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Vor GerichtEhemaliger Kölner Bandidos-Boss wegen Anstiftung zu versuchtem Mord angeklagt

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Aykut Ö. (Archivbild)

Aykut Ö. (Archivbild)

Der ehemalige Rockerboss Aykut Ö. soll Auftragsmorde vergeben haben. Seine Ex-Partnerin tritt als Kronzeugin auf.

Er protzte mit teuren Autos, edlen Uhren und Designer-Klamotten. Manche nannten Aykut Ö. auch den „Versace-Rocker“, weil der einstige Boss der Kölner „Bandidos“ in seinen besten Jahren gerne auch mal in einer schrillen Jacke der Nobel-Marke vor der Kamera posierte. Eine schillernde Figur, die im großen Stil mit Drogen gehandelt und einen brutalen Rockerkrieg mit den verfeindeten Hells Angels in Köln mitinszeniert haben soll.

Hans Logemann, Sprecher des Landgerichts, bestätigte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ auf Anfrage, dass die Staatsanwaltschaft den 39-jährigen Rockerboss wegen zweifacher Anstiftung zum versuchten Mord und der versuchten Anstiftung zur Falschaussage angeklagt hat. „Zugleich wurde die Sicherungsverwahrung beantragt.“ Frank Nobis, Verteidiger des Angeklagten, wollte auf Anfrage „zum jetzigen Zeitpunkt keine Stellungnahme abgeben“.

Rockerkrieg in Köln eskalierte

Im Kern drehen sich die Vorwürfe um einen Rockerkrieg, der vor acht Jahren eskalierte. Im Dezember 2018 schossen Bandidos auf der Zoobrücke auf ein entgegenkommendes Auto. Die Attentäter glaubten, dass es sich um einen Rivalen der Hells Angels handelte. Tatsächlich saß aber ein junger Mann hinter dem Steuer, der nicht zu den Rockern gehörte. Nur durch eine Notoperation überlebte das Opfer.

Der Anschlag galt als Racheakt für einen Angriff auf ein rechtsrheinisches Bandidos-Café kurz zuvor, bei dem einige Kuttenträger verletzt worden waren. Im November 2024 verurteilte das Kölner Schwurgericht den Schützen zu neuneinhalb Jahren. Birkan B., seinerzeit 33 Jahre alt, hatte die Tat gestanden und die Namen zweier Komplizen preisgegeben. Auch hatte er während der Ermittlungen geschildert, wer ihm den Mordauftrag gegeben haben soll: sein Boss Aykut Ö.. Dann aber erfolgte die Wende im Prozess, der Belastungszeuge widerrief seine Aussage. Der Bandidos-Chef kam ohne Anklage davon.  Wie sich jetzt herausstellte, soll Ö. die mutmaßliche Falschaussage durch den Schützen mit 150.000 Euro erkauft haben. „Die Zahlungen sollen bis zum Herbst 2024 erfolgt sein“, berichtete Justizsprecher Logemann.

Rocker trafen in Köln beim Steuerberater aufeinander

Im zweiten Fall soll der Rocker-Präsident im Januar 2019 einen Anschlag auf das Café Jokers in Buchheim in Auftrag gegeben haben. Auslöser war ein schwelender Konflikt mit einer Hells-Angels-Größe. Seit Jahren lag der Bandidos-Boss mit dem Orhan A. im Clinch. Seinerzeit ging es zwischen Bandidos und Hells Angels um die Macht am Rhein. Zufälligerweise begegneten sich die verfeindeten Rocker bei ihrem Steuerberater am Breslauer Platz. Kurzerhand entbrannte ein Streit, beide Kontrahenten waren bewaffnet. Die Auseinandersetzung verlagerte sich auf die Straße. Schüsse fielen, die Projektile schlugen aber fehl.

Noch am selben Abend feuerte ein Bandidos-Kommando mit einer Maschinenpistole Dutzende Schüsse auf das Café ab. Die elf Gäste kommen wie durch ein Wunder unverletzt davon. Erneut handelte es sich um einen Vergeltungsschlag. Das Lokal gehörte dem Hells Angel Orhan A..

Sein Rivale von den Bandidos musste letztlich zweieinhalb Jahre wegen unerlaubten Waffenbesitzes absitzen. Vor drei Jahren floh Aykut Ö. dann aus dem Offenen Vollzug in Euskirchen. Am Tag seiner Flucht wollte ihn die Gefängnisleitung mit einem positiven Drogentest konfrontieren. Für das letzte halbe Jahr seiner Strafe hätte der Rocker-Chef wieder in die Zelle einer geschlossenen Justizvollzugsanstalt zurückgemusst. Daraufhin setzte sich Ö. ins spanische Marbella ab. Von dort aus soll er Drogengeschäfte im großen Stil durchgeführt haben. Ein Jahr später wurde er durch spanische Guardia Civil verhaftet und an die Kölner Behörden ausgeliefert.

Seitdem sitzt er wieder in Haft. Und nun droht dem Angeklagten im Falle eines Schuldspruchs die Sicherungsverwahrung. Wie diese Zeitung erfuhr, stützen sich die Strafverfolger insbesondere auf die Aussagen der Ex-Freundin von Aykut Ö.. Die ehemalige Partnerin hatte auf 600 Vernehmungsseiten über die Machenschaften des Kölner Bandido-Präsidenten ausgepackt. Seither befindet sie sich im Zeugenschutzprogramm. Ferner wurde bekannt, dass die Kronzeugin selbst schon einmal in Betrügereien verwickelt gewesen sein soll.