Kommentar zu Corona an KarnevalKein Effekt auf Infektionen? Wer es glaubt …

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Feiernde auf der Zülpicher Straße am Abend des 11.11.2021.

Köln – Die Stadt Köln hat sich selbst die Absolution erteilt. Am Donnerstagnachmittag ließ Gesundheitsdezernent Harald Rau ein Statement verschicken, wonach die unter 2G-Regeln abgehaltenen Feiern zum Karnevalsauftakt am 11. November das Corona-Infektionsgeschehen „nicht signifikant beeinflusst“ hätten. Das Gesundheitsamt habe die Inzidenzentwicklung mit der in anderen Städten verglichen und sei zu diesem Ergebnis gekommen.

Es bedarf einer gewissen Chuzpe, zu dieser Einschätzung zu kommen. Zwar zeigt der Vergleich Kölns mit den größten Kommunen in NRW, dass sich die Inzidenzentwicklung in Köln seit dem 11.11. tatsächlich im Mittelfeld und im NRW-Trend bewegt. Doch diese Analyse greift schlichtweg zu kurz.

So waren viele Feierende junge Erwachsene, die auf der Zülpicher Straße, den Uniwiesen und den Kneipen in der Gegend schunkelten. Die Inzidenz in den Altersgruppen zwischen 20 und 39 hat sich seit dem 11.11. verdoppelt – in NRW gab es gleichzeitig lediglich ein Plus von etwa 60 Prozent. Eine Erklärung für diesen Trend lieferte die Stadt nicht mit.

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Der Kölner Gesundheitsexperte und SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach hatte darin ein klares Indiz gesehen, dass die Feiern doch einen Effekt auf die Inzidenzentwicklung gehabt haben.

Die städtische Reinwaschung erfolgte zudem zu einem Zeitpunkt, da es das größte Gesundheitsamt der Bundesrepublik zwei Tage in Folge nicht geschafft hatte, die eigenen Inzidenzwerte korrekt an die weiterverarbeitenden Behörden wie das RKI zu melden. Dennoch sollen die RKI-Daten als Referenz herangezogen werden. Ein Hinweis auf die aktuellen Meldefehler fehlte in der Mitteilung der Stadt zum Karnevalseffekt.

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Es stände der Stadt gut, vor Entscheidungen zum Straßenkarneval eine tiefergehende Analyse anzustreben. Schließlich hatte sie durch Befragungen von Infizierten ermittelt, dass 426 konkrete Infektionsfälle auf Karnevalsfeiern am 11.11. zurückzuführen seien – die meisten in Innenräumen. In Düsseldorf hatten laut einem Stadtsprecher gerade einmal 19 Personen angegeben, sich auf Karnevalsfeiern angesteckt zu haben.

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