Kölnerin angeklagtSchleuser-Reisebüro warb im Iran mit dem „Rundum-Sorglos-Paket“

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Die drei im Sitzungssaal

Die Angeklagte mit ihrem Verteidiger Marc Donay im Landgericht Köln. Links eine Dolmetscherin.

Eine Reisebüro-Inhaberin soll spezielle „Schleuser-Tarife“ angeboten haben. Nun steht die Kölnerin vor Gericht.

Mit einem aus Köln und Teheran betriebenen offiziellen Reisebüro soll eine gebürtige Iranerin ihren Landsleuten einen speziellen und vor allem strafbaren „All Inclusive“-Service angeboten haben. Für horrende Summen soll sie Ausreisewillige nach Deutschland eingeschleust und dafür Pässe gefälscht und Mitarbeiter von Botschaft und Flughäfen bestochen haben. Nun steht die 42-Jährige vor Gericht.

Köln: Angeklagte soll auch von Zollstock aus agiert haben

Die in Zollstock gemeldete Frau soll im Internet mit dem „Rundum-Sorglos-Paket“ für ein neues Leben in Europa und speziell Deutschland geworben und so zahlungskräftige Iraner angesprochen haben. Ab Herbst 2016 begann das illegale Geschäft laut Staatsanwaltschaft. Die Angeklagte soll als Teil einer Bande agiert haben, auch ihre Tochter und ihr Bruder sollen involviert gewesen sein.

15 Taten legt die Staatsanwaltschaft der Frau im am Freitag gestarteten Prozess zur Last. Los ging es im November des Jahres 2016. Eine Iranerin ließ sich mit ihrem vierjährigen Sohn mit einem Geschäftsvisum nach Italien bringen, von dort ging es nach Deutschland. Hier stellte die Frau einen Asylantrag wegen politischer Verfolgung – da sie im Iran zum Christentum konvertiert sei.

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Kölnerin soll Botschafts-Mitarbeiter bestochen haben

Umgerechnet 42.000 Euro soll die Reisebüro-Inhaberin für die Beschaffung der falschen Visa erhalten haben. Dazu soll sie einen Mittelsmann bei der italienischen Botschaft im Iran bezahlt haben. Diesem soll die Bande die Nummer der Wartemarke ihrer Klientel mitgeteilt haben. War die entsprechende Nummer an der Reihe, soll der Mann für die teuer bezahlte Sonderbehandlung gesorgt haben.

Auch offizielle Pässe soll die Angeklagte im Angebot und an ihre Kunden ausgegeben haben. Flughafen-Mitarbeiter in der Türkei soll sie bezahlt haben, damit sie bei den abweichenden Fotos nicht so genau hinschauen. In Frankfurt flog ein Schwindel nach der Kontrolle der Bundespolizei auf. Für den Mann, der seinen eigenen Pass zuvor in der Toilette heruntergespült hatte, ging es zurück in den Iran.

Kölner Angeklagte war mehrere Jahre untergetaucht

Wer mehr zahlte als den „Basis-Tarif“ um die 10.000 Euro, für den sollen die Schleuser eine Fluchtgeschichte erfunden und mit diesem einstudiert haben, damit die Geschichte bei der Stellung des Asylantrags bei der Ausländerbehörde authentisch klinge. Etwa, dass man erst auf der angeblichen Geschäfts- oder Urlaubsreise erfahren habe, im eigenen Land verfolgt zu werden.

Mit den hier verhandelten Fällen soll die Angeklagte 247.000 Euro eingenommen haben. Während mutmaßliche Mittäter bereits verurteilt wurden, war die Angeklagte mehrere Jahre untergetaucht. Vergangenen August stellte sie sich den deutschen Behörden, sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Ihr Verteidiger Marc Donay hat eine Einlassung für den nächsten Verhandlungstag angekündigt.

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