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Karneval im Zülpicher Viertel Wie die Kölner Politik eine Katastrophe an Weiberfastnacht verhindern will

Viele verkleidete Karnevalisten feiern den 11.11. auf den Uniwiesen bei der Universität zu Köln.

Die Uniwiesen zum Sessionsauftakt des Kölner Karnevals

In der Kölner Politik herrscht Konsens, dass etwas an der Situation auf der Zülpicher Straße geändert werden muss. Wie das geschehen soll, ist jedoch bislang ungeklärt. Die Parteien haben verschiedene Ideen.

Die Kölner Politik hat eine endgültige Entscheidung zur Entlastung der Zülpicher Straße an den Karnevalstagen vertagt. Stattdessen hat das Ratsbündnis aus Grünen, CDU und Volt die Verwaltung in einem gemeinsamen Antrag aufgefordert, schnellstmöglich eine Lösung zu finden, um das Zülpicher Viertel bis Weiberfastnacht zu entlasten.

Oberbürgermeisterin Henriette Reker enthielt sich bei der Abstimmung – und bekräftigte, dass die Verwaltung auch ohne politische Beschlüsse für Ordnung sorgen werde. „Sie sind der Auffassung, wir müssten den Kölnerinnen und Kölnern den Karneval erklären“, sagte sie dem Stadtrat gegenüber. „Das ist die Aufgabe des Festkomitees.“ Auch sie sei mit Blick auf die Bilder des 11.11. betroffen gewesen.

Grüne für Veranstaltung auf den Ringen

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Die Verwaltung sei jedoch unabhängig von politischen Beschlüssen dazu verpflichtet, für Sicherheit und Ordnung zu sorgen. In der Debatte zuvor sprachen sich die Grünen für eine Veranstaltung auf den Ringen aus. „Wir glauben nicht an einen Schutz der Uniwiesen, wenn sich dort Zehntausende aufhalten“, sagte Manfred Richter in seiner Rede. Seine Idealvorstellung: Eine Feierzone zwischen Richard-Wagner-Straße und Barbarossaplatz mit beschränktem Bahnverkehr.

Dafür sollen Ersatzbusse fahren. Richter sagte, er vertraue auf das „hohe Maß an Expertise in der Verwaltung“, was die Schaffung von Ausweichflächen angehe. Auch CDU-Chef Bernd Petelkau betonte, er wolle „die Prüfung durch die Verwaltung nicht vorwegnehmen.“ Es müsse gelingen, den öffentlichen Verkehr weitgehend aufrechtzuerhalten.

Das Rechtsrheinische wird in Erwägung gezogen

Am meisten störe ihn die Menge an Müll, insgesamt seien 100 Tonnen Abfall auf den Straßen angefallen – trotz vieler Mülleimer im Zülpicher Viertel. „Wir können nicht das ganze Jahr über Nachhaltigkeit reden und an diesen tollen Tagen wird Nachhaltigkeit vergessen“, sagte Petelkau. Eine Feier-Alternative außerhalb des Stadtzentrums ergebe keinen Sinn, weil ein Großteil der Feiernden weiterhin die Zülpicher Straße als Zielpunkt anpeilen werde.

Dennoch wird in dem Antrag, den die CDU mitgestellt hat, eine Veranstaltung im Rechtsrheinischen in Erwägung gezogen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Christian Joisten kritisierte das Bündnis scharf. „Die Verwaltung braucht vor Weihnachten einen klaren Fahrplan und muss wissen, wo es hingeht“, forderte Joisten. Seine Fraktion reichte gemeinsam mit der FDP einen Antrag ein, in dem eine große Ausweichfläche auf dem Grüngürtel vorgeschlagen wird. „Wir haben für die Ringe gekämpft, aber wir haben uns überzeugen lassen von der Verwaltung“, so Joisten weiter.

Bodenbelag könne den Grüngürtel schützen

Der Vorschlag entspricht den Ausführungen der Verwaltung beim „Runden Tisch“ zum Straßenkarneval, der am Vorabend tagte. Es sei unrealistisch, dass die Feiernden wie gewünscht auf die Ringe ausweichen werden. Zudem könne man einen Bodenbelag installieren, der den Grüngürtel schütze. Mit Blick auf Weiberfastnacht unterstützt auch das Festkomitee den Plan der Stadt, den Grüngürtel mit Schutzmatten zur Ausweichfläche zu gestalten.

Volker Görzel (FDP), der zuletzt noch eine „Schlammwüste“ bei einem Event im Grüngürtel befürchtete, sprach nun von einem Umdenken im Anschluss an den „Runden Tisch“. „Manchmal sieht man Positionen, die man gestern noch glühend vertreten hat, heute anders.“ Es gebe keine realistischen Alternativen zum Grüngürtel.

Die Linken wollen die Gestaltung der Ausweichflächen gänzlich der Verwaltung überlassen. „Die Stadt muss es jungen Menschen ermöglichen, so feiern zu können, wie sie möchten und Massenpanik dabei vermeiden“, sagte die Fraktionsvorsitzende Güldane Tokyürek. Über die Notwendigkeit von Ausweichflächen gebe es einen Konsens, es gelte, Engstellen zu vermeiden. Aber: „Wir wollen hier nicht Verwaltung spielen, die hat die Expertise, eine Abwägung vorzunehmen. Und das sollte ergebnisoffen passieren. Es geht um Sicherheit und Gesundheit.“