Der aktuelle Prozess gegen den früheren Bandidos-Boss Aykut Ö. dreht sich um zwei andere Schussabgaben in Köln.
Kugeln trafen den KopfOpfer von Attentat sagt als Zeuge in Kölner Gericht aus

Dezember 2025: In diesem Auto wurde Orhan A. (37) in Dellbrück zum Opfer eines Attentats.
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Der Strafprozess gegen den früheren Kölner Bandidos-Präsidenten Aykut Ö. (38) wartete am Mittwoch mit einem besonderen Zeugen auf. Orhan A. (37) betrat mit Baseball-Kappe, olivgrünem T-Shirt, grauen Jeans und weißen Sneakern den Saal 112 des Justizgebäudes an der Luxemburger Straße. Es ist der Mann, auf den im vergangenen Dezember in Dellbrück ein Mordanschlag verübt worden war. Acht Schüsse hatte ein Auftragstäter auf das Auto von A. abgegeben. Sieben Kugeln trafen dessen Oberkörper und den Kopf.
Köln: Opfer von Attentat in Dellbrück als Zeuge vor Gericht
Langsam schritt Orhan A. zum Zeugenstand, wo der Kölner Rechtsanwalt Sebastian Schölzel als Beistand auf ihn wartete. Die Vorsitzende Richterin Sibylle Grassmann stellte die Personalien fest und fragte nach dem Beruf des Zeugen. „Ich habe mit Autos gehandelt, das Geschäft musste ich aber aufgeben – ich bin immer noch verletzt“, sagte er. Mehrere Wochen hatte der Mann nach dem Attentat im Koma gelegen. Als mutmaßlicher Schütze wurde zuletzt ein 17-Jähriger aus Schweden verhaftet, der Jugendliche soll im Auftrag eines bisher unbekannten Hintermanns gehandelt haben.

Orhan A. mit seinem Anwalt Sebastian Schölzel beim Prozess um die Schießerwei in der Innenstadt im Jahr 2019.
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Um den Angriff aus dem Dezember geht es beim aktuellen Prozess allerdings nicht. Orhan A. soll zu einem Attentat aus dem Januar 2019 aussagen, mit dem ihn die Ermittler in Zusammenhang bringen. Damals wurden Schüsse auf ein Café in Buchheim abgegeben, das den Eltern des Zeugen, der Mitglied der Hells Angels war, gehörte. Die Schusssalve aus einer Maschinenpistole hätten die Gäste des Lokals nur überlebt, weil sie sich geistesgegenwärtig zu Boden geworfen hatten, so ist es der Anklageschrift zu entnehmen. Dem Auftrag dazu soll der Angeklagte Aykut Ö. gegeben haben.
Köln: Schusswechsel nach Treffen bei Steuerberater
Wenige Stunden zuvor waren sich der „Höllenengel“ und der Bandido-Boss zufällig bei einem Steuerberater in der Kölner Innenstadt begegnet. Angeblich wegen eines gescheiterten Autogeschäfts sollen die beiden damals auf Kriegsfuß zueinandergestanden haben. Orhan A. war zunächst verbal auf seinen Kontrahenten losgegangen. „Geh sofort mit mir raus“, hatte er laut gebrüllt. Als der Bandido sich weigerte, hatte Orhan A. laut Anklage einen Magnum-Revolver gezogen, ihn dem Geschädigten an den Kopf gehalten. Das Geschehen verlagerte sich auf die Altenberger Straße.

Der frühere Rockerboss Aykut Ö. (38) zwischen seinen Verteidigern Frank Nobis (l.) und Michael Hakner beim Prozessauftakt im Landgericht Köln
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Hier zog auch Aykut Ö. eine Waffe, es kam zu einem Schusswechsel. Verteidiger Sebastian Schölzel hatte beim damaligen Prozess für den Mandanten Orhan A. erklärt, dass dieser am Tattag übermüdet gewesen sei, da er die ganze Nacht mit seiner Playstation gespielt habe. „Mein Mandant hat dummerweise mit der Waffe rumgefuchtelt“, sagte der Anwalt. Der abgegebene Warnschuss in die Luft täte ihm leid, er habe aber nie die Absicht gehabt, sein Gegenüber zu verletzen. Es kam zu versöhnlichen Gesten im Gerichtssaal. Beide Männer wurden letztlich zu Haftstrafen verurteilt.
Köln: Früherem Bandidos-Boss droht die Sicherungsverwahrung
Aussagen musste Orhan A. im aktuellen Prozess am Mittwoch noch nicht. Da Aykut Ö. nicht alle Akteninhalte lesen konnte – ihm fehlte ein USB-Stick für seinen JVA-Laptop, wurde die Vernehmung vertagt. Grundsätzlich werde er sich äußern, ließ der Zeuge die Richterin wissen. Weitere Zeugen hatten zuvor im Gerichtssaal angekündigt, die Aussage verweigern zu wollen. Richterin Grassmann hatte darauf mit Unverständnis reagiert. Die Verfahren der Zeugen seien bereits abgeschlossen, sie könnten sich daher nicht selbst belasten und müssten aussagen. Ansonsten drohe Beugehaft.
Die Staatsanwaltschaft legt Aykut Ö. eine weitere Vergeltungsaktion zur Last. So soll er auch hinter einem Attentat an der Zoobrücke im Dezember 2018 stecken. Getroffen werden sollte ein Mitglied der Hells Angels. Schwer verletzt wurde aber ein Unbeteiligter. Über seine Verteidiger Mike Hakner und Frank Nobis hatte Ö. beim Prozessauftakt die Vorwürfe zurückgewiesen. Dem früheren Bandidos-Boss droht wegen des Vorwurfs des versuchten Auftragsmordes neben einer langen Haftstrafe auch die Sicherungsverwahrung. Er sei eine Gefahr für die Allgemeinheit, hatte die Staatsanwältin erklärt.
