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„Dooring“-Unfälle in Köln Wie öffnende Autotüren zur Gefahr für Radfahrer werden

Dooring 1

Öffnende Autotüren können für Radfahrer zum Problem werden.

Köln – Ein Montagnachmittag Mitte Mai vergangenen Jahres in Niehl: Ein Radfahrer fährt auf der Amsterdamer Straße in Richtung Innere Kanalstraße, als er stürzt und schwer am Kopf verletzt wird. Offenbar ist der 61-Jährige kurz hinter der Ruhrorter Straße mit seinem Rad gegen die geöffnete Tür eines geparkten Autos gestoßen. „Der am Unfall beteiligte Mercedes war zwischen Bepflanzung und Gehweg geparkt und ragte etwa 40 Zentimeter auf den Radweg. Der 36 Jahre alte Autofahrer erklärte, dass er sein Kleinkind aus dem Fahrzeug heben wollte und deshalb die Autotür geöffnet hatte“, hieß es in einer Pressemitteilung der Polizei tags darauf.

112 Menschen erlitten bei „Dooring-Unfällen“ in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres in Köln Verletzungen, wie die Polizei auf Anfrage mitteilte. Die Zahlen der vergangenen Jahre sind ähnlich. Das entspricht etwa drei Prozent aller Verkehrsunfälle mit Verletzten im Kölner Stadtgebiet.

Neben Straßenbahnschienen, Bordsteinkanten und abbiegenden Autos sind Autotüren die wohl größte Gefahr für Radfahrer in Köln. Meist auf geraden, langen Ausfallstraßen sind längs parallel und direkt angrenzend an die Radstreifen Parkplätze für Autos. Wer da aussteigt, muss zwangsläufig auf den Radweg treten. Je nach Verkehrsführung betrifft das den Fahrer, den Beifahrer, oder beide.

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Gefahrenpunkt Kalker Hauptstraße

Ein später Samstagabend Ende Oktober vergangenen Jahres in Kalk: Eine Radfahrerin stürzt auf der Kalk-Mülheimer-Straße und erleidet schwere Kopfverletzungen. Die 48-jährige Kölnerin soll zuvor einer aufgehenden Autotür eines 44-Jährigen ausgewichen und dann zu Fall gekommen sein.

An gleicher Stelle stürzte auch Martina Remagen vor vielen Jahren schwer mit ihrem Trecking-Rad, als sie gegen eine aufgehende Beifahrertür stieß. Die Kalkerin konnte vorher noch etwas ausweichen und fiel dann zur Seite. Dass sie nicht über die Tür geflogen und sich überschlagen hat, war ihr Glück, berichtet sie heute. Was die heute 55-Jährige ärgert ist, dass sich seither baulich nichts an der Unfallstelle getan habe: „Ich fahre heute noch immer sehr vorsichtig an der Stelle entlang und habe immer meinen Finger an der Klingel.“ Die Einbahnstraße wird dort zweispurig nach Norden geführt, jeweils links und rechts der Fahrspuren sind zuerst die Parkboxen, dahinter die Radwege, anschließend Gehsteige und Häuserfassaden. Viel Verkehr auf engem Raum. „Das ist eine sehr neuralgische Stelle dort“, sagt Remagen.

Ein Montagmorgen Ende November vergangenen Jahres in Ehrenfeld: Ein elfjähriger Junge wird verletzt, weil er gegen eine sich öffnende Autotür stieß. Nach ersten Ermittlungen der Polizei hielt ein 73 Jahre alter Kölner gegen 7.30 Uhr mit seinem Audi auf dem Radschutzstreifen des Akazienwegs und öffnete die Fahrertür. Der in Richtung Venloer Straße fahrende Junge kollidierte mit der Tür und sprang von seinem Rad.

Glück im Unglück

„Köln ist keine Stadt, in der Kinder entspannt Fahrrad fahren können“, sagt Remagen. Um ihre zwölf und 15 Jahre alten Kinder habe sie inzwischen Angst, wenn sie sie alleine fahren lässt. Um sorglos zu sein, müsse sich an vielen Stellen erst einiges baulich ändern, sagt sie. Mehr Platz zwischen Parkplätzen und Radstreifen brauche es zum Beispiel, damit die Türen nicht mehr zur Gefahr werden.

