Die Bezirksvertretung Lindenthal hat entschieden, einen Weg im Grüngürtel nach dem jüdischen Völkerrechter Hans Kelsen zu benennen. Er emigrierte schon im Jahr 1933.
Späte EhrungWeg in Lindenthal wird nach jüdischem Juristen benannt

Hans Kelsen mit seiner Familie
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Mit den Staaten ist es wie mit den Menschen: Wenn alle gleiche Rechte haben sollen, können sie nicht völlig unabhängig sein. So lautete eine Überzeugung des 1881 in Prag geborenen Juristen Hans Kelsen. Er setzte sich für ein modernes Völkerrecht ein, in dem das bislang geltende Recht eines jeden Staates, Krieg zu führen durch ein Kriegsverbot ersetzt werden sollte. Ein Staatenbund mit gegenseitigen Pflichten und eine gemeinsame Sanktionierung von Kriegen sollte kollektive Sicherheit garantieren. 1930 wurde der Vordenker aus Wien auf Anregung des Oberbürgermeisters Konrad Adenauer Professor für Völkerrecht an der Kölner Uni.
Die Bezirksvertretung Lindenthal hat in der vergangenen Sitzung beschlossen, dass ein Weg im Inneren Grüngürtel künftig Hans Kelsens Namen tragen soll, und zwar der zwischen Bruno-Kirsch-Weg und Alphons-Silbermann-Weg, direkt neben der Universität zu Köln, wo er nur drei Jahre lang lehren konnte, aber seine Spuren hinterließ: Er gründete hier das Institut für Völkerrecht und Internationales Recht.
Kelsen stammte aus jüdischer Familie in Österreich-Ungarn
Kelsen entstammte einer deutschsprachigen jüdischen Familie im damaligen Österreich-Ungarn. Seine Eltern zogen bald nach Wien, wo er später Rechtswissenschaften studierte, und Professor wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch der Monarchie erarbeitete er die österreichische Verfassung, mit damals modernen Elementen: Kelsen bewertete die Existenz von Verfassungsgerichten für den Schutz von Minderheiten in einer pluralistischen Gesellschaft als notwendig. Er gilt als Vater der Verfassungsgerichtsbarkeit.
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Dieser Weg im Inneren Grüngürtel an der Universität, der den Bruno-Kirsch- und den Alphons-Silbermann-Weg verbindet, soll nach Hans Kelsen benannt werden.
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Er war zudem ein Wegbereiter des Völkerstrafrechts, nach dem sogar einzelne Personen für im Krieg begangenen Taten zur Verantwortung gezogen werden können. Dies fand dann erstmals seine Anwendung in den Nürnberger Prozessen nach dem Zweiten Weltkrieg. Da lehrte Kelsen indes schon lange nicht mehr in Deutschland. In Köln war er 1933 bereits wenige Tage nach der Machtergreifung wegen seiner demokratischen Auffassungen und seiner jüdischen Herkunft von seinem Amt als Hochschullehrer beurlaubt worden, sehr zum Ärger seiner Kollegen: „Die rechtswissenschaftliche Fakultät zeigte sich solidarisch mit Hans Kelsen“, so schreibt die Bezirksvertretung in ihrer Beschlussbegründung.
Alle Professoren, mit Ausnahme seines Konkurrenten Carl Schmitt, hätten einen mehrseitigen Brief an das preußische Kulturministerium unterschrieben, in dem sie baten, den „geschätzten Kollegen“ in seinem Lehramt zu belassen. Der neue Dekan Hans Carl Nipperdey habe den Brief persönlich in Berlin übergeben - und nichts erreicht.
Professor in Genf, später lehrte er an der University of California
Hans Kelsen trat stattdessen eine Professur in Genf an und emigrierte 1940 nach den USA. An der Harvard Universität wurde er Ehrendoktor und ab 1945 war er Professor für Politikwissenschaften an der University of California. In Kalifornien starb er 1973. Der österreichische Rechtshistoriker Thomas Olechowski, der eine Biografie über Kelsen geschrieben hat, betont, dass dieser die Jahre in Köln in sehr angenehmer Erinnerung behalten habe.
Sein Name wird nun auf einem Straßenschild in der Stadt zu lesen sein. Es soll ein Zeichen sein: „Wir sehen heute“, sagte Cornelia Weitekamp (Grüne), „dass die Forderung Kelsens, mit der Bildung überstaatlicher Instanzen realisiert werden konnte. Wir können aber momentan wohl nur hoffen, dass diese Instanzen auch weiterhin Bestand haben und ihre Arbeit tun können.“

