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Anklage in Köln erhobenJunger Uber-Kunde verwechselt das Auto und wird totgeschlagen

Die Fahrerin fühlte sich belästigt und rief ihren Ehemann. Der muss sich bald vor Gericht verantworten.

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Angehörige und Freunde stellten am Tatort Kerzen auf, legten Blumen und weitere Trauerutensilien ab.

Angehörige und Freunde stellten am Tatort Kerzen auf, legten Blumen und weitere Trauerutensilien ab.

Er verwechselte in Longerich das Auto einer Anwohnerin mit einem Uber-Fahrzeug und wurde nach einem Wortwechsel durch einen harten Schlag tödlich verletzt. Der tragische Fall um den 20-jährigen Kölner Fabrice wird bald vor einer Schwurgerichtskammer des Kölner Landgerichts verhandelt. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den Ehemann der Autofahrerin erhoben, die Behörde wirft ihm Körperverletzung mit Todesfolge vor. Wann genau der Prozess startet, steht noch nicht fest. Da sich der Angeklagte auf freiem Fuß befindet, wird das Verfahren wohl nicht mit hoher Priorität bearbeitet.

Köln: Tödliche Verwechslung nach Uber-Bestellung in Longerich

Fabrice hatte mit seiner Freundin, seinem Vater und weiteren Personen in den Räumen eines Sportvereins auf dem Lindweilerweg gefeiert. In der Nacht zum 1. Februar dieses Jahres hatte er ein Uber-Fahrzeug bestellt. Die Anfahrt verzögerte sich – offenbar hatte der Fahrer den Weg nicht gefunden. Laut Anklageschrift machte Fabrice dann ein Auto aus, das er für seinen bestellten Mietwagen hielt. Er habe einsteigen wollen, woraufhin sich die Fahrerin erschrocken haben soll. Die Frau wollte den Ermittlungen zufolge parken, sie wohnte mit ihrer Familie in unmittelbarer Nähe.

Die Frau soll ihren Mann angerufen haben. Er solle mal aus dem Fenster schauen. Kurz darauf soll sie Fabrice gefragt haben, was er denn von ihr wolle. Der 20-Jährige soll seinen Fehler daraufhin erkannt und sich wieder in Richtung des Vereinsheims bewegt haben. Obwohl sich die Situation offenbar aufgeklärt hatte, soll der Ehemann der Autofahrerin aus dem Haus gestürmt und Fabrice konfrontiert haben. „Was machst du meine Frau an?“, soll der 25-Jährige sinngemäß gerufen und Fabrice einen Faustschlag gegen den Kopf verpasst haben. Der junge Mann soll rücklings zu Boden gefallen sein.

Köln: Fabrice krachte mit dem Kopf auf den Boden und starb

Fabrice knallte bei dem Sturz mit dem Hinterkopf hart auf den Boden. „Der Geschädigte erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und verstarb am Folgetag in der Klinik“, erklärt Landgerichtssprecher Hans Logemann auf Anfrage dieser Zeitung. Die Staatsanwaltschaft geht nicht davon aus, dass der Angeklagte den Tod seines Opfers gewollt oder billigend in Kauf genommen habe und sah von einer Anklage wegen Totschlags ab. Eine Körperverletzung mit Todesfolge ist laut Strafgesetzbuch mit einer Mindeststrafe von drei Jahren Gefängnis belegt. Es sei denn, es läge ein minder schwerer Fall vor.

Da bei dem Angeklagten keine Fluchtgefahr bestanden habe und auch sonst keine zwingenden Gründe für eine Untersuchungshaft vorgelegen hätten, verzichtete die Staatsanwaltschaft in diesem Fall auf die Beantragung eines Haftbefehls. Das dürfte zu einer erheblichen Verzögerung bei der Terminierung des Prozesses führen – weil Haftsachen wegen gesetzlicher Fristen vorrangig behandelt werden und die Strafkammer der zuständigen Richterin Sibylle Grassmann ohnehin meist ausgelastet ist. Es könnten daher noch einige Monate oder sogar Jahre bis zu einem Prozessbeginn vergehen.

Köln: Lebensgefährtin wurde Zeugin der Tragödie

Die Angehörigen hatten die Entscheidung, dass der Angeklagte auf freiem Fuß bleiben sollte, mit Unverständnis quittiert. Fabrices Freundin sagte kurz nach der Tat in verschiedenen TV-Interviews, dass der Beschuldigte auf sie zugekommen sei. Den Satz, wieso Fabrice seine Frau „angemacht“ habe, habe der Mann noch nicht einmal zu Ende gesprochen, bevor er zugeschlagen habe. Laut seiner Freundin habe Fabrice auch vorher überhaupt keinen Anlass dafür gegeben, dass sich die Autofahrerin bedrängt gefühlt und ihren Ehemann hätte alarmieren müssen.

Der Prozess muss nun mithilfe der Tatzeugen aufklären, was in dieser Nacht tatsächlich der Auslöser der Tragödie war. Wie sich der 25-jährige Angeklagte zu den Vorwürfen einlässt, ist nicht öffentlich bekannt. Eine Anfrage dieser Zeitung ließ der Verteidiger des Mannes unbeantwortet. Möglich erscheint, dass sich der Beschuldigte auf eine zumindest gefühlte Bedrohungslage und eine Art Nothilfe berufen könnte. Von großer Bedeutung dürfte bei der Bewertung der genauen Umstände auch sein, ob der Angeklagte zur Gewalt neigt, also mit einschlägigen Taten vorbestraft ist oder nicht.

Köln: Große Anteilnahme bei Angehörigen und Freunden

Als Nebenkläger in dem Strafverfahren tritt der Vater des getöteten Fabrice auf. „Am Ende ist das ganze Leben kaputt; so ein Kind ist nun mal das, wofür man lebt“, sagte der Vater kurz nach der Tragödie in die Fernsehkameras. Und weiter: „Jedes Elternteil würde über seinen Sohn sagen, er war ein toller Junge, und dasselbe sage ich auch: Fabrice war mehr als ein toller Junge.“ Fabrice habe immer gute Stimmung und Spaß verbreitet – das sei nun vorbei. Der Vater ist auch als Zeuge gelistet, da er in der Tatnacht dabei war und das Drama vor dem Vereinsheim unmittelbar miterlebt hat.

Am Tatort in Longerich bildete sich schnell ein Blumenmeer. Angehörige und Freunde von Fabrice legten auch Bilder, Stofftiere und Fanartikel des 1. FC Köln ab – Fabrice war ein glühender Anhänger des Vereins. Wie beliebt er unter den Geißbock-Fans war, zeigte sich eine Woche nach der Tat im RheinEnergie-Stadion. Beim Spiel gegen RB Leipzig spannten die FC-Fans am Zaun der Südkurve ein großes Transparent auf, auf dem stand: „Ruhe in Frieden, Fabrice!“