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Buchpremiere im Comedia TheaterESC-Experte bringt „größtes Musikereignis“ nach Köln

4 min
Lukas Heinser beim ESC 2025 in Basel.

Lukas Heinser beim ESC 2025 in Basel.

Lukas Heinser ist seit vielen Jahren beruflich beim ESC dabei. Nun stellt er in Köln sein neues Buch vor – und bringt prominente Unterstützung mit.

So manche ESC-Kommentatoren trauten ihren Augen nicht, als sie 2011 in Baku auf dem Weg zu ihren Kabinen plötzlich vor einer Wand standen, die am Vortag noch nicht da gewesen war. Den aserbaidschanischen Veranstaltern war erst spät aufgefallen, dass der Flur zu den Kommentatoren auch zur Präsidentenloge führte – und so wurde über Nacht noch schnell eine Mauer gebaut.

Über diese und weitere Geschichten rund um den Eurovision Song Contest schreibt Lukas Heinser in seinem Buch „ESC – Das kleinste Buch zum größten Musikereignis“, das am Mittwoch, 25. März, erscheint. Kurz vor der Veröffentlichung kommt Heinser am Sonntag, 19. März, ins Comedia Theater nach Köln und stellt es gemeinsam mit ESC-Kommentator Thorsten Schorn vor. Die beiden präsentieren Stellen aus dem Buch und blicken auf 70 Jahre ESC zurück – und so wie Fans beim ESC 2024 rätselten, ob es zum Comeback von ABBA kommen würde, können Gäste bei der Buchpremiere rätseln, ob vielleicht eine ESC-Größe die Bühne betritt. Resttickets für die Veranstaltung gibt es online.

Seit 2010 beim ESC dabei

Heinser ist seit 2013 Assistent des deutschen ESC-Kommentators und erlebt in dieser Position dieses Jahr seinen bereits 13. ESC. Der Weg dorthin begann 1993 mit Heinsers damaliger Lieblingsband Münchener Freiheit, die für Deutschland an den Start ging. Das weckte bei Heinser, damals neun Jahre, erstmals Interesse am ESC. Was ihn besonders faszinierte, war das „gefühlt anderthalbstündige Spektakel“ nach den Gesangseinlagen, die Punktevergabe: „Das fand ich toll, aus irgendeinem Grund.“

Lukas Heinser ist seit 2013 Assistent des deutschen ESC-Kommentators.

Lukas Heinser ist seit 2013 Assistent des deutschen ESC-Kommentators.

Da passt es, dass die Punktevergabe heute zentraler Teil seines Jobs ist. Heinser notiert von seinem Platz neben Thorsten Schorn, welche Länder Deutschland Punkte geben. Während der Shows überprüft er außerdem Social Media und die Technik. Der Hauptteil seiner Arbeit findet aber vor dem ESC statt. Heinser schaut sich alle Acts an und sammelt Informationen zu Künstlern, Songs und Ländern. Daraus entstehen die Texte, mit denen Schorn die Acts bei den Liveshows vorstellt.

Den Job verdankt er einer „Initiativbewerbung gone right“. Seit 2007 verfolgt er den ESC professionell, zunächst gemeinsam mit Stefan Niggemeier. 2010 dokumentierten die beiden Lenas Sieg in Oslo in einem Videoblog. Auch in Düsseldorf 2011 und Baku 2012 waren sie dabei. In Baku sprach Heinser den damaligen Chef der deutschen Delegation, Thomas Schreiber, an. Schreiber solle sich bei ihm melden, wenn es in der Delegation einen freien Platz gäbe – drei Tage später klingelte das Telefon und im darauffolgenden Jahr saß Heinser neben Peter Urban im schwedischen Malmö.

ESC wie ein „Familientreffen“

Den ESC beschreibt Heinser als „absurd-toll“: Grundidee und teilweise auch die Acts seien zwar absurd, doch „der ESC ist ein generationenübergreifendes Event, das Menschen durch Musik zusammenbringt.“ Auch als „Safe Space“ für queere Menschen sei er wichtig: „Von solchen Events bräuchte es mehr.“ Und obwohl der ESC und sein Ausrichter, die Europäische Rundfunkunion, immer wieder in der Kritik stehen, sieht Heinser den Wettbewerb als „relativ krisensicher“.

Lukas Heinser und Thorsten Schorn beim ESC 2024 in Malmö.

Lukas Heinser und Thorsten Schorn beim ESC 2024 in Malmö.

Neben Lenas Sieg 2010 war vor allem der ESC 2023 in Liverpool, wo er „die schönste Stimmung“ erlebte, ein Highlight für Heinser. Auch das Kennenlernen von neuen Künstlern sei immer schön. Abseits der Musik sind es vor allem die anderen Delegationen, die für Heinser die Magie des ESCs ausmachen: „Viele Mitarbeitende machen ihre Jobs schon sehr lange, deshalb ist es wie ein Familientreffen.“

Es ist bereits Heinsers zweites Buch über den ESC. Im Sommer 2025 fragte der Fischer Verlag bei ihm an, ob er zum 70. Jubiläum des ESC ein neues Buch schreiben wolle. Heinser sagte zu und schrieb das Buch innerhalb von zehn Wochen. Dabei setzt er verschiedene Schwerpunkte: Acts aus den deutschsprachigen Ländern, Kurioses, die Bedeutung für die queere Szene oder die Frage, ob der ESC politisch sei oder nicht.

Dass die Buchpremiere in Köln stattfindet, passt gut, denn mit Sarah Engels nimmt dieses Jahr für Deutschland eine Kölnerin am ESC teil. Heinser rechnet ihr „generell gute Chancen“ zu, denn Engels sei ein „echter nationaler Superstar“, der viel Erfahrung mitbringe. Die Favoritenrolle sieht er aber bei anderen und wagt eine Siegerthese: Für Australien trete mit Delta Goodrem „eine relativ etablierte, mit Hits gesegnete Künstlerin“ an, die für den ersten australischen Sieg sorgen könnte.