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Kommentar zur Historischen MitteEine bittere Entscheidung, die das Dom-Umfeld auf Jahre nicht voranbringt

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Lesezeit 2 Minuten
3D-Visualisierung eines Platzes

Die Visualisierung zeigt, wie die Historische Mitte Kölns eigentlich in wenigen Jahren hätte aussehen sollen.

Die Pläne für eine Historische Mitte sind vorerst geplatzt. Unser Autor ist der Meinung, sie hätte dem Roncalliplatz gutgetan.

Dass am Ende die Hohe Domkirche die bisherigen Pläne der Historischen Mitte offiziell beerdigt, hat eine gewisse Ironie. Angesichts der vielen städtischen Baudebakel rund um Oper und Co. war in den vergangenen Jahren stets die Hoffnung bei vielen Politikern: Die Kirche macht das schon, sie wird die Stadt bei der Historischen Mitte zu mehr Verbindlichkeit bei Terminen und Kosten zwingen. Diese Hoffnung war ein Trugschluss.

Doch Teil der Wahrheit ist eben auch: In der Verwaltung und im Rat gab es nicht mehr sehr viele beinharte Verteidiger des Projektes. Das war spätestens klar, als Oberbürgermeisterin Henriette Reker die Historische Mitte zuletzt in aller Offenheit anzweifelte und zur Priorisierung mahnte wegen des knappen Haushalts. Doch ohne Preis bleibt auch diese Entscheidung nicht: Laut der Liste der Großbauprojekte hat die Stadt bisher knapp acht Millionen Euro für die Mitte ausgegeben.

Ein Teil der Pläne und Ideen mag möglicherweise zu retten und damit das dafür eingesetzte Budget nicht komplett verloren sein: Doch sechs Jahre nach dem Planungsbeschluss des Rates ist völlig unklar, was direkt am Dom gebaut wird. Reker hatte in der Vergangenheit davon gesprochen, die „Visitenkarte unserer Stadt endlich städtebaulich anspruchsvoll zu gestalten“. Nun steht erstmal fest, dass nichts feststeht. Mitten im Herzen der Stadt, direkt am Dom.

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Historische Mitte Köln: Es muss in einer Stadt möglich sein, neu zu bauen

Inhaltlich erwischt es jetzt das falsche Projekt. Die Historische Mitte hätte dem Roncalliplatz gutgetan. Und bei allem Verständnis  für Sanierungen und den ressourcenschonenden Umgang mit Gebäuden: Es sollte und muss in einer Stadt auch möglich sein, neu zu bauen.

Gekniffen sind nun vor allem das Kölnische Stadtmuseum und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Seit Jahren gammelt ihre frühere Heimat, das Zeughaus, vor sich hin, die Beruhigungspille lautete stets: Die Historische Mitte kommt ja. Stand jetzt muss man sagen: von wegen. Selbst eine abgespeckte Variante eines Stadtmuseums am Roncalliplatz braucht vermutlich eine neue Planung, wieder dürften Jahre ins Land gehen.

Die aktuelle Perspektive für das Stadtmuseum lautet: Das umgebaute Modehaus Sauer wird auf Jahre die Heimat bleiben.     Durch die Entscheidung der Kirche bleibt dem Rat nun eine unangenehme Debatte über die Historische Mitte erspart. Trotzdem wird das Gremium lernen müssen, sich zu fokussieren, auch mal Nein zu sagen. Ob der Kölner Stadtrat dafür wirklich die Kraft aufbringen kann? Das bleibt abzuwarten.

Für den Roncalliplatz braucht es nun einen neuen Anlauf — und zwar einen, der gründlich ist, aber nicht erneut Jahre verbraucht.

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