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„Wunschlos glücklich?!“Kölner Schauspieler-Ehepaar schenkt sich Theaterstück zum Hochzeitstag

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Beim Theaterstück „Wunschlos glücklich?!“ feiern Silke Natho und Georg Lenzen gemeinsam mit ihrem Sohn Orlando Lenzen ihren 30. Hochzeitstag.

Beim Theaterstück „Wunschlos glücklich?!“ feiern Silke Natho und Georg Lenzen gemeinsam mit ihrem Sohn Orlando Lenzen ihren 30. Hochzeitstag. 

Ein Schauspielerpaar schenkt sich ein Theaterstück zum Hochzeitstag: „Wunschlos glücklich?!“ erzählt im Horizont-Theater mit Witz und Tiefe vom Leben zu zweit.

Auf der Bühne streiten, lachen, tanzen und versöhnen sie sich. Margarete und Michael sind ein Paar, das sich kennt. Und das manchmal fast zu gut. Dass die Schauspielerin Silke Natho und der Schauspieler Georg Lenzen dabei nicht nur Rollen spielen, sondern auch im echten Leben seit mittlerweile 30 Jahren verheiratet sind, macht den Abend im Kölner Horizont-Theater noch ein Stück intensiver.

Zum 30. Hochzeitstag, der sogenannten Perlenhochzeit, will Silke Natho – spielt an der Oper und in der Serie „Die Landarztpraxis“ – ihrem Ehemann, der unter anderem Puppenspieler beim „Hänneschen“ ist,  etwas Besonderes schenken. Da die beiden nicht nur als Ehepaar, sondern auch als Schauspielkollegen häufig zusammenarbeiten, fällt ihr die Ideenfindung nicht schwer: „Ich hatte früher schon Drehbücher geschrieben und in meiner Schublade schlummern viele Ideen. Mit einer Komödie habe ich dann sein Interesse geweckt“, erzählt sie. Gesagt, getan: Statt eines gemeinsamen Urlaubes stürzt sich das Paar in eine intensive Probephase über mehrere Monate und schenkt sich gegenseitig die gemeinsame Bühnenproduktion.

„Wann immer wir längere Autofahrten hatten, haben wir Text geprobt oder über das Stück gesprochen. Als Paar können wir überall proben, das ist natürlich sehr praktisch“, sagt Lenzen. Was dabei herauskam, zeigen die beiden nun an sechs Terminen im Horizont-Theater unter dem Titel „Wunschlos glücklich?!“. Regie führt Schauspieler Orlando Lenzen, einer der beiden Söhne des Paares: „Als Regisseur übernimmt man Verantwortung, als Sohn auf Heimatbesuch gibt man diese ab. Dieser Spagat war spannend, aber auch sehr schön.“

Von Loriot bis Burlesque

„Wunschlos glücklich?!“ bietet dem Publikum einen Einblick in ein Kölner Wohnzimmer: Nach einer Kreuzfahrt kommt das langjährige Ehepaar Margarete und Michael braun gebrannt und vollbepackt zurück nach Hause. Auf dem Wohnzimmerboden stapelt sich die Post der vergangenen Wochen. Während Michael noch damit beschäftigt ist, über Koffer zu stolpern und vom Meer zu träumen, findet Margarete in dem Poststapel eine Einladung eines befreundeten Pärchens. „Wir trauen uns erneut“, liest sie vor. Und weil das (bald zum zweiten Mal) traute Paar bereits „alles hat und wunschlos glücklich ist“, wünschen sie sich von Margarete und Michael eine künstlerische Darbietung. Was als Brainstorming diverser Loriot-Sketche und Burlesque-Tänze beginnt, wird unaufhaltsam zur existenziellen Kissenschlacht, in der Beziehungsfragen Schlag für Schlag durchgespielt werden.

„In jeder unserer gemeinsamen Produktionen haben wir auch ein Stück unserer Ehe verhandelt, in ‚Wunschlos glücklich?!‘ natürlich besonders stark. Aber damit können wir das Spielen auch zum Verarbeiten nutzen. Wie Margarete und Michael sind wir aber nicht.“ So beantwortet Natho die Frage, wie viel Silke und Georg denn in Margarete und Michael stecke, bevor sie sich zu ihrem Mann dreht und beide laut zu lachen beginnen. „Da hat sie recht, das mit dem Verarbeiten haben wir besonders in den Proben gemerkt. Wenn die Spielpartnerin die eigene Ehefrau ist, dann ist das schon sehr besonders“, ergänzt Lenzen und Natho nickt.

Sohn und Regisseur Orlando Lenzen erkennt in Margarete und Michael trotzdem ein wenig seine Eltern: „Michael ist der Entertainer, der auch eine sensible Seite hat. Margarete ist die Ordentliche und Ruheliebende. Dieser Unterschied hat auch Konfliktpotenzial. Beides sehe ich aber auch bei meinen Eltern. Vielleicht konnte ich durch meinen Blick als Sohn auch meine Rolle als Regisseur anders erfüllen.“

„Es wird einen Zeitpunkt geben, wo ihr euch bis aufs Blut hasst“

Sowohl vor als auch hinter der Bühne scheint es, als wären die beiden ein gutes Team, hinter der Bühne aber ganz besonders: Sie hören einander zu, lachen über ihre persönlichen Insider-Witze, geben sich Komplimente. Als sich die beiden vor 32 Jahren kennengelernt haben, hätten sie damit noch nicht gerechnet: „Ich bin hier ausgestiegen, habe den Dom gesehen und dachte: Hier bleibe ich“, erinnert sich Natho. Die erste Verabredung hatten das Paar im Broadway-Kino auf der Ehrenstraße, dann ging alles ganz schnell.

„Wir waren ja beide Schüler an der Schauspielschule des Theaters Der Keller hier in Köln. Er war ein Jahr über mir und alle haben uns vom Heiraten abgeraten, vor allem mir als angehender Schauspielerin“, erinnert sich Natho. „Es gibt sehr viele Vorurteile zu Schauspieler-Ehen, aber wir waren einfach so verliebt und es hat geklappt“, so Lenzen.

Und wie hat es bis zum 30. Hochzeitstag geklappt? „Wie im Schauspiel: Disziplin und Leidenschaft“, ist sich Lenzen sicher. „Genau. Ich muss da auch immer an einen Satz aus der Serie ‚Girls‘ denken: Es wird einen Zeitpunkt geben, wo ihr euch beide bis aufs Blut hasst. Und der wird vorbeigehen“, sagt Natho, bevor beide wieder zu lachen beginnen. 

„Ein Tipp, der uns als Paar besonders in Konfliktsituationen geholfen hat, ist: Es gibt einen Unterschied zwischen der Person und der Situation. Man ist wütend auf die Situation und man kann die gemeinsam mit der Person lösen. Das lernen wir immer noch. Die Bühne hilft uns dabei“, so Natho. Und auch wenn „Wunschlos glücklich?!“ eher romantische Komödie als Paartherapie ist, schafft es das Stück, dass das Publikum auf dem Heimweg wahrscheinlich noch nachdenkt: Über berührend-schöne Beziehungsdynamiken, anders-schöne Dekokissen und die Frage, wann man das letzte Mal die Reisepässe beim Zigarettenholen dabeihatte.

„Wunschlos glücklich?!“ läuft noch bis zum 18.06. im Horizont-Theater, Thürmchenswall 25.