygienekonzept, Abstandsregeln und Mund-Nase-Bedeckungen allerdings auch. Es geht in dem FK-Vorschlag nicht darum, einen Alternativzug auf die Beine zu stellen. „Das wird eine andere Wahrnehmung des Rosenmontags. Und jeder geht nach Hause mit einem Püngel Kamelle und hat alle Gesellschaften und alle Wagen gesehen“, sagt Kuckelkorn. Das bedeutet auch, dass die Wagen für den Rosenmontagszug auf jeden Fall gebaut werden sollen. Im Herbst läuft das Projekt wie gewohnt an. Die „Kritzelköpp“ machen sich Gedanken und entwickeln Ideen. Der Prozess läuft ab dann unter Volldampf.

  • Gibt es eine Proklamation?

Keine Zeit verliert das Festkomitee auch beim Thema Proklamation. „Wir planen wie gehabt eine ganz normale Veranstaltung im Gürzenich. Wir haben die Einladung entworfen, die Gästeliste angesehen, Dinge fürs Programm überlegt, über den roten Faden und die Moderation nachgedacht. Wir wissen sogar schon, was es zu essen geben soll“, sagt Kuckelkorn, „daneben machen wir uns alternative Gedanken.“ Das Drehbuch für diese Variante könnte so aussehen:

Szene eins: Das Dreigestirn zieht in den leeren, nur mit Kerzenlicht spärlich beleuchteten Dom, begleitet von dem Gesang des Domchores ein. Flankiert von der Adjutantur gehen sie nach vorne und werden im Altarraum von Rainer Maria Kardinal Woelki empfangen und gesegnet. Mit Musik geht es wieder hinaus.

Szene zwei: Mini-Empfang im Rathaus, Proklamation im kleinen Rahmen durch das Stadtoberhaupt.

Szene drei: Das frisch proklamierte Dreigestirn tritt auf den Rathausbalkon und zeigt sich den Mitgliedern ihrer Gesellschaft auf dem Alter Markt.

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Szene vier: Die Tollitäten brechen zum Altstadtbummel auf; treffen eventuell im Hänneschen-Theater die Bläck Fööss; im „Söckchen“ gibt ihnen Redner Volker Weiniger ein paar passende Worte mit auf den Weg; in „Peters Brauhaus“ warten die Familien von Prinz, Bauer und Jungfrau; im Sion jubelt ihnen der Große Senat zu.

Szene fünf: Auf seiner ersten Tour im Ornat reist das Dreigestirn durch verschiedene kleine Sälchen und besucht die Menschen. „Das wäre doch wunderschön, mit ganz viel Herz und richtig kölsch. Und unter Einhaltung aller erforderlichen Hygienevorschriften“, sagt Christoph Kuckelkorn.

  • Was passiert mit dem Dreigestirn?

„Wir haben nur ein Sprachrohr, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen: das Dreigestirn. Großes Dreigestirn. Kleines Dreigestirn. Die müssen bei den Jecken sein, besuchen die Veranstaltungen, so, wie sie stattfinden. Das ist die Klammer über allem. Es gibt zahlreiche Bewerbungen und wir sind dabei, auszuwählen – immer unter den Vorzeichen und Unwägbarkeiten der kommenden Session. Das ist den Bewerbern sehr bewusst. Keiner hat wegen Corona seine Bewerbung zurückgezogen. Es wird definitiv ein neues Dreigestirn und ein neues Kinderdreigestirn geben. Und die werden bestens vorbereitet sein auf das, was kommt. Sie werden, wie wir auch, das leben und mit Leben füllen, was kommt.“

  • Straßenkarneval am 11.11. in Köln – geht das überhaupt?

Die Sessionseröffnung auf dem Heumarkt könnte weiterhin so stattfinden wie gehabt. Das hängt in erster Linie von den Vorgaben der Politik ab, die Ende August neue Regeln für Großveranstaltungen festlegen wird. Da der Vorlauf für den Bühnenaufbau nur wenige Tage in Anspruch nimmt, ist eine kurzfristige Entscheidung möglich. Der Plan B sieht eine intime Veranstaltung am Ostermannbrunnen vor, die der WDR dann live übertragen würde.

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