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Serie Kölner Plätze
Als die Kölner Oper am Rudolfplatz zu Hause war

4 min
Historische Schwarz-Weiß-Aufnahme des Rudolfplatzes um 1890.

Um 1890 befand sich vor dem Hahnentor am Rudolfplatz eine Grünanlage. Fotografie von Anselm Schmitz.

Der Rudolfplatz entstand 1883 als Grünanlage an der Hahnentorburg. In der Nachkriegszeit entwickelte er sich zunehmend zum Verkehrsknoten.

Wer heute vor der Hahnentorburg auf dem Rudolfplatz steht und auf das Verkehrsgewusel auf den Ringen und der Aachener Straße blickt, kann sich kaum vorstellen, dass sich hier vor 150 Jahren noch freies Feld befand. Erst mit der Niederlegung der mittelalterlichen Stadtmauer ab 1881 beginnt die Bebauung der zuvor vom preußischen Militär genutzten Flächen. Im Zuge der Stadterweiterung unter Stadtbaumeister Josef Stübben entstehen am Prachtboulevard der neuen Ringstraße zahlreiche neue Plätze, darunter der Platz an der vom Abriss verschonten Hahnentorburg. Er wird 1883 nach Rudolf I. benannt, dem ersten deutschen König aus dem Hause der Habsburger, der nach seiner Krönung in Aachen 1273 mit seinem Gefolge durch das Hahnentor in Köln eingezogen war.

Die Namensgebung erfolgt im Kontext der Ringe, deren Bezeichnungen die deutsche Geschichte von den Germanen im Süden (Ubierring) bis zum Deutschen Reich im Norden (Deutscher Ring, heute Theodor-Heuss-Ring) abbilden. „Auffällig ist, dass der Habsburgerring südlich des Rudolfplatzes extrem kurz ist, während nördlich davon die Hohenzollern mit Hohenzollernring und Kaiser-Wilhelm-Ring überrepräsentiert sind “, erläutert der frühere Stadtkonservator Ulrich Krings. „Die Namensgebung ist damals ein Politikum. Weil sich Preußen mit Österreich überworfen hat, gesteht man im preußischen Köln den Habsburgern nur den kleinsten Teil der neuen Ringstraße zu.“

Durch das Hahnentor zog das französische Heer 1794 in Köln ein

Einen richtigen Platz hat es am Hahnentor vor 1881 nicht gegeben. Es ist aber ein besonderer Ort für die Stadtgeschichte. Von hier aus führt schon in der Antike eine Römerstraße, die Via Belgica, nach Aachen. Die am Anfang des 13. Jahrhunderts errichtete Torburg dient lange Zeit als Gefängnis, 1528/29 wird hier der evangelische Reformator Adolf Clarenbach bis zu seiner Hinrichtung eingekerkert. 1794 zieht die französische Revolutionsarmee durch das Hahnentor in Köln ein, nachdem die Stadtoberen die Stadt den Franzosen kampflos übergeben haben. Zuvor ist die Stadtmauer in sechs Jahrhunderten niemals mit militärischen Mitteln überwunden worden.

Die alte Kölner Oper am Rudolfplatz um 1930.

Die alte Kölner Oper am Rudolfplatz mit den Opernterrassen. Aufnahme aus den 1930er-Jahren aus dem Buch „Köln in der Weimarer Republik“.

Nach dem Abbruch der Befestigungsanlagen entsteht vor dem Hahnentor ein kleiner Park zum Flanieren. Schnell entwickelt sich der Rudolfplatz zu einem Verkehrsknoten, schon 1877 geht hier die erste Strecke der Kölner Pferdebahn in Betrieb. 1902 wird schräg gegenüber am Habsburgerring das neugebaute Opernhaus eröffnet, was den Rudolfplatz zu einem kulturellen Zentrum der Stadt macht. Die Oper wird im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt  und schließlich 1956/57 abgebrochen. „Man hätte das alte Opernhaus wiederherstellen können, entschied sich aber für einen Neubau in der Stadtmitte am Offenbachplatz“, berichtet Krings. Auch das Hahnentor erleidet einen Bombentreffer, es wird später restauriert.

In der Nachkriegszeit nahm der Verkehr am Rudolfplatz stark zu

Auf dem Gelände der alten Oper errichtet die Provinzial-Versicherung 1957/58 ein modernes Hochhaus für ihre Verwaltung. „Das war damals ein spektakuläres, wegweisendes Gebäude mit einer vorgehängten Fassade“, erklärt Krings. Der verantwortliche Architekt Theodor Kelter entwirft auch das Kino am Rudolfplatz und diverse Wohn- und Geschäftshäuser an den Ringen.

Es ist eine Zeit des Aufbruchs, in der dieser Teil der Stadt sein Gesicht stark verändert. „In der Bonner Republik entwickelt sich das im Krieg teils zerstörte Areal zwischen Rudolfplatz und Friesenviertel zu einer beliebten Amüsiermeile mit Kinos, Gaststätten, Neonreklamen, regem Nachtleben und einigen verruchten Etablissements“, so Krings. „Man spricht vom Chicago am Rhein, und der Rudolfplatz ist hier der Verkehrsknoten und zentrale Platz.“

Um des zunehmenden Verkehrs Herr zu werden, lässt die Stadt Anfang der 1950er-Jahre am Rudolfplatz eine überdachte Kanzel bauen, von der aus ein Schutzmann die Automassen steuert. Später kommt noch ein KVB-Mitarbeiter hinzu, der die Weichen für die hier zahlreich verkehrenden Straßenbahnen bedient. Mit dem Bau der U-Bahn auf den Ringen in den 1980er-Jahren wird die Kreuzung entlastet. Zu einer deutlichen Reduzierung des Kfz-Verkehrs kommt es erst ab 2018 durch den fahrradfreundlichen Umbau der Ringe. Über die geplante Ost-West-U-Bahn, die die Kreuzung weiter beruhigen würde, gehen die Meinungen auseinander. Zum 150-jährigen Bestehen des Rudolfplatzes im Jahr 2033 wird sie sicherlich nicht fertig sein.