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Unterrichtsausfall möglichWeiterer Schulstreik mit großer Demo nächste Woche – Kölner Lehrerin berichtet

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Warnstreik der GEW auf dem Hans-Böckler-Platz in Köln: Eva Caspers (v.l., Bezirkspersonalrätin Gesamtschulen) und Jutta Jilg (in der GEW-Geschäftsführung).

Warnstreik der GEW auf dem Hans-Böckler-Platz in Köln: Eva Caspers (v.l., Bezirkspersonalrätin Gesamtschulen) und Jutta Jilg (in der GEW-Geschäftsführung).

Der Schulstreik am Mittwoch in Köln war erst der Auftakt: Die Gewerkschaft ruft Lehrer zum bundesweiten „Streiktag Bildung“ mit Demo in Köln auf.

Lehrerinnen und Lehrer haben am Mittwoch auch in Köln gestreikt. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert in Tarifverhandlungen mit den Ländern derzeit höhere Gehälter: sieben Prozent mehr, mindestens 300 Euro. Auf dem Hans-Böckler-Platz stehen am Morgen schon 100 Streikende, zum ersten Mal legt auch die Kölner Grundschullehrerin Tanja Welter ihre Arbeit nieder.

Die 55-Jährige sagt: „Ich arbeite gerne, aber die Bedingungen werden immer schwieriger.“ Gewerkschaftsmitglied sei sie seit ihrem Referandariat, mittlerweile verstärke sich ihr Gefühl, „nur noch an die Seite geschoben zu werden“ in den Diskussionen von Land und Bund. Die Situation an den Grundschulen werde nicht ernst genommen. „Aber die Kinder kommen nicht mehr mit den gleichen Fähigkeiten in die Schule wie früher“ – auffangen müssten das die Lehrkräfte.

Im Regierungsbezirk Köln, der sich von Aachen bis Gummersbach und auch über Leverkusen und Bonn erstreckt, sind rund 10.000 Lehrkräfte angestellt und 40.000 verbeamtet. Streiken darf nur das angestellte Fünftel der Lehrerinnen und Lehrer im Bezirk, weshalb die Bezirksregierung vorab nicht von Unterrichtsausfällen ausging. Die Erwartung war, dass die Verbeamteten den Vertretungsunterricht übernehmen würden. Die Gewerkschaft rechnete an einzelnen Schulen mit Einschränkungen im Unterricht.

Die Kölner Grundschullehrerin Tanja Welter (rechts) fordert im Warnstreik mehr Geld für ihre Arbeit.

Die Kölner Grundschullehrerin Tanja Welter (rechts) fordert im Warnstreik mehr Geld für ihre Arbeit.

Die GEW will eine allgemeine Lohnerhöhung für rund 2,6 Millionen Beschäftigte in allen Bundesländern aushandeln, darunter 245.000 angestellte und 684.000 verbeamtete Lehrkräfte, aber auch pädagogische Fachkräfte in Kitas, im Ganztag, Schulsozialarbeiter und Personal an Hochschulen. Die Länder verweisen auf knappe Haushalte, zeigen sich aber zuversichtlich, eine Einigung im Feburar erzielen zu können.

Die Kölner Bezirkspersonalrätin für Gesamtschulen Eva Caspers sagte am Mittwoch auf dem Hans-Böckler-Platz: „Die Arbeitsbelastung nimmt mehr und mehr zu und ist für Angestellte nochmal höher als Verbeamtete.“ Ein Grund gerade an Kölner Schulen sei, dass die Klassenrichtwerte, also die Anzahl der Kinder pro Klasse, bis zum Maximum ausgeschöpft werde. Caspers sitzt auch für die Linke im Kölner Stadtrat.

Aufruf zu größerer Demo am kommenden Donnerstag in Köln

Angestellt und nicht verbeamtet Lehrer seien vor allem Quereinsteiger – „die wir eigentlich dringend brauchen“, sagt Casper. Um den Job der Lehrkräfte attraktiver zu machen, sei deshalb eine bessere Bezahlung wichtig. Auch fordert sie, dass Vorerfahrungen umfassender anerkannt werden, das bedeutet den Einstieg in eine höhere Tarifstufe für Beschäftigte.

Der Streik am Mittwoch stellte laut Jutta Jilg, im Team der Geschäftsführung der GEW, erst den Auftakt dar: Am 29. Januar, kommenden Donnerstag, ruft die Gewerkschaft zum „Streiktag Bildung“ in ganz Deutschland auf. Demos soll es in fünf Städten geben, darunter auch wieder Köln. 3000 Streikende erwartet Jilg dann, das könnte größere Auswirkung auf den Unterricht in Köln haben. Um 11 Uhr will der Zug vom Hans-Böckler-Platz zum Heumarkt ziehen, wo die Kundgebung mit Moderatorin Shary Reeves weitergehen soll.