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Junger Verein auf dem VormarschKölsche Kamellcher haben große Pläne für den Kölner Karneval

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Kölschen Kamellcher auf einem Gruppenbild.

Die neu gegründeten Kölschen Kamellcher wollen im offiziellen Fastelovend mitreden.

Vor zwei Jahren wurde der Verein Kölsche Kamellcher gegründet – ein Karnevalsverein nur für Frauen. Dahinter steckt eine besondere Message.

„Mit drei Jahren stand ich schon gemeinsam mit Theresa als Mariechen im Gürzenich auf der Bühne“, sagt Franka Hüsch. Heute, fast 30 Jahre später, sind die beiden Ex-Mariechen Präsidentinnen der Kölsche Kamellcher. Franka Hüsch und Theresa Pfeil, einst Schülerinnen auf dem Bayenthaler Irmgardis-Gymnasium und dem Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, sind die Doppelspitze des neu gegründeten Karnevalsvereins.

Kölner Frauen-Karnevalsverein – aus der Idee wurde Realität

Die Idee, einen eigenen Frauen-Karnevalsverein zu gründen, schwirrte schon lange durch ihre Köpfe. „Der traditionelle Kölner Karneval ist ja bekanntlich immer noch eine Männerdomäne. Wir wollten etwas eigenes, etwas fest in weiblicher Hand. Und jedes Mal, wenn die neue Session an die Tür klopfte, war die Diskussion über ein mögliches Konzept gleich wieder Gesprächsthema Nummer eins in unserem Freundes- und Bekanntenkreis“, erinnert sich die Rondorferin Franka Hüsch, deren Vater ein Roter Funke ist und 2007 sogar als Bauer im Dreigestirn durch die Kölner Säle schunkelte.

Vor zwei Jahren wurde aus der Idee Realität: die jungen Frauen formulierten eine Satzung, wählten einen Vorstand und ließen ihren Verein unter dem Namen Kölsche Kamellcher offiziell im Kölner Vereinsregister eintragen. Besondere Aufnahmekriterien gibt es nicht, außer dass man natürlich Frau sein muss.

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„Die Chemie muss stimmen. Wir feiern und trinken gerne, wir pflegen das kölsche Brauchtum und sind offen für Neuerungen. Sollte mal – hoffentlich bald – eine Prinzin für das Dreigestirn gesucht werden, würde ich es sofort machen. Die Zeit dafür ist überreif. 2016 gab es ja das Sessions-Motto ‚Mer stelle alles op der Kopp‘. Da hatte ich fest damit gerechnet, dass die Colombinen das Dreigestirn stellen würden“, berichtet Präsidentin Theresa Pfeil, und es klingt ein wenig enttäuscht.

Das nächste Ziel der Kölsche Kamellcher ist eine Mitgliedschaft im Festkomitee Kölner Karneval und natürlich eines schönen Tages ein eigener Wagen im Rosenmontagszug. Das ist mit vielen Hürden verbunden, aber die Kamellcher sind optimistisch, denn immerhin wurde im Rahmen der Jubiläumskampagne des Festkomitees: „#Zesamme 200“ ein Gruppenfoto gepostet, auf dem sieben Kamellcher, die zusammen 200 Jahre alt sind, zu sehen waren. Das sei – so die Interpretation der Vereinsmitglieder – ein gutes Vorzeichen.

„Wir heißen zwar Kamelle, haben aber kein Bonbon auf dem Kopf. Und wir wollten auch keine aufwändige teure Uniform, sondern ein erschwingliches Kostüm: Hose oder Rock, ein silbernes Oberteil und eine Jeansjacke –fertig ist das Kölsche Kamellcher“, erklärt Schriftführerin Vanessa May.

„Mer han jet zo kamelle“ – das Motto der Kölsche Kamellcher

Der Verein hat inzwischen 53 Mitglieder, der Altersdurchschnitt liegt bei 33 Jahren. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 60 Euro im Jahr und am 11. jeden Monats treffen die Mitglieder sich im Haus Unkelbach an der Luxemburger Straße zum Stammtisch. „Ich war direkt begeistert, der traditionelle Karneval ist ja nicht nur Feiern, er ist unter den Männern auch eine große Jobbörse. Ich denke, das können Frauen auch. Hier im Verein sind jetzt schon sehr viele Berufe vertreten, von der Erzieherin über die Staatsanwältin bis hin zur Ärztin und Unternehmerin. Auch wir Frauen können uns gegenseitig unterstützen und vernetzen“, sagt Karla Schlier, die seit zwei Jahren zu den Kamellcher gehört.

„Mer han jet zo kamelle“ heißt es selbstbewusst auf ihrer Vereinsfahne. In gewisser Weise ist dieses Wortspiel auch ein Motto hinter dem Vereinsnamen. Die Frauen aus dem Verein wollen mitreden, als Kamellche im Karneval, aber auch als selbstbewusste junge Frauen in der Gesellschaft.


Immer mehr weibliche Karnevalsgesellschaften

Der Karneval in Köln war und ist in vielen Teilen eine Männerdomäne. Bis in die 70er-Jahre hinein durften Frauen nicht beim Rosenmontagszug mitgehen. Erstmals 1978 waren Frauen als Fußgruppen und auf den Wagen im Rosenmontagszug offiziell erlaubt. Im Jahr 2000 fuhren zum ersten Mal die Colombinen mit eigenem Wagen mit, wenn auch an etwas unglücklicher Position: zwischen Prinzenwagen und Müllabfuhr.

Aktuell sind vier Frauenvereine Mitglied im Festkomitee des Kölner Karnevals: die Colombina Colonia (1999), die Schmuckstückchen (2008), die Kölsche Madämcher (2011) und die Erste Damengarde Coeln (2014). Die Diskussion um ein weibliches Mitglied im Kölner Dreigestirn nahm durch den selbstbewussten Auftritt der Sängerin Nici Kempermann bei der diesjährigen Prinzenproklamation an Fahrt auf.

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