Abo

Mit der Tierärztin im Kölner ZooLöwenäffin Nahla bekommt ein Verhütungsmittel implantiert

4 min

Viele Zoo-Tiere bekommen die gleichen Medikamente wie Menschen. Unterwegs mit Zoo-Tierärztin Sandra Marcordes.

Als Löwenäffin Nahla wenige Wochen nach dem Wurf wieder dick wird, vermutet der Pfleger einen Tumor. Es stimmt zum Glück nicht – Nahla ist wieder trächtig. Innerhalb eines Jahres hat die 640 Gramm schwere Äffin jetzt fünf Junge bekommen. Um sie nicht überzustrapazieren, implantiert Zoo-Tierärztin Sandra Marcordes ihr heute das Hormon Nexplanon, das auch bei Frauen zur langfristigen Schwangerschaftsverhütung verwendet wird.

Ida de Castillo, die während ihres Tiermedizinstudiums ein Praktikum bei Marcordes absolviert, hat Nahla im Südamerikahaus in eine Plastikbox verfrachtet, in der Tierarztpraxis an der Boltensternstraße wird Nahla über einen Schlauch, der in die Box geführt wird, narkotisiert. Nach wenigen Minuten schläft sie ein. De Castillo hebt den goldgelben Affen aus der Box und legt ihn auf eine Wärmematte, Marcordes misst die Temperatur und stellt fest, dass Nahla etwas Durchfall hat, vermutlich vor Aufregung. Im Brustbereich setzt die Tierärztin einen kleinen Schnitt und näht das Präparat ein. De Castillo hält derweil den Beatmungsschlauch und überprüft den Herzschlag. Die Prozedur dauert kaum zehn Minuten. Zurück in der Box, wacht die kleine Affenmutter nach wenigen Minuten wieder auf.

16.07.2026, Köln: Tierärztin Dr. Sandra Marcordes in der Praxis am Zoo. Heute steht eine Affen Operation an. Nahla, ein Goldgelber Löwenaffe, ist mehrfache Mutter und bekommt nun ein Verhütungsimplantat eingesetzt. Foto: Arton Krasniqi

Tierärztin Dr. Sandra Marcordes in der Praxis am Zoo. Heute steht eine Affen-Operation an. Nahla, ein goldgelber Löwenaffe, ist mehrfache Mutter und bekommt nun ein Verhütungsimplantat eingesetzt.

Narkosemittel für Tiere müssen richtig dosiert sein

Die meisten Tiere werden unter Narkose untersucht. Das Narkosegerät ist ein Geschenk des Porzer Krankenhauses. Mit einem Sauerstoffkonzentrator wird der Sauerstoff aus der Raumluft gezogen und über einen Schlauch mit dem Narkosemittel zum Tier geleitet. Viele Narkosemasken bastelt das Team selbst mit Hälsen von Plastikflaschen oder Kanistern – „weil es so viele verschiedene Schnäbel und Schnauzen gibt“, sagt die Tierärztin.

Wichtig sei es, die Narkosemittel richtig zu dosieren, sagt Marcordes. Dafür werden die Zootiere regelmäßig gewogen. Bevor ein Gorilla oder Tiger operiert wird, überprüfen Marcordes und ihr Team mit Stöcken und Tönen, ob es schläft. Als erstes bekommen große Tiere dann – wie Menschen – einen Venenzugang gelegt, um Narkosemittel sekundenschnell nachschießen zu können.

Viele der rund 800 Arten im Zoo werden auf dem OP-Tisch in der Praxis behandelt – auch Geparden, Leoparden und ein Orang-Utan-Weibchen sind schon hier gelandet. Löwen, Tiger, Menschenaffen und große Huftiere bleiben dagegen immer in ihrem Gehege. Bei einigen Operationen, zum Beispiel an den Zähnen, bei komplizierten Brüchen oder, als sie einem weiblichen Orang-Utan die tumorbefallene Gebärmutter herausoperieren musste, holt sich Sandra Marcordes Unterstützung von Humanmedizinern. 

16.07.2026, Köln: Tierärztin Dr. Sandra Marcordes und Praktikantin Ida de Castillo (v.r.) in der Praxis am Zoo. Heute steht eine Affen Operation an. Nahla, ein Goldgelber Löwenaffe, ist mehrfache Mutter und bekommt nun ein Verhütungsimplantat eingesetzt. Foto: Arton Krasniqi

16.07.2026, Köln: Tierärztin Dr. Sandra Marcordes und Praktikantin Ida de Castillo (v.r.) in der Praxis am Zoo. Heute steht eine Affen Operation an. Nahla, ein Goldgelber Löwenaffe, ist mehrfache Mutter und bekommt nun ein Verhütungsimplantat eingesetzt. Foto: Arton Krasniqi

Als Nahla in ihrer Box aufgewacht ist und fiept, bringt Praktikantin Ida de Castillo sie zurück zu ihren Jungen. „Es ist wichtig, gerade ein Weibchen mit Jungen nur solange hierzubehalten wie notwendig“, sagt Marcordes.

Während die Äffin nur eine winzige Menge des Verhütungsmittels braucht, bekommen die zwei weiblichen Flusspferde im Kölner Zoo täglich jeweils zwölf Antibabypillen. Auch die Fortpflanzung von Menschenaffen wird mit den gleichen Pillen reguliert, die weibliche Homo Sapiens zur Verhütung verwenden. „Bei den Menschenaffen, die zu 98 Prozent die gleichen Gene haben wie wir Menschen, sind fast alle Medikamente identisch“, sagt Sandra Marcordes. Antibiotika, Ibuprofen, Cortison und Verhütungsmittel werden bei vielen Zoo-Tieren verwendet.

14.07.2026, Köln: Eiszeit im Kölner Zoo: Auch die Gorillas freuen sich bei den sommerlichen Temperaturen über eine erfrischende Abkühlung. Dafür gibt es einen besonderen Eis-Snack: gefrorenen Früchtetee mit Nüssen und Apfelstücken. Eine leckere und willkommene Erfrischung. Foto: Arton Krasniqi

Im Hochsommer freuen sich auch die Menschenaffen über Eis: Hier schleckt ein Gorilla Wassereis aus Früchtetee, Apfelstücken und Nüssen

Affen bekommen bei Hitze Wassereis

Wenn es heiß ist, bekommen die Affen auch regelmäßig Wassereis, das die Tierpfleger aus Früchtetee, Apfelstückchen und Nüssen machen und in großen Gefriertruhen aufbewahren. Anders als bei Menschen, wo die Chefs an heißen Tagen womöglich mal ein Eis spendieren, fressen die Alpha-Männchen und -weibchen bei den Gorillas das Eis allerdings gern allein auf und lassen der Gruppe nur Reste.

Krankheitsanfällig sind Löwenaffen und Gorillas genauso wenig wie Elefanten, Leoparden, Nasenbären oder andere Wildtiere, sagt Sandra Marcordes. „Das sind bei uns vor allem die gezüchteten Haustiere im Bauernhof.“ Wie zum Beweis erhält die Tierärztin wenig später die Nachricht, dass das Hausschwein humpelt. „Das ist ähnlich wie Geißbock Hennes sehr wehleidig. Hennes zittert am ganzen Körper, wenn man ihm eine Spritze gibt.“

Wie Benedikt der XVI., der als erster Papst vor seinem Tod von seinem Amt zurücktrat, sei Hennes der VIII. der erste FC-Geißbock gewesen, „der in Rente gegangen ist“, erinnert sich Marcordes. „Wegen starker Arthrose. Ich finde, das ist ein nachvollziehbarer Grund gewesen.“