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Letzter ArbeitstagHaaks tritt als KVB-Chefin ab – und hinterlässt ein schwieriges Erbe

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Stefanie Haaks stand sieben Jahre an der Spitze der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB)

Stefanie Haaks stand sieben Jahre an der Spitze der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB)

Haaks trat am 1. März 2019 ihren Dienst an. Nach sieben Jahren verlässt sie das Unternehmen auf eigenen Wunsch. Eine Analyse ihrer Amtszeit.

Zum Abschied hätte sich Stefanie Haaks noch einmal auf den Bock setzen und selbst einen Stadtbahnzug durch Köln fahren können. Über die Ost-West-Achse zum Beispiel, wie sie das in den ersten ihrer sieben Jahre als Chefin der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) regelmäßig getan hat. Den Straßenbahn-Führerschein hatte sie schon in Stuttgart gemacht und nach ihrer Ankunft in Köln gleich erneuert. Das muss so sein – schon aus Sicherheitsgründen ist die Fahrerlaubnis immer an ein Verkehrsunternehmen gebunden.

„Mindestens einmal im Quartal habe ich einen Dienst gemacht“, sagt sie. „Um zu sehen, wie das ist.“ Sie habe auch Dienste übernommen, „die nicht so bequem sind. Manche waren neun oder elf Stunden lang.“ Selbst einen FC-Sonderzug zum Rhein-Energie-Stadion in Müngersdorf hat sie sich gegönnt. „Gegen Mönchengladbach. Bei den vielen Fahrgästen liegt die Bahn viel niedriger, eben wie ein beladenes Auto. Und dann haben sie drinnen die Massen, die hopsen und springen. Das ist schon eine Erfahrung wert.“

Letzter Arbeitstag bei der KVB

Am heutigen Dienstag (31. März) ist ihr offiziell letzter Arbeitstag bei der KVB, mit der die Kölner seit jeher eine Art Hassliebe verbinden. Sie fluchen häufig über sie, aber ohne geht es eben auch nicht. In welchem Zustand sie das Unternehmen an ihren Nachfolger Marcel Winter übergibt, der vom Verkehrsverband go.Rheinland an die Scheidtweiler Straße kommt? „Das kommt auf den Blickwinkel an“, antwortet Haaks. „Vorzeigeunternehmen ist vielleicht zu hoch gegriffen. Aber in der Branche haben wir unverändert einen guten Ruf.“ Aus Sicht der Fahrgäste möge das vielleicht anders sein, „aber dieser Blickwinkel ist auch nicht immer objektiv. In der Wahrnehmung der Kunden sind wir heute wieder an dem Punkt, wo wir vor der Corona-Pandemie waren“.

Als Haaks am 1. März 2019 ihren Dienst antrat, fand sie auf ihrem Schreibtisch gleich einen ganzen Stapel ungelöster Probleme: Es gab zu wenig Bahnfahrer, weil sich viele von ihnen auf einen Schlag in den Ruhestand verabschiedeten, das Unternehmen aber nicht rechtzeitig genug neue Fahrerinnen und Fahrer ausgebildet hatte. Die Bahn- und Busflotte war bereits in die Jahre gekommen, Neuanschaffungen hatte man herausgezögert. Und dann stand noch die Frage im Raum, ob auf der Ost-West-Achse zwischen Heumarkt und Aachener Weiher ein neuer U-Bahn-Tunnel gebaut werden soll oder nicht?

Eine Stadtbahn der KVB fährt über die Severinsbrücke.

Eine Stadtbahn der KVB fährt über die Severinsbrücke.

Im Gespräch mit Weggefährten aus den zurückliegenden sieben Jahren in Köln ergibt sich das Bild einer unnachgiebigen Kämpferin für das eigene Unternehmen, die am Ende allerdings sowohl an der Politik als auch an den traditionell starken Arbeitnehmervertretern im Unternehmen gescheitert ist. Während eine Person sagt, sie sei eine der besten Vorstandsvorsitzenden gewesen, die das Unternehmen jemals hatte, sagen andere, dass es auch an Haaks liegt, dass die KVB in der Öffentlichkeit derzeit so schlecht dastehe.

Für Furore sorgte im Jahr 2021 die Nachricht, dass der damals vierköpfige Vorstand so zerstritten war, dass der Aufsichtsrat einen Mediator von außen holte, um die Wogen zu glätten. Doch auch nach dem Ende des Mediationsverfahrens im darauffolgenden Jahr soll es im Vorstand nur selten Einigkeit gegeben haben. Beobachter attestieren Haaks, dass es ihr als Vorstandschefin nicht gelungen sei, die Unruhe an der Spitze aufzulösen.

