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DivertissementchenCäcilia Wolkenburg richtet erstmals Libretto-Wettbewerb aus

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18.08.2026 Köln. Der Kölner Männergesangverein hat erstmals in 200 Jahren Geschichte einen Wettbewerb ausgerufen. Aufgabe: Schreibt ein Libretto für das neue Divertissementchen. Das gabs noch nie. Simon Wendring (li.) und Harald van Bonn. Auf dem Bild ist Mathilde von Mevissen zu sehen. Foto: Alexander Schwaiger

Wettbewerbsleiter Simon Wendring (li.) mit dem Sieger Harald van Bonn. Auf dem Bild ist Mathilde von Mevissen zu sehen.

17 Einreichungen gab es für das neue Wettbewerbsformat. Das Gewinnerstück dreht sich um eine bekannte Kölnerin.

Mit der Idee „Kölsche Mädcher, aff noh bovve!“ schaffte es Harald van Bonn ganz nach oben. Der Kölner Autor und Moderator erreichte beim Libretto-Wettbewerb der Cäcilia Wolkenburg, der Bühnenspielgemeinschaft im Kölner Männer-Gesang-Verein (KMGV), den ersten Platz. Das „Kölsche Mädche“, das in dem Divertissementchen der Spielzeit 2028 im Mittelpunkt stehen wird, ist die Kölnerin Mathilde von Mevissen, die von 1848 bis 1924 lebte. Sie trug maßgeblich dazu bei, dass 1903 in Köln das erste Mädchengymnasium Preußens gegründet wurde.

Neuland betritt auch die Cäcilia Wolkenburg. Erstmals in ihrer über 150 Jahre währenden Geschichte waren neben professionellen Autorinnen und Autoren auch Mitglieder der Spielgemeinschaft und Menschen aus dem Freundeskreis und Fanclub des Divertissementchens (Et Zillche) aufgerufen, ihre Stückideen für die Spielzeit 2028 einzureichen. „Es gab 17 Vorschläge für das Divertissementchen. Diese Zahl hat unsere Erwartungen weit übertroffen. Bei fünf Einreichungen wären wir schon zufrieden gewesen. Wir sind über den großen Zuspruch sehr glücklich, ebenso über die Bandbreite der Ideen“, sagte Baas Simon Wendring.

Er war der Leiter des Wettbewerbs, stimmte selbst aber nicht mit ab. Die Auswahl traf eine siebenköpfige Jury, die vor allem aus Vertretern des KMGV-Vorstandes und des Cäcilia-Ausschusses bestand. Alle Texte waren anonymisiert. Der langjährige Zillche-Regisseur Lajos Wenzel war kein Jurymitglied, aber als externer Experte eingebunden. Für den 1. Platz gab es ein Preisgeld von 2500 Euro, für Platz 2 und 3 (der gleichwertig an zwei Beiträge vergeben wurde) gab es jeweils 1000 Euro.

Sieger schreibt erstmals Libretto

Harald van Bonn ist von Beruf Software-Entwickler und Business-Analyst. Seit vielen Jahren widmet er sich der kölschen Sprache und der kölschen Musik, unter anderem als Mitglied der Mitsinginitiative „Loss mer singe“ und als Moderator bei Radio Altstadtwelle. „Ein Libretto habe ich zuvor noch nie geschrieben. Ich bin unbeschreiblich froh, dass sich die Jury für meine Arbeit entschieden hat“, sagte der 61-Jährige bei seinem Besuch in der Wolkenburg, dem Domizil des KMGV am Mauritiussteinweg. „Ich wusste zwar schon seit ein paar Wochen, dass ich gewonnen habe, durfte aber noch nichts verraten.“

Jetzt ist es offiziell, und das Zillche für die Spielzeit 2028 wird auf den Weg gebracht. Noch steht das komplette Libretto nicht. „Das wird auf Wunsch von Harald van Bonn gemeinsam mit unserem früheren Baas und Autor Jürgen Nimptsch geschrieben“, erklärte Simon Wendring. Wie in der Ausschreibung zum Wettbewerb gefordert, bilden die ausgearbeitete Idee, der gut skizzierte Handlungsverlauf mit Szenenbeschreibung und Dialogen sowie ein Personenregister die Basis für das Stück, das wie immer eine Uraufführung wird.

„Ich habe Mathilde von Mevissen ausgewählt, weil ich für das Divertissementchen eine Person herausstellen wollte, die vor über 100 Jahren wesentliche Verbesserungen für Mädchen und Frauen erreicht hat. Etwas, was immer noch wichtig ist, denn meines Erachtens sind Frauen in vielen Bereichen des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens nach wie vor unterrepräsentiert. Auch in Köln“, sagte Harald van Bonn.

Libretto handelt von Mathilde von Mevissen

„Mit Mathilde von Mevissen, einer der fünf Töchter des bekannten Unternehmers, Wirtschaftspolitikers und Kulturmäzens Gustav von Mevissen, rückt die Cäcilia Wolkenburg das Leben einer faszinierenden Frau in den Fokus. Zudem wird viel über das Lebensgefühl, den Alltag, die Sorgen, Freuden und Ambitionen der Kölnerinnen und Kölner jener Zeit und der Gegenwart dargestellt. Alles mit viel Musik und typisch rheinischem Flair. Ein echtes Zillchen eben, unterhaltsam und humorvoll“, sagte Simon Wendring.

Schon jetzt steht fest, dass sich das Autorenduo auch die Freiheit zur Fiktion gestatten wird. Es geht dabei um die häufig gestellte und bislang nicht abschließend beantwortete Frage, welcher Art die Beziehung von Mathilde von Mevissen zu Elisabeth von Mumm war. In der Literatur ist wahlweise die Rede von Freundin, Mitstreiterin, Mitkämpferin, Weggefährtin oder Mit-Pionierin der bürgerlichen Frauenbewegung. Im Divertissementchen 2028 sind die beiden Frauen ein Liebespaar.

Derzeit laufen nicht nur die Arbeiten für dieses Stück im Hintergrund. Mit Hochdruck bereitet sich die Cäcilia Wolkenburg auf das kommende Divertissementchen „Wat e Thiater“ vor. Im Mittelpunkt des großen kölschen Chor-Musicals steht der 100. Geburtstag von Trude Herr. Die Premiere am 10. Januar 2027 markiert zugleich die Rückkehr der Bühnenspielgemeinschaft auf die Bühne im Opernhaus auf dem Offenbachplatz – nach 14 Divertissementchen in verschiedenen Interimsstätten. Simon Wendring bestätigte auf Nachfrage, dass die Cäcilia Wolkenburg gerade den Vertrag mit der Oper Köln für die kommenden drei Jahre (beginnend mit 2027) unterzeichnet hat.