Gabriele Klinski gibt ihre über Jahrzehnte gewachsene Buchhandlung in neue Hände. Ab 1. August wird das Geschäft in Braunsfeld zur Thalia-Filiale.
Buchhandlung wechselt InhaberAus der Klinski Buchhandlung in Braunsfeld wird Thalia

Die Klinski Buchhandlung in Braunsfeld an der Aachener Straße.
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Als sich Gabriele Klinski vor 21 Jahren auf die Suche nach einem Ladenlokal machte, galt das Gleiche wie bei der Suche nach Wohnimmobilien: „Lage, Lage, Lage“. Der richtige Ort sei entscheidend, betonte eine Unternehmensberaterin. Klinski wagte nach vielen Jahren, in denen sie als Verlagsvertreterin und angestellte Buchhändlerin gearbeitet hatte, im Alter von 50 Jahren den Sprung in die Selbstständigkeit in Braunsfeld, an der Aachener Straße.
Die war für die Frau aus Klettenberg gewöhnungsbedürftig, aber die Vorteile des Standortes lagen auf der Hand: „Gerade auf der Südseite gab es viele Geschäfte und eine kaufkräftige Laufkundschaft, mit Interesse an Literatur. Das Buch hat hier im Viertel eine Bedeutung“, sagt Klinski, „man nimmt am kulturellen Leben teil.“

Gabriele Klinski in ihrer Buchhandlung an der Aachener Straße in Braunsfeld.
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Klinski übergibt aus Altersgründen an Thalia
Sie hat es nicht bereut, Buchhändlerin in Braunsfeld zu sein. Doch jetzt übergibt sie ihre Buchhandlung in neue Hände, schlicht aus Altersgründen. Sie ist 71 Jahre alt. „Es ist einfach genug“, findet Klinski. Ab dem 1. August übernimmt die Kette Thalia ihren Laden und eröffnet dort eine Filiale.
Sie hätte es sehr gerne gehabt, dass er ein inhabergeführter Buchladen bleibt. „Ich habe mit vielen Buchhändlern und Buchhändlerinnen gesprochen“, erzählt sie. Letztlich habe aber niemand die Buchhandlung übernehmen wollen. Und da Thalia schon lange Interesse an ihrem Laden angemeldet hatte, sagte sie schließlich zu.
Das Unternehmen kenne die Bedeutung der gewachsenen Beziehungen zwischen Buchhändlern und Kundschaft vor Ort, erläutert Klinski. „Thalia übernimmt meine Angestellten gerne.“ Auch das Sortiment solle im Großen und Ganzen gleich, das ergänzende Schreibwarensortiment ebenfalls bleiben.
Ein langsamer Start, Krisen und treue Kundschaft
Klinski hat alles jahrzehntelang liebevoll aufgebaut. „Die ersten Besucherinnen fragten, ob der Fußboden aus Holz oder Laminat ist, und gingen wieder“, erinnert sie sich. Nach dem ersten halben Jahr steigerte sich dann aber die Kundenfrequenz langsam und der Handel nahm an Fahrt auf. Es habe Krisen gegeben, erzählt die Buchhändlerin. Die Bankenkrise 2008/9 habe sich in einem Umsatzrückgang bemerkbar gemacht. Personalwechsel waren manchmal schwierig.
Auch die Coronakrise meisterte die Buchhandlung, dank treuer Kundschaft. Denn längst waren feste Beziehungen aufgebaut. Die Veranstaltungen, die regelmäßig im Laden stattfanden, bildeten eine wichtige Basis dafür. Ein Beispiel: „Als der siebte und letzte Harry Potter Band erschien, der erst ab einem vorgegebenen Tag und einer Uhrzeit verkauft werden durfte, haben wir abends ab 22 Uhr zur großen Harry Potter-Party eingeladen, mit Speisen und Getränken, die in den Büchern vorkommen, wie Butterbier und Vielsafttrank“, erzählt Kinski. „Eine als Hexe verkleidete Schauspielerin hat aus den älteren Bänden gelesen. Ab 24 Uhr durften die Kunden dann das neue Buch erwerben.“
Manche Kundenbeziehungen entstanden aus ganz pragmatischen Gründen. „2012 schloss der Schreibwarenladen gegenüber und dessen Hauptlieferant fragte mich, ob ich nicht ein kleines Sortiment in der Buchhandlung anbieten möchte“, erzählt Klinski. Sie entschied sich dafür – zur Freude einer gewissen Klientel: „Die Mütter waren froh, nicht für jeden Radiergummi in die Stadt fahren zu müssen“, erzählt die Buchhändlerin.
Eine Branche mit Zukunft
Das Buchsortiment war stets breit gefächert, mit einem Schwerpunkt in Belletristik. Mit den Jahren stellte sich heraus, dass die Kundinnen und Kunden ein besonderes Interesse an Geschichte und Politik haben. In der digitalen Welt schwand der Bedarf nach Nachschlagewerken. Nach Ansicht von Klinski, hat der analoge Buchhandel aber immer noch Zukunft: Persönliche Beratung sei schwer zu ersetzen, sagt sie, Gespräche über Bücher seien immer mehr als solche über den Inhalt. „Natürlich braucht man eine Onlinepräsenz und immer wieder Innovationen, die Fähigkeit, sich an Neuerungen auf dem Markt anzupassen.“ Sie ist guter Hoffnung, dass Thalia dies in Braunsfeld gelingt.
