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Planänderung in DeutzDer Umbau der Kasemattenstraße fällt kleiner aus

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Die Kasemattenstraße in Deutz soll im Zuge einer klimarobusten Baumaßnahme umgestaltet werden.

Die Kasemattenstraße in Deutz soll klimafreundlicher gestaltet werden. Geplant ist das seit Jahren. 

Die Stadt Köln plant eine klimagerechte Umgestaltung der Kasemattenstraße. Verzögerungen und versiegelte Flächen sorgen jedoch für Kritik.

Dass versiegelte Flächen Städte aufheizen und kein Regenwasser aufnehmen, gehört mittlerweile zum Basiswissen beim Klima- und Hochwasserschutz. Die Stadt Köln möchte deswegen die Kasemattenstraße in Deutz klimagerecht umgestalten, unter anderem mit einem Regenrückhaltebecken. Doch der Baubeginn verzögert sich. Zudem sind weitere Flächen versiegelt worden – was das Gegenteil der geplanten Maßnahmen darstellt.

Die Kasemattenstraße liegt unweit des Bahnhofs Messe/Deutz und führt zum grünen Von-Sandt-Platz. Gegenüber befindet sich das Hans-Böckler-Berufskolleg. Teilweise besteht sie aus Kopfsteinpflaster. Nach den 2024 beschlossenen Plänen der Stadt Köln und der Stadtentwässerungsbetriebe soll es durch ebenes Pflaster ersetzt werden. Autos sollen nur noch mit Schrittgeschwindigkeit fahren dürfen, Parkplätze wegfallen, Sitzbänke aufgestellt werden.

Entwässerung bei Starkregen: Mulde statt Parkplatz

Viel wichtiger aber sind die Pläne zur Entwässerung bei Starkregen: Dort, wo sich zuletzt der Lehrerparkplatz des Berufskollegs befand, soll eine Mulde entstehen, in der sich das Wasser sammeln kann. Durch einen unterirdischen Speicher soll es versickern und ins Grundwasser übergehen. Läuft die Mulde, die mit Stauden und Gräsern bepflanzt werden soll, über, soll das Wasser über einen Kanal abfließen. Der neue Lehrerparkplatz soll eigentlich aus Rasengittersteinen bestehen, ist aber asphaltiert worden – und ist gemäß der Beschilderung Aufstellfläche der Feuerwehr.

Die Kosten für die Klimaschutzmaßnahmen sollen 1,1 Millionen Euro betragen, wovon 600.000 Euro die Stadt übernehmen, und den Rest die Entwässerungsbetriebe. Ein Bundesprogramm bezuschusst die Pläne mit 700.000 Euro, die sich die Projektträger aufteilen wollen. Eigentlich sollten die Bauarbeiten bereits Mitte vergangenen Jahres beginnen, doch außer der Asphaltierung des Lehrerparkplatzes habe sich nicht viel getan, beklagt Anwohnerin Andrea Roßbach. „Man wollte hier doch entsiegeln, wo es nur geht. Mehr Asphaltflächen sind das Gegenteil davon“, schildert sie. Mehrere Ortstermine habe es gegeben, noch vor der Corona-Pandemie. „Wenn so viel Geld ausgegeben wird, sollte man es auch vernünftig machen“, findet sie.

Schon bei normalem Regen stehe die Kreuzung mit der Graf-Geßler-Straße unter Wasser, Fußgänger holten sich dann nasse Füße, sagt Roßbach. Bei Starkregen würde aus einer großen Pfütze wohl ein See: Auf Portalen der Bezirksregierung wie www.hochwasserkarten.nrw.de kann erkundet werden, wie hoch das eigene Zuhause bei Starkregenereignissen unter Wasser stünde. Wenn innerhalb von sechs Stunden 20 bis 35 Liter Regen pro Quadratmeter fallen, kommen städtische Abwassersysteme an ihre Grenzen. Straßen drohen zu überfluten, obwohl sie gar nicht in der Nähe von Flüssen liegen. Gemäß der Hochwasserkarte müsste es in der Kasemattenstraße zwar deutlich mehr als 35 Liter regnen, was statistisch gesehen einmal alle 100 Jahre passiert. Doch käme dieser Tag, stünde Deutz in diesem Teil mehr als zwei Meter unter Wasser.

Die Stadtverwaltung teilt auf Anfrage mit, dass die Bauarbeiten im Oktober 2026 beginnen sollen – nachdem sie bereits zweimal verschoben wurden. „Die Vergabe der Ingenieurleistungen hat länger gedauert als geplant und wurde erst Ende Oktober 2025 abgeschlossen. Derzeit läuft die Ausführungsplanung, bei der noch ergänzende Bodenuntersuchungen durchzuführen sind. Dafür war eine zusätzliche Ausschachtung auf etwa 4,50 Meter Tiefe erforderlich“, sagt Stadtsprecher Robert Baumanns.

Feuerwehr bleibt auf der Fahrbahn

Bereits begonnen worden sei vor Ort mit vorbereitenden Arbeiten, etwa der Verlegung von Ver- und Entsorgungsleitungen. Der Lehrerparkplatz sei kurzfristig angelegt worden, um die ursprüngliche Parkfläche für die geplante Mulde freizumachen. „Hier kann sich im Starkregenfall das Wasser sammeln und versickern. Die endgültige Herstellung erfolgt wie geplant in einem wasserdurchlässigen Pflaster.“

Die Fläche sei jedoch kein Aufstellplatz für die Feuerwehr, entgegnet Baumanns, der entsprechenden Beschilderung zum Trotz. „Die Feuerwehrfahrzeuge halten wie bisher im Einsatzfall auf der Fahrbahn und können eine Menschenrettung über Drehleitern sicherstellen. Die Maßnahme wurde mit der Feuerwehr abgestimmt“, versichert er. Zwar sei die bisherige Finanzierung des Projekts gesichert, ob die Kosten steigen, sei jedoch noch nicht klar: „Die Kostenberechnung wird im Zuge der Ausführungsplanung aktualisiert und liegt noch nicht vor“, so Baumanns.