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Neues TrainingsgeländeMarkthändler lehnen Masterplan des 1. FC Köln für Marsdorf ab

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Die Toyota-Allee in Marsdorf. Das grünen Feld links ist eine mögliche Fläche für den Großmarkt, das braune Feld rechts wäre ein möglicher Standort für das FC-Leistungszentrum. Foto: Uwe Weiser

Auf dieser Fläche in Köln-Marsdorf sollen der Großmarkt und der 1. FC Köln unterkommen.

Die IG Kölner Großmarkt übt Kritik am Verhalten der Stadt Köln. Die Unterstützung für den Neubau eines Frischemarkts sei zu gering.

Die Pläne des 1. FC Köln für den Bau eines neuen Trainingszentrums inklusive Spielstätte und Verwaltungsgebäuden in Marsdorf haben die auf dem Großmarkt im Kölner Süden tätigen Händler verärgert. Der Zorn richtet sich allerdings nicht auf den Klub – Ziel der Kritik sind Politik und Stadt Köln.

„Wir lehnen diese Pläne ab, obwohl wir kein Verlangen spüren, dem 1. FC Köln irgendwie schaden zu wollen“, sagt Michael Rieke, Sprecher der Interessengemeinschaft (IG) Kölner Großmarkt. Damit in Marsdorf überhaupt genug Platz für das weiträumige Areal des Fußball-Bundesligisten zur Verfügung steht, hatte der Stadtrat im Dezember 2021 die Fläche für den ebenfalls dort geplanten Großmarkt auf Antrag von Grünen und CDU deutlich verkleinert.

Der Großmarkt muss seinen bisherigen Standort in Raderthal zwangsweise verlassen, weil dort das neue Wohn- und Büroquartier Parkstadt-Süd gebaut wird. Eine Verlagerung nach Marsdorf war bereits seit Jahren als Lösung in Sicht, um weiterhin einen Großmarkt in Köln haben zu können.

„Alleine die Dimension, was die Größe und das Geld anbelangt, die dem 1.  FC Köln von den Bürgern der Stadt Köln zur Verfügung gestellt werden sollen, im Vergleich zu der Größe der Fläche des Großmarkts, die reduziert wurde, ist lächerlich“, sagt Rieke. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet hatte, soll die Verwirklichung der Pläne des 1. FC Köln in Marsdorf 120 Millionen Euro kosten – eine Summe, die sich der finanziell angeschlagene Klub derzeit nicht leisten kann.

Dass die Stadt sich direkt finanziell an dem Bau in Marsdorf beteiligt, gilt wegen einer möglichen Beihilfe als ausgeschlossen. Wahrscheinlicher ist es, dass die Kölner Sportstätten als städtische Tochter den Campus in Marsdorf bauen und der Klub ihn mietet. Die bisherige Absicht, das Trainingsgelände rund um das Geißbockheim zu erweitern, hat sich zerschlagen – dafür gibt es zum einen keine politische Mehrheit im Stadtrat, zum anderen hat eine Bürgerinitiative gegen eine weitere Bebauung im Grüngürtel geklagt.

Kölner Markthändler stören sich an Ungleichbehandlung

Die Markthändler stören sich vor allem an der Ungleichbehandlung. Während dem Fußball-Bundesligisten ein großzügiges Grundstück zur Verfügung gestellt werden soll, muss sich der neue Großmarkt mit einer gegenüber früheren Planungen deutlich reduzierten Fläche begnügen. Laut Sprecher Rieke bedroht dies das gesamte Konzept.

„Wir haben mit dem Großmarkt in Raderthal an einem maroden Standort zurzeit ein funktionierendes Modell“, sagt er. Es gebe enorme Synergieeffekte, weil genug Platz für Unternehmen zur Verfügung stehe, die für den Betrieb wichtig seien. So gebe es etwa eine Stapler-Werkstatt, einen Batterieservice für die eingesetzten Fahrzeuge und Lagerlogistiker – Also Firmen, die zwar nicht unmittelbar Händler auf dem Großmarkt sind, für deren Funktionieren aber notwendig g seien. „Wenn man dieses Konstrukt auseinanderreißt, weil in Marsdorf der Platz dafür nicht reicht, dann wird der Großmarkt unwirtschaftlich“, sagt Rieke.

Dabei existiere der Bedarf für einen Großmarkt in Köln sehr wohl – es handele sich um einen wichtigen Absatzort für die Bauern in der Region, jenseits der großen Supermarktketten. Während der Kölner Großmarkt am derzeitigen Standort in Raderthal als „öffentliche Einrichtung der Stadt Köln zur Versorgung der Bevölkerung mit Obst, Gemüse und sonstigen Lebensmitteln“ geführt wird, soll den geplanten „Frischemarkt“ in Marsdorf ein privater Investor übernehmen.

Stadt Köln wertet europaweite Marktsondierung aus

Die Stadt hat zwar eine europaweite Markterkundung gestartet, um einen Investor zu finden, doch das war bislang erfolglos. Bis zur zunächst gesetzten Frist am 22. Februar dieses Jahres war das Interesse laut der Stadtverwaltung gering, deshalb verlängerte sie die Frist bis zum 15. März und setzte sie in das Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften.

„Die Auswertung der Markterkundung erfolgt aktuell“, sagte eine Stadtsprecherin auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“. Im Rahmen dessen hätten sich „wenige Interessenten gemeldet“. Die Stadtverwaltung werde die Politik über die weiteren Schritte informieren.

„Wenn die Stadt so weitermacht, wird es in Köln keinen Großmarkt mehr geben“, sagt IG-Sprecher Rieke. Der Stadtrat habe zwar mehrfach betont, dass der Großmarkt wichtig sei, passiert sei aber nur wenig, obwohl es sich um eine Daseinsvorsorge für die Bevölkerung handele.

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