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Kölsche IdentitätKölner Divertissementchen ist nun offizielles Kulturerbe

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Szene aus dem Divertissementschen 2026

In diesem Jahr spielte das Divertissementchen anlässlich des 150. Geburtstags von Konrad Adenauer im Himmel.

Die Jury würdigt das Divertissementchen als lebendige Kulturform. Nominierung für bundesweites Kulturerbe.

Ein Stück kölscher Identität ist nun auch offizielles Kulturerbe. Das traditionsreiche Divertissementchen ist in die Liste des Immateriellen Kulturerbes in NRW aufgenommen worden. Das gab der Kölner Männer-Gesang-Verein (KMGV), dessen Bühnenspielgemeinschaft Cäcilia Wolkenburg das Divertissementchen jedes Jahr aufführt, stolz bekannt: „Mit der Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe wird das Divertissementchen offiziell als das gewürdigt, was es für viele längst ist: ein einzigartiges, lebendiges Symbol Kölner Kultur und Identität.“

Die Landesjury würdigt das Divertissementchen als eine „tradierte, lebendige und kontinuierlich weiterentwickelte Kulturform mit starker lokal-regionaler Verankerung“. Besonders hebt sie die „die generationenübergreifende Weitergabe von Wissen, Können und Aufführungspraxis im Bereich Musiktheater, Gesang und darstellender Kunst“ hervor. Außerdem lobt die Jury die Pflege der kölschen Mundart und „die fortlaufende inhaltliche Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen, städtischen und zeitgenössischen Themen als Ausdruck kultureller Dynamik“.

Mit der Aufnahme als immaterielles Kulturerbe in das Landesinventar von Nordrhein-Westfalen hat das sogenannte Zillche die Vor-Vorstufe des Unesco-Weltkulturerbes erreicht. Denn: Als Kulturerbe des Landes wird das Divertissementchen automatisch auch für die bundesweite Liste des immateriellen Kulturerbes nominiert, die aktuell 173 Einträge fasst. Ein bundesweites Kulturerbe kann im nächsten Schritt für die Unesco-Listen des immateriellen Kulturerbes vorgeschlagen werden.

Divertissementchen: das älteste Musical der Welt

In Köln ist man aber erst einmal stolz darauf, als Kulturerbe Nordrhein-Westfalens geführt zu werden. „Die Aufnahme des Divertissementchens in die Liste des Immateriellen Kulturerbes ist eine große Ehre – für unseren Verein, für die vielen Ehrenamtlichen vor und hinter der Bühne und für ganz Köln“, sagt Gerd Schwieren, Präsident des Kölner Männer-Gesang-Vereins. Dass die seit mittlerweile schon über 150 Jahren aufgeführte Tradition nun offiziell als schützenswertes Kulturerbe anerkannt wird, „bestätigt uns in unserem Engagement, diese einzigartige Form des Musiktheaters in die Zukunft zu führen.“

1874 wurde das Divertissementchen zum ersten Mal aufgeführt, damit gilt es als ältestes Musical der Welt. Ein reines Musical wäre allerdings wohl kaum ein Kandidat für die Liste nordrhein-westfälischer Kulturerbe. „Das Divertissementchen ist viel mehr als eine große Show – es ist lebendige Chor- und Theaterszene, kölscher Humor, Handwerk und Herzblut in einem. Über 100 Sänger und Tänzer, ein riesiges Kreativteam und unzählige Helfer arbeiten jedes Jahr daran, dieses besondere Stück Kölner Kultur auf die Bühne zu bringen“, sagt Simon Wendring, Baas der Bühnenspielgemeinschaft Cäcilia Wolkenburg. Die Auszeichnung sieht als immaterielles Kulturerbe sieht er nicht nur als Bestätigung der eigenen Arbeit, sondern auch als Verpflichtung für die Zukunft: „Wir wollen die Werte, den Stil und den Gemeinschaftsgeist des ‚Zillche‘ bewahren und gleichzeitig immer wieder neu erzählen, was Köln bewegt.“

Und so soll das Kulturerbe auch in Zukunft aufrechterhalten werden. Jedes Jahr bringt der KMGV mit der Cäcilia Wolkenburg zu Karneval ein aufwendig produziertes, neues Stück in die Kölner Oper – mit über 100 Sängern des Vereins und stets aktuellem Blick auf das Geschehen in Köln und der Welt. So spielte zum Beispiel in diesem Jahr Konrad Adenauer anlässlich seines 150. Geburtstags im Himmel Boccia. Über 30.000 Menschen erleben das Spektakel alljährlich live in der Oper, weitere Hunderttausende verfolgen die Fernsehübertragung im WDR. (tli)