Viel Lob gibt es wiederum für ihren Einsatz, die Fahrschulkapazitäten kurzfristig zu erhöhen, um den Mangel an Fahrpersonal zu beheben. Das Problem habe man mit enormen Anstrengungen in den Griff bekommen, sagt Haaks selbst. Bei den Fahrzeugen sehe das leider immer noch anders aus. Das sei ein großes Dilemma. „Zehn Jahre Vorlaufzeit muss ich bei einer Neubeschaffung locker einplanen. Wenn aber selbst das nicht reicht, und das passiert bei uns ja gerade mit einem Weltkonzern, der einfach nicht liefert, obwohl die ersten Bahnen schon im September 2023 kommen sollten, kann man nur noch den Mangel verwalten.“ Die KVB wartet noch immer auf Bestellungen, die vom Hersteller Alstom nicht ausgeliefert werden.

1,4 Milliarden Euro für neue Bahnen

1,4 Milliarden Euro gibt das Unternehmen in den kommenden Jahren für neue Bahnen aus – eine enorme Summe, vor allem vor dem Hintergrund, dass die KVB jedes Jahr einen dreistelligen Millionenverlust macht. Der großangelegte Austausch der KVB-Bahnen soll dazu führen, die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit wieder zu erhöhen, die in den vergangenen Jahren massiv gelitten hat. War es zunächst vorwiegend fehlendes Fahrpersonal, ist es jetzt primär die betagte Fahrzeugflotte, die für Ausfälle und einen ausgedünnten Fahrplan sorgt. 

Haaks setzte sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten für den Bau eines neuen U-Bahn-Tunnels in der Kölner Innenstadt ein und argumentierte, dass eine Strecke unter der Erde weniger störanfällig wäre, was ein Plus an Zuverlässigkeit bedeuten würde. Das war nicht immer einfach, denn der Aufsichtsrat wird mit Manfred Richter von einem Politiker der Grünen geleitet, die einen Tunnelbau ablehnen. Sein Vorgänger Lino Hammer ist Fraktionsgeschäftsführer der Grünen.

Mit der Politik haderte Haaks oft. Zuletzt wiederholte sie fast mantraartig, dass die KVB ab April oder Mai nachts die Haltestelle Appelhofplatz mit Toren verschließen könnte, damit dort keine suchtkranken Menschen mehr übernachten können. Sie begeben sich teils in Lebensgefahr, weil sie während der Betriebspause unterhalb der Bahnsteige neben den Gleisen oder an den Tunnelmündern schlafen. Damit die Menschen dann aber nicht stattdessen auf der Straße landen, sollte die Stadt zusätzliche Übernachtungsmöglichkeiten schaffen. Doch bis heute ist das nicht geschehen.

Hinter den Kulissen laufen derzeit die Beratungen, um im Stadtwerkekonzern Geld einzusparen. Das betrifft insbesondere die KVB als Tochterunternehmen. Die Politik will bei der KVB in Zukunft nur noch einen Verlust von 160 Millionen Euro ausgleichen. Aus Sicht des Verkehrsunternehmens wäre das eine Katastrophe, weil dann der Fahrplan ausgedünnt werden müsste. Aufgrund der vielen neu gekauften Bahnen wäre es ansonsten nicht möglich, den Defizitdeckel einzuhalten. Stefanie Haaks kämpfte an dieser Stelle besonders hart. „Gerade in dieser Hinsicht wird es ein riesiger Verlust sein, dass sie weggeht“, sagt ein Beobachter.

Auch eine weitere Mission konnte sie nicht mehr abschließen. Das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen, sei ein langer Weg, sagt Stefanie Haaks. „Dazu müssen wir die Leistung, die wir angekündigt haben, auch erbringen. So gut es geht pünktlich zu sein und die 97 Prozent Leistung, die von der Stadt gefordert sind, auch zu liefern. Unser Anspruch ist höher. Das geht nicht mit einem Schnitt, sondern das müssen wir erst nachhaltig bewiesen haben.“

All diese Probleme warten jetzt auf Haaks Nachfolger Marcel Winter, der sich seit dem 1. März von seiner Vorgängerin einarbeiten lässt. Um einen möglichst nahtlosen Übergang zu schaffen, haben beide einen ganzen Monat lang eng zusammengearbeitet, bevor die bisherige KVB-Chefin Köln den Rücken kehrt. Auch sie hinterlässt ein ähnlich schwieriges Erbe, wie das, was sie vor sieben Jahren angetreten hatte.


Stefanie Haaks, 1966 in Lübeck geboren, hat nach dem Abitur und einer Ausbildung zur Steuerberaterin bei verschiedenen Steuerberatungsgesellschaften sowie als selbstständige Steuerberaterin gearbeitet. 2010 wechselte sie als Leiterin der kaufmännischen Abteilung zur Albtal Verkehrsgesellschaft. Ab April 2015 war sie Kaufmännische Vorständin der Stuttgarter Straßenbahnen AG. Am 1. März 2019 wurde sie Vorstandsvorsitzende der KVB. Der Aufsichtsrat hatte im März 2023 den Vertrag um weitere fünf Jahre verlängert. Im Januar 2025 bat Haaks den Aufsichtsrat um die vorzeitige Auflösung ihres bis Ende Februar 2029 gültigen Vertrages. (att)