Köln-Innenstadt – Keiner weiß, wie das eigentlich gekommen ist. Eine deutsche Ausbildung hat aber Tradition in der Familie Aranibar im bolivianischen La Paz. „Meine Onkel, Tanten und meine Eltern waren alle auf deutschen Schulen“, sagt Nicole Aranibar. Die Studentin (26) ist freilich die erste aus ihrer Familie, die den Sprung nach Deutschland gewagt hat. Nachdem sie ein deutsches Abitur absolvierte, ließ sie sich in Bolivien zur Groß- und Einzelhandelskauffrau ausbilden. Deutschland kannte sie bereits von einem Jahr als Austauschschülerin, das sie in München verbrachte. „Das Jahr war gut, aber die Leute in München haben mir nicht gefallen.“ Kein Wunder also, dass sie sich zum Studium für Köln entschieden hat.
Wie 300 weitere Erstsemester, die aus dem Ausland nach Köln gekommen sind, wurde Aranibar im Kölner Rathaus von der Stadt empfangen. Zuvor hatten einige die Gelegenheit, bei einer Bustour die Rheinstadt kennenzulernen. Aranibar hat das Programm nicht in diesem Jahr, sondern in ähnlicher Weise vor fünf Jahren absolviert. Heute engagiert sie sich für die Hochschulgruppe Avanza, die es lateinamerikanischen Studenten leichter machen will, an Kölner Hochschulen Fuß zu fassen. Wie schreibt man sich an der Uni ein? Wo bewirbt man sich für einen Wohnheimplatz? Wo kann man gut lateinamerikanisch essen gehen?

Die georgische Hochschulgruppe mit Elene (2.v.r.) stellt sich vor. Insgesamt kamen 300 Erstsemester zum Empfang ins Rathaus.
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Viele der Probleme, die ausländischen Studenten besonders am Anfang haben, kennt Aranibar aus eigener Erfahrung. Wohnungen sind bekannterweise knapp und teuer in Köln. Schon deutsche Studenten haben Schwierigkeiten, ein preiswertes Zimmer zu finden. Wer aus dem Ausland kommt, die Sprache noch nicht perfekt beherrscht und über ein knappes Budget verfügt, hat besonders große Probleme. Aranibar hat zwei Minijobs, denen sie an drei Tagen in der Woche nachgeht. Sie klagt aber nicht: „Am Anfang war es schwierig, Studium und Arbeit zu koordinieren, aber mittlerweile habe ich gelernt, wie es geht.“

Karl-Heinz Korn
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Sich finanziell im Studium über Wasser zu halten, sei einer der Hauptprobleme, weiß auch der langjährige und seit einer Woche aus dem Amt geschiedener Mitarbeiter des International Office der Universität Köln, Karl-Heinz Korn. So müssen sich die Familien der Studenten bereiterklären, für alle Unkosten aufzukommen. In der Regel überprüft das Ausländeramt beim Start und jedes Jahr erneut, ob der internationale Student im Studium gut vorankommt und auch genügend Geld auf dem Konto hat. Etwa 8000 Euro sollten es zu Beginn sein. „Am Anfang hatte ich Angst, zur Behörde zu gehen, obwohl ich alle Unterlagen hatte“, so Aranibar. Jobben dürfen die Studenten in der Regel aber nur 120 Tag im Jahr beziehungsweise 20 Stunden pro Woche.

Nicole Aranibar
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Es gibt Studenten aus dem Ausland, die können diese Hürden leicht meistern, so Korn. Studenten aus Afrika, arabischen Ländern oder auch Lateinamerika täten sich oft schwerer. Wenn im Heimatland ein Bürgerkrieg ausbricht wie in Syrien oder derzeit in Jemen, sind schnell auch die Familien betroffen. Müssen diese fliehen und ihr Hab und Gut zurücklassen und können sie natürlich ihren Kindern in Deutschland kein Geld mehr schicken. Weil die Not der syrischen Studenten in den vergangenen Jahr so groß wurde, hatte Deutschland ein Einsehen und vergab ausnahmsweise an betroffene syrische Studenten Bafög.

Xingjia Wang
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Normalerweise erhalten internationale Studenten diese Hilfe nicht. Jemenitische Studenten hätten es ungleich schwerer, weil es davon an jeder Uni nur eine Handvoll gäbe, so Korn. „Die haben überhaupt keine Lobby.“ Eng sei es derzeit auch für Studenten aus dem Iran. Das Land, von den US-Sanktionen stark getroffen, ist derzeit von einem drastischen Verfall der Währung betroffen.
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Aber auch Studenten, die die finanziellen Hürden nicht so hoch sind, ist das Studium in Deutschland kein Klacks. Elene (29) aus der georgischen Kapitale Tiflis, die seit zwei Jahren in Köln Islamwissenschaften und Linguistik studiert, hat zunächst das Programm „Wohnen für Hilfe“ ausprobiert. „Ich habe mit einer älteren ehemaligen Ärztin zusammengewohnt. Sie konnte günstig bei ihr wohnen und hat der Frau zum Beispiel bei den Einkäufen geholfen und abends mal georgisch gekocht. Seit einiger Zeit wohnt sie nun in einer Wohngemeinschaft mit anderen Studenten, die Verbindung zu der Seniorin sei aber geblieben. Ihre Eltern vermisse sie sehr, die Ferien nutze sie aber nicht für Reisen in die Heimat, sondern zu Forschungszwecken. Gerade kommt sie von einer Summer School in Jordanien zurück, die zum Thema „Trauma in der arabischen Literatur“ stattfand. „Aber zum Glück für die Familie gibt es Skype und Whats-App.“
5800 Erstsemester an der Uni Köln
49 250 Studenten sind zum Stichtag 1. Oktober für das Wintersemester 2018/19 an der Universität Köln eingeschrieben. Neu an die Hochschule kommen rund 5800 angehende Akademiker im ersten Hochschulsemester. Die am stärksten nachgefragten Studiengänge sind Jura mit Abschluss Staatsexamen, Betriebswirtschaftslehre im Bachelor, sowie die Bachelor-Studiengänge Physik und der Sozialwissenschaften. Physik ist damit erstmal unter den beliebtesten Studiengängen.
Zehn Prozent der Kölner Studenten kommen aus dem Ausland. Im Ranking liegen dabei den Zahlen der Universität Köln zufolge Studenten aus der Türkei (683), China (410) und Italien (359) ganz vorne. Es folgen Studenten aus Russland (302), Bulgarien (267), Luxemburg (228), Griechenland (180), Spanien (176) und Frankreich (159) vorne. (ris)
Xingjia Wang (29) ist 2015 aus dem chinesischen Tianjin nach Deutschland gekommen und studiert seitdem an der Uni Köln BWL. Die Unterschiede zwischen dem Studium in ihrer Heimat und Deutschland seien groß. Das Studium sei verschulter in China, die Lehrer strenger. In China sei es zudem üblich, dass es um den Campus kleine Studentenstädte gäbe, wo die Studenten in Wohnheimen lebten. Auch Wang musste ein halbes Jahr aus Essen nach Köln pendeln, weil sie keine günstige Wohnung fand. Auch sie hat einen Minijob. Sie will nicht entscheiden, wo es ihr besser gefällt, bleiben in Deutschland will sie aber nicht.


