Rund zehn Künstlerinnen und Künstler teilen sich ein Atelier an der Luxemburger Straße. Ende April ist Vernissage, im Juni folgt eine Schau in der Kunsthalle Lindenthal.
Co-Working-AtelierGemeinsames Arbeiten und geteilte Kosten im Atelier Köln Süd

Einige Künstlerinnen und Künstler hängen gemeinsam im Atelier Köln Süd ihre Bilder für eine Ausstellung auf.
Copyright: Atelier Köln Süd
Die Farbe Lila verleiht dem Gemälde an der Wand im Atelier an der Luxemburger Straße 295 einen kräftigen, unspezifischen Hintergrund. Davor liegt ein Mädchen auf einem leuchtend blauen Sofa und liest, die Enkelin von Malerin Katharina Siebert. Die Figur selbst ist schlicht schwarz-weiß gehalten, steht so in einem spannenden Gegensatz zu den kräftigen Farben der Umgebung und setzt sich ab.
Siebert ist eine von mehreren Künstlerinnen und Künstlern, die das „Co-Working-Atelier“ in Klettenberg gemeinsam benutzen. Ein rund 10‑köpfiges Künstlerkollektiv teilt sich dort zwei Tische, zwei Staffeleien und eine große Wand, an der größere Formate befestigt werden können.

Katharina Siebert vor ihren Gemälden im Atelier Köln Süd.
Copyright: Susanne Esch
Suche nach Gemeinschaft und einem passenden Arbeitsort
Die Gruppe hat das Atelier Köln Süd im Jahr 2020 gegründet. „Zu Beginn der Corona-Zeit hatten viele das Bedürfnis, sich einer Gemeinschaft anzuschließen“, schildert Siebert. Vor allem aber suchten sie einen Ort, um ihre Kunst zu betreiben. Es handele sich bei den Künstlerinnen und Künstlern hauptsächlich um solche, die sich an der Schwelle befänden, heraus aus dem Wohnzimmer oder vom Küchentisch in ein professionelleres Arbeiten, erzählt Siebert. Viele haben ein Studium an einer Kunsthochschule oder Akademie absolviert, einige wie Siebert, noch nach dem Ende ihres Erwerbslebens.
Um das passende Arbeitsumfeld finanzieren zu können, taten sie sich als Ateliergemeinschaft zusammen. Die Möglichkeiten, sich zu beteiligen, sind gestaffelt und kosten zwischen 73 Euro für eine Nutzung einmal wöchentlich und 182 Euro für eine Vollzeitnutzung.
Organisiert wird das Miteinander über einen Onlinekalender, in den jeder seine Arbeitszeit einträgt. Ebenso wichtig wie die gemeinsame Finanzierung sei der Gruppe aber der Austausch, betont Siebert, die gegenseitige Inspiration – und die gemeinsam organisierten Einzel- oder Gruppen-Ausstellungen.
Werke verschiedener Künstlerinnen und Künstler
Stets hängen Werke verschiedener Künstlerinnen an der Wand. Siebert hat aktuell noch ein anderes Gemälde ausgestellt: Es zeigt einen vergessenen Ort, einen verlassenen Schlachthof in Mailand, dem Siebert mit Lila und Regenbogenfarben ein leuchtendes und surreales Erscheinungsbild verliehen hat. „Ich beschäftige mich mit Unorten, die nicht unbedingt gefallen“, erläutert sie, „mit Brüchen.“
Auf der Wand gegenüber schimmert rosarot das Gemälde „Intérieur“ von Céline Giriat, die in Köln und Paris lebt und arbeitet: Tische, Stühle, Bände und eine Theke stehen darauf in einem unspezifischen Lokal, das sich überall befinden könnte, aber eher einer Erinnerung gleicht, einem rosaroten Traumbild.
Pastell- und Lilatöne dominieren ihr Bild namens „Shampoo“, auf dem eine Frau ihren Kopf rückwärts in das Becken hinter ihr gehängt hat. Eine andere hält eine Wasserbrause über ihre Haare. Gesichtszüge fehlen. Das Gemälde konzentriert sich auf die typische Bewegung, die Alltags-Szene. Eine besondere, durch einen vielschichtigen, dünnen Farbauftrag erzeugte Transparenz und die dadurch geschaffenen Atmosphären zeichnen Giriats Bilder aus.
In der kleinen Galerie gibt es immer wieder neue Bilder der vielen Menschen, die hier arbeiten, zu entdecken. In einigen Wochen können sich Interessierte einen großen Überblick über die Arbeit im Atelier Köln Süd verschaffen: Dann zeigt das Künstlerkollektiv in der Kunsthalle Lindenthal gemeinsam seine vielfältigen Werke.
Am Freitag, 24. April, eröffnet um 19 Uhr im Atelier Köln Süd die Soloausstellung von Ute Rathschlag mit dem Titel „My Japanese Mood“. Sie ist bis Samstag, 9. Mai, samstags von 12 bis 15 Uhr geöffnet. Am Freitag, 12. Juni, eröffnet um 19 Uhr die Gruppenausstellung mit dem Titel „Unorte/Dystopien 2.0“ in der Kunsthalle Lindenthal, Aachener Straße 220. Sie ist bis Samstag, 27. Juni, donnerstags bis sonntags von 16 bis 20 Uhr geöffnet. www.atelier-koeln-sued.de
