Ohne Stadtbibliothek und KubusWas passiert mit dem Josef-Haubrich-Hof?

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02.08.2023, Köln: Der hdak-Kubus des Hauses der Architektur auf dem Josef-Haubrich-Hof.

Foto: Michael Bause

Die Zukunft des weißen Kubus des „Haus der Architektur“ auf dem Haubrich-Hof ist ungewiss.

Die Stadtbibliothek zieht 2024 ins Interim, das „Haus der Architektur“ gibt womöglich den weißen Kubus auf. Der Platz könnte verwahrlosen.

Mitte 2024 soll die Zentralbibliothek in ihr Interim auf die Hohe Straße ziehen. Gleichzeitig erwägt das „Haus der Architektur“ (hdak) den weißen Kubus in der Innenstadt aufzugeben. Doch was passiert dann mit dem Josef-Haubrich-Hof, wenn diese beiden Anziehungspunkte wegfallen?

IG Neumarkt fürchtet zunehmende Verwahrlosung des Haubrich-Hofs

Der Platz zwischen VHS und Stadtbibliothek spielt in den Debatten rund um die Probleme am Neumarkt oft eine untergeordnete Rolle. Dabei befindet er sich in unmittelbarer Nähe zu den Drogenkonsumräumen, ist der Aufgang aus der U-Bahn-Station „Neumarkt“ ein beliebter Ort für Dealer. Mit dem temporären Weggang der Stadtbibliothek könnten sich die Probleme weiter verschärfen. „Wir befürchten, dass der Platz dann verwaist und völlig der Drogenszene überlassen ist“, sagt Guido Köhler von der Interessengemeinschaft Neumarkt.

Das Bild zeigt Guido Köhler.

Guido Köhler ist in der IG Neumarkt aktiv.

„Wenn die Stadtbibliothek im Interim ist, fällt ein wesentlicher sozialer und kultureller Treiber über mehrere Jahre weg“, so Köhler. „Wir müssen in der Zeit anderweitig Kultur auf den Platz bringen.“ Die IG Neumarkt hat dazu ein Konzept erarbeitet, das einige Vorschläge für eine Bespielung des Josef-Haubrich-Hofs enthält.

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Aussenansichten der Zentralbibliothek am Neumarkt.

Die Stadtbibliothek am Josef-Haubrich-Hof zieht 2024 während der Sanierung in ein Interim auf die Hohe Straße.

Der Hof sei „eigentlich ein sehr schöner und ruhiger Platz in Verlängerung zum Neumarkt. Er könnte eine Oase abseits der trubeligen Innenstadt sein in der Nähe zu den Museen, der VHS und der Bibliothek“, heißt es im Konzept. Zentral dafür ist laut der IG eine Stärkung des weißen Kubus des „Haus der Architektur Köln“ (hdak) in der Mitte des Josef-Haubrich-Hofs, dessen Schließung man befürchtet.

Haus der Architektur in Köln erwägt Abriss des weißen Kubus

Tatsächlich beschäftigt sich das hdak aktuell ganz konkret mit der Zukunft des weißen Kubus. „Der Kubus auf dem Haubrich-Hof ist nun seit 15 Jahren ein Provisorium, das eigentlich nur für eineinhalb Jahre angedacht war“, sagt Christl Drey, Vorsitzende des hdak.

„Wir wollen die Innenstadt nicht verlassen, aber der Kubus ist trotz unserer laufenden Instandsetzungen schwer renovierungsbedürftig, die Heizung funktioniert nicht, die Stromleitung ist zu schwach für den starken Beamer.“ Solange man nicht heizen müsse, sei der Kubus noch bis in den Herbst hinein nutzbar. Danach wird das hdak mit seinen Veranstaltungen in unterschiedlichen Orten abhalten.

Gebäude Außenansicht VHS
Josef-Haubrich-Hof und Haus der Architektur Köln.

Den weißen Kubus des hdak auf dem Haubrich-Hof kennen viele Kölner.

„Ursprünglich wollten wir das Provisorium im Herbst abreißen, dagegen aber gab es großen Widerstand“, sagt Drey. Aktuell prüfe man nun erstmal, wie teuer ein Rückbau wäre. Den Kubus in seiner jetzigen Form zu erhalten, stellt den Verein vor Probleme. „Für weitere Reparaturen des Kubus als Provisorium innerhalb des Vereins Geld zu generieren, ist schwierig. Wir diskutieren darüber intern sehr ausgiebig.“

Ein Kernproblem ließe sich selbst mit einer Sanierung aber sowieso nicht beheben: Seit das benachbarte Café Forum geschlossen hat, gibt es am Haubrich-Hof keine Toiletten mehr, die für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden können.

Stadt Köln plant keine kulturelle Bespielung des Haubrich-Hofs

„Der Kubus und der Standort im Kulturquartier in Nachbarschaft zum Neumarkt eignen sich hervorragend für vielfältige kulturelle Veranstaltungen. Die Nachfrage gerade in er freien Szene nach kleinen Orten ist groß“, so Drey. Dafür brauche man aber die entsprechende Infrastruktur.

Als Verein könne man das nicht zusätzlich leisten. Sobald die Stadtbibliothek im Interim sei, werde der Hof „sozial sehr darunter leiden, es wird noch stiller werden.“ Ein paar Veranstaltungen im Kubus des hdak würden als kulturelle Bespielung es Hofes dann nicht ausreichen.

Die Stadt Köln teilt auf Anfrage mit: „Nach aktuellem Stand plant die Stadt keine kulturelle Bespielung am Josef Haubrich-Hof, da dies wegen der Baustelle nur eingeschränkt möglich wäre.“ Seitens der Stadtbibliothek verbleibe der ‚Sprachraum‘ im Erdgeschoss der VHS, mit Öffnung auf den Haubrich-Hof.

Christl Drey sieht in kleinen Maßnahmen großes Potenzial für den Haubrich-Hof, beispielsweise in der Wiederherstellung der Buchenhecke oder in der Gestaltung der Westfassaden der VHS und des Rautenstrauch-Joest-Museums. Auch der Kubus könnte zumindest teilweise ein Bestandteil des Hofes bleiben. „Würde man nur die Holzkonstruktion des Kubus zurückbauen, könnte man die Betonplatte erhalten und als Freilichtbühne bespielen“, sagt sie.

Das hdak selbst kann sich als neuen Sitz die ehemalige Corona-Teststation an der Cäcilienstraße neben der VHS vorstellen. „Wir gehen aber davon aus, dass der private Eigentümer dort eine Gewerbemiete erwartet“, sagt Christl Drey.


Unter dem Titel „Nachbarschaft Haubrich-Hof - Kulturquartier - Neumarkt: Zentrale Kulturräume und ihre Potenziale für die Entwicklung der Innenstadt“ findet am kommenden Dienstag, den 8. August, ab 19 Uhr eine Diskussion im Rahmen des „Nimm Platz“-Programms im Kulturpavillon auf dem Neumarkt statt. Zu Gast sind neben Christl Drey und Guido Köhler auch Anett Polster vom Stadtmarketing, Dolores Burkert, Leiterin des Zentrums für Kriminalprävention, sowie Hermann Koch und Nadine Müseler vom Kulturamt der Stadt Köln.

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