Die aktuelle Sperrung der Mülheimer Brücke soll nur bis zum Ende der Woche andauern und die laufende Sanierung nicht weiter verzögern.
Hunderte Millionen EuroSanierung der Kölner Rheinbrücken wird bis in die 2040er Jahre dauern

Die Stadt Köln hat die Mülheimer Brücke in Richtung Mülheim unerwartet gesperrt.
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Das Mobilitätsdezernat der Stadt Köln unter Leitung von Ascan Egerer geht davon aus, dass die Mülheimer Brücke am Ende dieser Woche in Richtung Mülheim wieder für den Autoverkehr freigegeben werden kann. Wie berichtet, hatte die Stadt Köln die Brücke am vergangenen Freitag kurzfristig gesperrt, weil bei einer Prüfung ein Schaden entdeckt worden war.
Mülheimer Brücke: Risse unterhalb der Fahrbahn
Es seien in einer Unterstützungskonstruktion unterhalb der Fahrspur Richtung Mülheim Risse festgestellt worden, teilte ein Stadtsprecher am Montag mit. „Zurzeit werden die an dieser Stütze ankommenden Lasten geprüft, es wird ein Konzept für die Sicherung dieses Bereichs erstellt. Anschließend wird das dafür erforderliche Material bestellt, angeliefert und eingebaut“, sagte der Sprecher. Die aktuelle Sperrung wirke sich nicht auf die Fertigstellung der Brücke aus.
Dass erneut Probleme bei der sich seit acht Jahren hinziehenden Sanierung der Mülheimer Brücke aufgetreten sind, zeigt, wie unzuverlässig die bestehenden Planungen sind. Jede noch so kleine Verzögerung hat dabei nicht nur Auswirkungen auf die Baustelle selbst – auch die Brücken, die die Stadt danach noch sanieren muss, sind direkt davon betroffen.
Weil sich die Stadt Köln jahrzehntelang nicht um die Sanierung der Brücken gekümmert hat, befindet sich fast jedes der Bauwerke in einem desolaten Zustand. Sobald eine Sanierung beendet ist, beginnt auch schon die nächste. Es wird Hunderte Millionen Euro kosten und wohl noch rund 20 Jahre dauern, bis alle vier städtischen Brücken fertig sind. Einen genauen Zeitplan legte das Mobilitätsdezernat am Montag allerdings nicht vor. Ein Überblick über die laufenden und bevorstehenden Arbeiten an den Kölner Rheinbrücken.
Severinsbrücke: Generalsanierung bei Denkmalschutz
Der erste Teil zur Sanierung der 1959 eröffneten Severinsbrücke ist bereits beendet. Das Mobilitätsdezernat hat die Geländer auf der Strombrücke und den Korrosionsschutz für die Trägerseile und den Pylon erneuert sowie die Hauptträger baulich verstärkt. Die Arbeiten für den zweiten Teil des unter Denkmalschutz stehenden Bauwerks sollen beginnen, sobald die Generalsanierung der Mülheimer Brücke abgeschlossen ist. Laut Stadt ist die Instandsetzung voraussichtlich von 2030 bis 2035 geplant.

Die Severinsbrücke ist im Jahr 1959 eröffnet worden.
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Deutzer Brücke: Rampe muss wegen Mülheimer Baustelle warten
An die 1948 eröffnete Deutzer Brücke, die für Fahrzeuge mit einem Gewicht von mehr als 3,5 Tonnen gesperrt ist, wollen sich die städtischen Planer erst nach der Severinsbrücke heranwagen. Die rechtsrheinische Rampe des denkmalgeschützten Bauwerks wurde aus Sicherheitsgründen bereits zwischen 2013 und 2015 in Teilen erneuert. Die linksrheinische Rampe sollte eigentlich bis 2033 saniert sein, das wird aber aufgrund der Verzögerungen in Mülheim nicht mehr zu schaffen sein. Das Mobilitätsdezernat plant, mit den Arbeiten an der Deutzer Brücke nach dem Jahr 2035 zu beginnen. Früher waren dafür einmal zwei Jahre veranschlagt.

Die Deutzer Brücke ist für Fahrzeuge mit einem Gewicht von mehr als 3,5 Tonnen gesperrt.
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Zoobrücke: Notdürftige Reparaturen, wenn es sein muss
Die 1966 eröffnete Zoobrücke ist dringend sanierungsbedürftig, bislang wird das Bauwerk jedoch nur notdürftig repariert, wenn das absolut notwendig ist. Für Lkw mit einem Gewicht von mehr als 30 Tonnen ist die Überfahrt verboten. Die Bauarbeiten sollen beginnen, sobald die Mülheimer Brücke und die Severinsbrücke instand gesetzt sind. Das Bauwerk mit einer Spannweite von 259 Metern sollte eigentlich ab dem Jahr 2027 saniert werden, bis Ende 2031 sollte das Projekt abgeschlossen sein. Aufgrund der zahlreichen Verzögerungen bei der Mülheimer Brücke hat sich dieser Plan aber weit nach hinten verschoben. Die Stadt will mit den Arbeiten an der Zoobrücke erst beginnen, wenn die Sanierung der Deutzer Brücke abgeschlossen ist. Das könnte wohl frühestens 2037 der Fall sein. Im Anschluss an die Hauptsanierung, die laut vorheriger Schätzungen mindestens vier Jahre dauern soll, will die Stadt auch die sogenannten Vorlandbrücken modernisieren. Bis alles fertig sein wird, dürfte also mindestens die Mitte der 2040er Jahre erreicht sein.

Die Zoobrücke hat eine Spannweite von 259 Metern.
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Hohenzollernbrücke: Pläne für Erweiterung liegen auf Eis
Die Hohenzollernbrücke befindet sich in einem stabilen Zustand. Allerdings gibt es dort verschiedene Pläne für Erweiterungen. Im Süden sollte die Brücke am Dom von derzeit vier Metern auf elf Meter erweitert werden, um die Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern zu reduzieren. Auf der Nordseite war eine Verbreiterung von 3,50 auf 4,90 Meter geplant. Beide Vorhaben liegen aufgrund der zu hohen Kosten vorerst auf Eis.

Die Hohenzollernbrücke soll im Norden und Süden erweitert werden.
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Rodenkirchener Brücke: Steht unter Denkmalschutz, Abriss geplant
Die Autobahn GmbH will die Autobahn 4 im Kölner Süden auf acht Spuren erweitern. Im Zuge dieses Projekts soll die unter Denkmalschutz stehende Rodenkirchener Brücke abgerissen und neu gebaut werden. Das hängt aber auch damit zusammen, dass eine der beiden Brückenhälften aus dem Jahr 1954 stammt und laut der Autobahn GmbH bald am Ende ihrer Lebensdauer angekommen ist. Anwohner protestieren gegen den geplanten Abriss.

Die Autobahn GmbH plant, die Rodenkirchener Autobahnbrücke abzureißen und neu zu bauen.
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Südbrücke: Technisch einwandfrei Ausbau geplant
Die 1950 eröffnete Südbrücke befindet sich technisch in einem einwandfreien Zustand, barrierefrei erreichbar ist das Bauwerk allerdings nach wie vor nicht. Für die Eisenbahnbrücke existieren Pläne im Kontext des Ausbaus des Bahnknotens Köln. In Zukunft könnte die Brücke auch von S-Bahnen genutzt werden, die das Neubaugebiet Parkstadt Süd über eine Haltestelle am Bonner Wall erreichen würden.

Über die Südbrücke könnte in Zukunft eine S-Bahn-Linie fahren.
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