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Video-Analyse
Neues Gutachten von Kölner Sportprofessor bringt Drach in große Bedrängnis

Lesezeit 2 Minuten
Der Angeklagte Thomas Drach sitzt auf der Anklagebank im Gerichtssaal des Landgerichts Köln.

Der Angeklagte Thomas Drach beim Prozess im Landgericht Köln. Ein neues Gutachten belastet den Reemtsma-Entführer schwer.

Im Prozess um Thomas Drach liegt nun auch das nächste neue Video-Gutachten eines Kölner Sportprofessors vor. Und das bringt den Reemtsma-Entführer in große Bedrängnis.

Der renommierte Kölner Sportwissenschaftler Prof. Wolfgang Potthast hat den Reemtsma-Entführer Thomas Drach mit einem neuen Gutachten schwer belastet. Der Experte hatte Aufnahmen von Drach mit Überwachungsvideos der Geldboten-Räuber verglichen. Zumindest in einem Fall sah Potthast eine weit überwiegende, bis an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit der Übereinstimmung.

Kölner Gutachter: Zehn von elf Merkmalen stimmen überein

Besonders gut bewerten konnte Potthast laut eigener Aussage die Aufnahmen aus der Überwachungskamera bei Ikea in Frankfurt am Main. Etwa die Fuß- und Fersenaufsätze stimmten überein, sowie die X-Beine von Drach und Täter. „Insgesamt stimmen zehn von elf Merkmalen überein“, sagte der Sachverständige. Nur ein Merkmal könne nicht richtig bewertet werden.

Auch die Schulterpartien des Täters glichen der von Thomas Drach. Dass es sich bei den Tätern beim Flughafen Köln/Bonn und bei Ikea in Godorf um Drach handelt, schätzte der Gutachter als weit überwiegend beziehungsweise überwiegend wahrscheinlich ein. Letztere Aufnahmen der Überfälle ließen allerdings nur die Bewertung von 5 der elf untersuchten Merkmalen zu.

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Drachs mutmaßlicher Komplize ebenfalls begutachtet

Auch Drachs mutmaßlichen Komplizen Eugen W. hatte der Kölner Professor begutachtet. Beim Überfall auf einen Geldboten am Flughafen Köln/Bonn sei es „weit überwiegend wahrscheinlich, dass es sich bei dem Fahrer um Herrn W. handelt“, sagte der Gutachter, der Täter war hier schnell zum Auto gelaufen. „Der linke Fuß rotiert nach außen“, das stimme laut des Experten überein.

Keinerlei Merkmale sah der Gutachter, die zum Ausschluss einer Täterschaft Drachs führen würden. Diese sah der Professor hingegen bei einem ehemals Tatverdächtigen, der ebenfalls begutachtet wurde. Ein weiteres Gutachten einer Medizinerin sprach von einer einfachen Wahrscheinlichkeit der Übereinstimmung. Die Schrittweite passte etwa beim Überfall bei Ikea in Köln-Godorf zusammen.

Eklat um abgesetzten Videogutachter

Für die Verteidigung hat sich die mehr oder weniger erzwungene Auswechselung des früheren Videogutachters George Rauscher damit ganz offensichtlich nicht gelohnt. Rauscher hatte geäußert, Drach sei in zwei Fällen „sehr wahrscheinlich“ der Täter, aber auch etwa zweifelhaft von einem möglichen Haaransatz gesprochen, obwohl der Täter jeweils eine Kopfbedeckung trug.

„Völliger Schwachsinn“, hatten die Verteidiger Rauschers Ausführungen kommentiert. Ständig waren die Anwälte dem Gutachter ins Wort gefallen, bis dieser völlig entnervt war. Nachdem Rauscher noch einem freien Journalisten Geld für eine positive Berichterstattung geboten haben soll und geäußert hatte, Hass gegenüber der Verteidigung zu empfinden, wurde er abgesetzt und schließlich ersetzt.

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