Eine Kult-Kneipe in Köln verzichtet auf WM-Stimmung. Die Gründe gehen weit über Fußball hinaus.
„Da sind wir raus“Kölner Kult-Kneipe zeigt keine WM‑Spiele – das sind die Gründe

Auch „Em drügge Pitter“ werden keine WM-Spiele gezeigt (Archivfoto).
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Die Liste der Kölner Kneipen, die auf Übertragungen der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 verzichten, wird länger. Nun hat auch „Em drügge Pitter“ in Ehrenfeld angekündigt, keine Spiele zu zeigen – und begründet diesen Schritt ungewöhnlich deutlich.
In einem Facebook-Beitrag macht das Betreiber-Team seinem Ärger Luft. „Die FIFA geht uns seit Jahren auf die Nerven: Korruption, Kommerz und ein Geschäft, das immer größer wird und immer weniger mit dem zu tun hat, was wir an Fußball eigentlich mögen“, heißt es darin. Hinzu komme eine politische Lage, in der vielen schlicht nicht nach WM-Stimmung sei.
„Em drügge Pitter“ erklärt das Problem bei der WM 2026
Dabei stand ein kompletter Verzicht zunächst gar nicht fest. Nach Angaben des Teams war überlegt worden, einzelne Partien ohne großes Rahmenprogramm zu zeigen – Fernseher an, Kneipe auf, wer möchte, schaut mit. Vor allem bei Spielen, die ohnehin im öffentlich-rechtlichen Fernsehen laufen.
Doch dann sei ein weiteres Problem hinzugekommen: die Lizenzfrage. Zwar ist die Regel nicht neu, für die Ehrenfelder Kneipe wurde sie nun aber zum entscheidenden Punkt. Wer Fußball gewerblich zeigen möchte, benötigt eine zusätzliche Lizenz. Der Empfang von ARD oder ZDF reicht für Gastronomiebetriebe nicht aus.
Auch andere Gastro-Betriebe verzichten auf die Übertragung
„Stattdessen braucht es wieder ein extra kommerzielles Paket über Magenta/Sky – also nochmal Geld in genau diesen Apparat“, schreibt das Team. Die Konsequenz fällt eindeutig aus: „Und da sind wir raus.“ Man werde nicht zusätzlich Geld bezahlen, um ein System zu unterstützen, das man seit Jahren kritisch sehe.
Mit dieser Haltung steht „Em drügge Pitter“ in Köln nicht allein. Auch die Südstadt-Kneipe Lotta, der Palmengarten sowie das Café Kult verzichten auf WM-Übertragungen. Das Café am Chlodwigplatz verweist in einem Instagram-Beitrag unter anderem auf politische Entwicklungen rund um das Turnier. Dort heißt es: „Es kann nicht sein, dass ein Schiedsrichter, der zum ersten Mal die Möglichkeit hat, sein Land zu repräsentieren, aufgrund seiner Herkunft ausgewiesen wird.“
Ganz ohne WM bleibt Köln dennoch nicht. Einige Gastronomiebetriebe zeigen ausgewählte Partien weiterhin. Im Herbrand’s in Ehrenfeld werden etwa die Deutschland-Spiele übertragen, allerdings nur mit vorheriger Tischreservierung. „Gottes Grüne Wiese“ zeigt die Begegnungen ausschließlich im Innenbereich.
Wer die WM in Köln in der Kneipe verfolgen möchte, sollte sich daher vorab informieren. Denn immer mehr Wirte entscheiden sich bewusst gegen die Übertragungen – und machen daraus kein Geheimnis. (mt)
