Tarifstreit im öffentlichen DienstKölner und Kölnerinnen streiken auf dem Alter Markt für besseres Gehalt

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Streikende von Verdi auf dem Alter Markt.

Rund 500 Menschen nahmen bei dem Warnstreik von Verdi auf dem Alter Markt teil.

Am Freitag versammelten sich viele Kölner Tarifbeschäftigte auf dem Alter Markt – es ist schon der dritte Streik in dieser Woche.

Die Gewerkschaft Verdi fordert für die Tarifbeschäftigten des öffentlichen Dienstes 10,5 Prozent mehr Gehalt im Monat, mindestens aber 500 Euro mehr. Die zweite Verhandlungsrunde scheiterte – weshalb bis zur nächsten Verhandlungsrunde Ende März mit Streiks Druck auf die kommunalen Arbeitgeber erzeugt werden soll.

Am Freitag (17. März) hat Verdi deshalb die Tarifbeschäftigten der Stadt Köln, der Kölnbäder, der Agentur für Arbeit und des Jobcenters zu einem weiteren Warnstreik aufgerufen. Auch in den städtischen Kitas und am Flughafen Köln/Bonn legten sie die Arbeit nieder.

Die schätzungsweise rund 400 bis 500 Streikenden sammelten sich in der Spitze am Vormittag ab 11.30 Uhr zu einer Kundgebung auf dem Alter Markt – viele von ihnen kamen mit einem geschlossenen Aufzug vom Stadthaus Deutz auf die andere Rheinseite.

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Kölner Kita-Beschäftigte archivieren symbolisch ihr Qualitätshandbuch

Auf dem Alter Markt wurde erneut eine Bühne aufgebaut, direkt vor dem Rathaus. Hier wechselten sich Redebeiträge und Livemusik der Cover-Band „Fiesta Poets“ ab. Als Moderatorin und Verdi-Gewerkschaftssekretärin Ellen Steinhäuser die Vertrauensleute der Kita-Angestellten ankündigte, gab es besonders viel Jubel und Trillerpfeifen zu hören. Offenbar waren besonders viele Tarifbeschäftigte der städtischen Kitas auf dem Alter Markt – oder sie waren am lautesten.

„Wir legen wie unsere Arbeitgeber viel Wert auf qualitative Arbeit“, erzählt die Rednerin der Gruppe. Man habe deshalb das Qualitätshandbuch der städtischen Kindertageseinrichtungen kürzlich in einer symbolischen Geste beim Stadtarchiv abgegeben. In diesem Dokument sind die pädagogischen Standards festgelegt, an die man sich in den Kölner Kitas halten möchte. Erarbeitet wurden sie gemeinsam mit Beschäftigten, Kindern, Eltern und der Politik.

Diese Standards seien unter den aktuellen Arbeitsbedingungen „nicht mehr haltbar“, erzählte sie. Besonders der Mangel von Fachkräften würde dazu führen, dass man „an die Grenze des Machbaren“ komme. Es sei schwierig, sich auf das zu konzentrieren, was in dem Job am wichtigsten ist: das Kindeswohl.

Das Qualitätshandbuch möchte man deshalb erst wieder aus dem Archiv holen, wenn sich etwas grundlegend ändert. Es solle genügend qualifiziertes Personal eingestellt werden, damit Rahmenbedingungen geschaffen werden, die Qualität ermöglicht. „Und dass Eltern und Kinder sich auf die Arbeit verlassen können“, so die Rednerin der Kita-Vertrauensleute.

„Die Kollegen sind fertig, wir können nicht mehr!“

Ähnliche Dinge berichten auch die anderen Vertreterinnen und Vertreter der Streikenden auf der Bühne vor dem Rathaus. Tanja, Personalrätin beim Jobcenter, sagt etwa: „Die Kollegen sind fertig, wir können nicht mehr!“

Beim Jobcenter sei man seit Jahren in der Krise. Erst die Geflüchtetenkrise ab 2015, dann die Coronapandemie, die schließlich direkt in den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine überging. Dazu dann noch das Bürgergeld, das mit dem Jahreswechsel eingeführt wurde. „Wir wurden geflutet mit Anträgen und Fragen“, so Tanja.

In dieser Woche ist es bereits der dritte Streiktag in der Stadt: Am Mittwoch legten schon die Tarifbeschäftigten der Kölner Kliniken, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Rettungsdienste ihre Arbeit nieder. Am Donnerstag streikten die Beschäftigten der Rheinenergie, der Stadtwerke und der Rheinischen Netzgesellschaft.

Für die kommende Woche sind auch bereits weitere Warnstreiks angekündigt worden. Am Montag und Dienstag wollen die Tarifbeschäftigten der KVB ein Zeichen setzen – was bedeutet, dass an diesen Tagen der Nahverkehr in Köln stillstehen wird.

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