Das geplante Interim steht aufgrund der Baumfällungen in der Kritik. Die Grünen fordern klimafreundliche Maßnahmen.
Ausgleich für BaumfällungenGrüne fordern Pflanzenwände für das Interim der Kölner Feuerwache 1

Baumfällarbeiten für die Interims-Feuerwache. (Archivfoto)
Copyright: Alexander Schwaiger
Dem Interim der Feuer- und Rettungswache 1 in der Kölner Innenstadt müssen etliche Bäume weichen. Bereits im Dezember sind sieben große Exemplare gefällt worden, um das Gelände südlich der Löwengasse auf Kampfmittelfreiheit untersuchen zu können. Wahrscheinlich werden im Zuge der Bebauung weitere Bäume verschwinden. Die Grünen-Fraktion in der Bezirksvertretung (BV) Innenstadt pocht darauf, für einen angemessenen Ausgleich zu sorgen. In einem entsprechenden Antrag verweisen sie auf die Baumschutzsatzung und das erklärte Ziel der Stadt, bis 2035 klimaneutral zu werden.
Zunächst solle die Verwaltung nachweisen, dass selbst nach Abschluss der Bauarbeiten für das Interim Ersatzpflanzungen auf dem Grundstück selbst ausgeschlossen sind. Wenn dem so sei, solle sie Ersatzstandorte in der unmittelbaren Umgebung ausfindig machen. Für den Fall, dass auch dies nicht möglich ist, fordern die Grünen die Verwaltung auf, keine Ausgleichszahlung für die Bäume zu leisten, sondern die Fällgenehmigung mit der Auflage zu verbinden, dass die Außenwände des Interimsgebäudes bepflanzt werden. Das modulare Begrünungssystem müsse so dimensioniert sein, dass es „einen Beitrag zum urbanen Mikroklima im Sinne der Baumschutzsatzung leistet“.
Als weitere Auflage fordert die Fraktion, das Dach des Interimsbaus in Gänze mit einer Photovoltaik-Anlage auszustatten. Der damit erzeugte Strom solle vorrangig dafür genutzt werden, die künftigen Elektro-Fahrzeuge der Feuerwehr am Standort zu laden und den Eigenbedarf des Gebäudes zu decken. Dies entspreche nicht nur dem Klimaneutralitätsziel der Stadt, sondern auch dem „Selbstbekenntnis der Feuerwehr zum Umwelt- und Klimaschutz“, heißt es in dem Antrag.
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Neubau aufgrund maroder Technik
Die Feuer- und Rettungswache an der Agrippastraße muss neu gebaut werden, weil nach Angaben der Feuerwehr die Technik marode und der Komplex für Personal und Fuhrpark zu klein geworden ist. Um den Neubau an der angestammten Stelle zu verwirklichen, braucht es das Interim. Bevor das Gelände an der Löwengasse ausgewählt wurde, war lange nach einem Grundstück gesucht worden. In der vorletzten Sitzung der BV im Dezember hatte ein Vertreter der Feuerwehr erklärt, die damals kurz bevorstehende Fällung der sieben Bäume auf dem Areal, auf dem Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet werden, sei notwendig für die Kampfmittelsondierung.
Diese wiederum sei unerlässliche Voraussetzung dafür, die Ausschreibung für das Bauprojekt zu starten. Die Fällung hatte bei Teilen der BV zunächst für Widerstand gesorgt. Schließlich aber habe man sich von der Feuerwehr überzeugen lassen, dass eine Verzögerung des 28-Millionen-Euro-Projekts nicht zu verantworten sei, teilten die Grünen im Nachgang zu der Sitzung mit. Julie Cazier, Bezirksbürgermeisterin der Innenstadt, hielt allerdings fest: „Gleichzeitig bedauern wir den Verlust der Bäume zutiefst und sehen hier strukturelle Defizite in der Planungspraxis der Stadt.“
Das Interim soll in Modulbauweise entstehen. „Ich finde, das Viertel hat etwas Besseres verdient, als mit Containern vollgestellt zu werden“, übte Reinhold Goss, Vorsitzender der Grünen-Fraktion, in der jüngsten Sitzung des Gremiums weitergehende Kritik. Außer dem Feuerwehr-Interim nannte er zum Beispiel die Ersatzturnhalle der Kaiserin-Augusta-Schule, „mehrere Containeranlagen“ der Arge Nord-Süd-Stadtbahn, die Baustelleneinrichtung an der Einsturzstelle des Stadtarchivs und das geplante Suchthilfezentrum am Perlengraben. Die Abstimmung über den Antrag der Grünen zur Kompensation der Baumfällungen wurde vertagt, weil zunächst ein Fachgespräch mit der Feuerwehr stattfinden soll.

