Mit Kasalla, Stephan Brings und Co.Fastelovendsgottesdienst der St. Agnes Kirche in Köln

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Ludwig Sebus steht am Rednerpult und hält die Predigt, im Vordergrund ist die Skulptur der heiligen Agnes mit Clownsnase zu sehen.

Beim Fastelovendsgottesdienst in der Sankt Agnes Kirche hält Ludwig Sebus die Predigt.

Der Kölner Fastelovendsgottesdienst in der St. Agnes Kirche schwankt zwischen Ernst und Frohsinn – Ludwig Sebus hält eine bewegende Predigt.

„Jetzt spricht zu uns wahrscheinlich der älteste Jeck der Stadt“, kündigte Pastoralreferent Peter Otten am Montagabend in der Kirche St. Agnes den Mann an, der beim Fastelovendsgottesdienst die Predigt hielt: Krätzchensänger Ludwig Sebus, 97 Jahre alt.

Der warf einen Blick zurück auf seine Kindheit, in der es „kein richtiges elektrisches Licht gab“ und „Autos eine Seltenheit waren“, auf die Zeit des Zweiten Weltkriegs, in dem er im Hagel von Kugeln und Granaten nur knapp dem Tod entging, und die fünf Jahre, die er in russischer Kriegsgefangenschaft verbrachte. Damals habe ihn und andere deutsche Soldaten Willi Ostermanns Lied „Ich mööch zo Fooß noh Kölle jonn“ getröstet , denn: „Wir wussten nie: Kommen wir heim?“

Standing Ovations für Kölner Ludwig Sebus

So schwierig die gegenwärtige Zeit auch sei: „Wir haben allen Grund, uns doch noch zu freuen“, nämlich darüber, ein Dach über dem Kopf zu haben, nicht hungern zu müssen und frei die eigene Meinung sagen zu können. „ Nachdem er mit „Amen, Alaaf und Halleluja“ geschlossen hatte, dankte ihm das Publikum mit Beifall im Stehen. Den spendete es noch einmal, nachdem Sebus sein Lied „Alles su widder dun“ gesungen hatte.

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Mehrere Besucher und Besucherinnen sind verkleidet und schauen nach vorne.

Viele verkleidete Besucher und Besucherinnen freuten sich über das Mitsingkonzert.

Der Fastlovendsgottesdienst - diesmal unter dem Motto „Sing mich noh Hus“ - ist 2021 entstanden, als die Session Corona-bedingt ausfiel. Da er großen Zuspruch findet, stellten ihn der Initiatorenkreis um Peter Otten, Georg Hinz, Gründer der Mitsinginitiative „Loss mer singe“, und Gemeindemitglied Klaus Nelißen nun zum dritten Mal auf die Beine. In der Kirche mussten zusätzliche Stühle für die kostümierten Besucher und Besucherinnen aufgestellt werden; andere verfolgten die Feier, die die Kölner Ratsbläser eröffnten als Livestream.

Zwischen Ernst und Frohsinn im Kölner Fastelovendsgottesdienst

Knapp ein Dutzend Lieder gab es zu hören und mitzusingen, vorgetragen von den Höhnern, Stefan Knittler mit Simon Bay, Nici Kempermann und Vincent Themba (Kempes Feinest) sowie Basti Campmann, Flo Peil und Ena Schwiers (Kasalla). Und eben von Ludwig Sebus, zu dem Dominik Meiering. leitender Pfarrer der katholischen Innenstadt-Gemeinden, in seiner Begrüßungsrede sagte: „Du bist Karnevalist und Katholik, und in beidem bist du ein Urgestein.“

Die Band Kasalla steht in der Sankt Agnes Kirche und spielt eines ihrer Lieder.

Beim Fastelovendsgottesdienst in der Sankt Agnes Kirche spielt die Kölsche Band Kasalla.

Als Meiering auf das Sessionsmotto „200 Jahre Kölner Karneval: Ov krüzz oder quer“ einging, stellte er dem „Fasteleer“ den „Partykarneval“ gegenüber, bei dem die Leute sich „nicht unter Kontrolle haben, Randale machen und gegen Kirchen schiffen“.

Von der Corona-Pandemie über den Ukrainekrieg bis zum Erdbeben in der Türkei und Syrien: Gerade in Krisenzeiten, in denen die Gemütslage vieler Menschen von Angst und Sorgen geprägt sei, biete das gemeinsame Karnevalfeiern die Möglichkeit, „aufzutanken“ und „Leichtigkeit zu empfinden“, wenigstens einen Abend lang, sagte Moderator Georg Hinz.

Freilich bedeute dies nicht, an den Sorgen „vorbeizuschunkeln“. So waren immer wieder ernste Themen präsent, vom Friedenslied „Es ist an der Zeit“, das Stephan Brings sang, über die Fürbitten, die per SMS geschickt werden konnten, bis zum Totengedenken, das Pastor Thomas Frings begleitete. Die Mischung aus Ernst und Frohsinn verkörperte die unterhalb der Altarstufen platzierte Skulptur der heiligen Agnes: An diesem Abend trug sie Mottoschal und rote Clownsnase.

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