Ein Donnerstagnachmittag Anfang Juli in der Innenstadt: Eine Radfahrerin hat trotz schwerer Verletzungen Glück im Unglück. Die 36-Jährige fährt auf dem Hohenzollernring auf einem wegen einer Baustelle eingerichteten Fahrradschutzstreifen zum Friesenplatz. Auf Videokameras der Polizei ist zu sehen, dass die Autotür eines in einer Parktasche geparkten Mercedes geöffnet wird. Nach dem Zusammenstoß mit der Tür fällt die Radfahrerin auf die Fahrbahn und entgeht nur knapp einem vorbeifahrenden Lastwagen. Um ein Haar wäre dieser Vorfall noch schlimmer ausgegangen. Bisher gab es in Köln keinen tödlichen Dooring-Unfall.

Dooring 2

Trauriger Spitzenreiter bei „Dooring“-Unfällen in Köln: Die Venloer Straße

Besonders häufig treten Unfälle dieser Art auf vielbefahrenen Geschäftsstraßen wie der Venloer Straße, der Severinstraße, den Ringen oder der Neusser Straße auf, sagte ein Polizeisprecher. Auch die Kalker Hauptstraße gehört zu den Dooring-Hotspots. Martina Remagen hält die Straße für eine der gefährlichsten in Köln. Direkt an Parkplätzen vorbeiführende Radstreifen, Zweite- oder Dritte-Reihe-Parker, viele Passanten auf den Fußwegen und Linienbusse tun ihr übriges. An einer Stelle wird der Radweg mittig auf der Straße geführt. „Da hat mich mal ein Linienbus – natürlich unbeabsichtigt – mit dem Außenspiegel nach vorn gedrückt, als wir an einer Ampel losfuhren“, berichtet sie.

„Mittellage“ als Lösung?

Diese sogenannte „Mittellage“, also Radstreifen nicht außen an den Parkplätzen, sondern innen auf den Fahrstreifen, könnte neben den Abbiegeunfällen auch die Dooring-Problematik vermindern. Das Rechtsfahrgebot, das die Radler direkt an die parkenden Autos drängt, ist dann aufgehoben. „Aber das verlagert die Konfliktzone nur an eine andere Stelle“, sagt der Kölner ADFC-Chef Christoph Schmidt. Radfahren in der Mitte sei nicht ungefährlicher als am Rand. Besonders sei mehr Rücksichtnahme nötig, sagt Schmidt. Für Autofahrer heiße das: Mehr Abstand beim Überholen. „Sonst drängt man die Radfahrer ja förmlich nach rechts, sodass sie sehr eng an den parkenden Autos entlangfahren müssen.“

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Aber auch Radler könnten vorausschauend fahren – etwa indem sie die vor ihnen parkenden Autos beobachten und langsamer fahren. „Wenn man schnell fährt, muss man ungefähr drei Fahrzeuge vorher wissen, wo eine Tür aufgeht. Sonst hat man keine Chance zum Stehen zu kommen, weil der Bremsweg zu lang ist.“

Ein Freitagnachmittag vorvergangenen Jahres in Ehrenfeld: Ein Radfahrer erleidet schwere Kopfverletzungen durch den Zusammenstoß mit einer plötzlich geöffneten Beifahrertür. Der 70-Jährige fuhr stadtauswärts auf dem Radschutzstreifen der Venloer Straße. Nach ersten Ermittlungen soll der 32-Jährige die Beifahrertür eines Fiat Ducato, ohne auf den nachfolgenden Verkehr zu achten, geöffnet haben. „Die Tür stieß gegen den vorbeifahrenden Kölner und brachte diesen zu Fall. Er stürzte und schlug mit dem Kopf auf den Bordstein auf“, teilte die Polizei anschließend mit.

Womöglich hätte ein einfaches Mittel diesen Unfall verhindert: der sogenannte „Holländische Griff“. „Beim Aussteigen auf der Fahrerseite immer mit der rechten Hand nach dem Türgriff greifen! Sie drehen sich automatisch nach hinten, Ihr Sichtfeld erweitert sich“, empfiehlt die Polizei. „Beim Aussteigen auf der Beifahrerseite ist mit der linken Hand nach dem Türgriff zu greifen und der gleiche Effekt wird erzielt!“