Ein AfD-Infostand auf der Kölner Schildergasse sorgt für spontanen Protest. Auch Moderatorin Jeannine Michaelsen stellt sich gegen die Partei.
Protest in der Kölner InnenstadtAfD-Stand auf Schildergasse mobilisiert spontan zahlreiche Menschen

Menschen mit Fahnen der Initiative „Kein Veedel für Rassismus“ positionierten sich spontan in Sichtweite des AfD-infostandes. (Symbolfoto)
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Mit einem Infostand auf der Kölner Schildergasse hat die AfD am Samstag über ihre Partei informiert. Zahlreiche Kölnerinnen und Kölner sowie Gäste der Domstadt reagierten spontan darauf.
Zunächst stellte sich ein einzelner Teilnehmer mit einer „AfD-Verbot-Jetzt-Fahne“ in unmittelbarer Nähe des Stands auf, bestätigte die Polizei Köln auf Nachfrage von EXPRESS.de. Schon bald schlossen sich ihm weitere Menschen an. Der Protest sei friedlich verlaufen, teilte die Polizei am Sonntag (11. Oktober) mit.
Jeannine Michaelsen zeigt sich stolz auf Köln
Binnen kurzer Zeit versammelten sich weitere Protestierende direkt gegenüber dem AfD-Stand. Unter ihnen war auch Moderatorin Jeannine Michaelsen (44). Wie viele andere war sie zunächst zufällig vorbeigekommen und reagierte schockiert.
In einem Live-Video auf ihrem Instagram-Account fragte sie: „Ich muss zu meiner großen Bestürzung feststellen, dass das ein Infostand der AfD hier in Köln, irgendwie einfach so mitten auf der Straße passiert und dachte erst: Fuck, wieso? Wieso ist hier sonst keiner, der was sagt?“
Dann aber habe sie, so die Kölnerin weiter, „die hier gefunden“. Dabei schwenkt sie die Kamera auf Demonstrierende, die sich spontan mit Fahnen und Plakaten gegen die AfD positionierten. Michaelsen kommentiert die Szene mit den Worten: „Einfach random Leute, die vorbeikommen und sich ein Plakat nehmen und sich dazustellen. Nie wieder ist jetzt.“
Den Clip versah Michaelsen mit folgendem Text: „Mitten in der Kölner Innenstadt stehen VertreterInnen einer, in Teilen als gesichert rechtsextrem eingestuften Partei und machen Wahlkampf. Und Menschen in der Kölner Innenstadt stellen sich dagegen. Spontan. Sie bleiben stehen, nehmen sich Banner und stellen sich ihnen gegenüber. Die Jungs neben denen ich stand, wollten eigentlich T-Shirts kaufen. Nie wieder ist jetzt. Es braucht umgehend ein AfD-Prüfverfahren.“
Wie schon auf der Schildergasse erhält die Moderatorin auch im Netz viel Unterstützung, unter anderem in Form zahlreicher Herz-Emojis. In den Kommentaren heißt es etwa „Stark und vorbildlich“, „Ich hab' nichts davon mitbekommen. Danke, dass ihr da seid!“ und „Wie froh ich bin, hier wohnen zu können!“.
Arsch huh reagiert: „Köln bleibt stabil“
Zustimmung kommt auch von Arsch huh. Die bekannte Musiker- und Künstlerinitiative der Stadt wurde 1992 gegründet, um ein Zeichen gegen Rassismus, Neonazismus und rechte Gewalt zu setzen. Ihr Kommentar lautet: „Köln bleibt stabil“.
Es finden sich allerdings auch kritische Kommentare. Ein Nutzer fragt: „Sie mögen wohl keine demokratischen Parteien?“ Darauf entgegnet Jeannine Michaelsen: „Falsch. Ich mag keine Nazis.“ Auf den Einwand „Das nennt man Demokratie“ antwortet sie: „Ne. Die nennt man demokratiefeindlich.“
Auch die AfD dokumentierte die Situation auf ihren Social-Media-Kanälen. In ihren Beiträgen zeigten sich Parteimitglieder irritiert über den spontanen Protest gegen ihren Infostand.
Die Protestierenden machten ihre Haltung deutlich: Auf Transparenten stand „Kein Veedel für Rassismus“, auf Schildern etwa „Kein Mensch ist illegal“. Damit brachten sie auch die Haltung der 44-jährigen Moderatorin zum Ausdruck. „Ich liebe meine Heimatstadt Köln. Ich halte uns für eine der buntesten und weltoffensten Städte der Welt. Und Menschen in der Kölner Innenstadt stellen sich gegen die AfD“, erklärte Michaelsen.
Laut „t-online – Köln“ fand der AfD-Stand kaum Zulauf. Auf der gegenüberliegenden Seite versammelten sich dagegen deutlich mehr Menschen, um gegen die Partei zu protestieren.
Grundsätzlich dürfen Parteien auch außerhalb von Wahlkämpfen Infostände betreiben, müssen diese jedoch anmelden. In Köln gilt dafür eine Frist von 14 Tagen vor der geplanten Aktion. Über die Genehmigung entscheidet letztlich die Stadtverwaltung. (red)

