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Nach Panther-KlauMetalldiebe wollten Kunstwerke aus Kölner Park stehlen – Stadt reagiert

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Die Bronze „Sinnende“ von Ludwig Kasper im Kölner Rheinpark.

Die Bronzeplastik „Sinnende“ von Ludwig Kasper aus dem Jahr 1943 im Kölner Rheinpark. Diebe haben am 18. Juni 2026 versucht, das Kunstwerk zu stehlen.

Nachdem Unbekannte erneut versucht haben, Bronzefiguren aus dem Kölner Rheinpark zu stehlen, hat die Stadt Köln die verbliebenen Originale ins Depot bringen lassen.

Die Metalldiebe werden immer dreister. Wenige Wochen nach zwei aufsehenerregenden Kunstdiebstählen in Köln wollten sie erneut im Rheinpark zuschlagen und wertvolle Kunstwerke aus Bronze stehlen. Wie erst jetzt bekannt wurde, kam es in der weitläufigen Grünanlage in Deutz bereits in der Nacht vom 17. auf den 18. Juni zu einem versuchten Diebstahl. Die Täter wollten die Bronzeplastik „Sinnende“ von Ludwig Kasper aus dem Jahr 1943 mitnehmen. Die lebensgroße Figur zeigt eine sitzende Frau, die ihre rechte Hand an die Stirn legt. Ihr Standort liegt an der Ostseite des Parks in Höhe des kleinen Kreisels am Auenweg. Ganz in der Nähe war im Oktober 2017 die 2,11 Meter hohe Bronze „Schreitender“ von Richard Scheibe gestohlen worden.

Nach Angaben einer Sprecherin der Stadt Köln stellten Mitarbeiter des Rheinparks am Morgen des 18. Juni bei ihrem täglichen Kontrollgang fest, dass die Skulptur der „Sinnenden“ schräg stand und man versucht hatte, sie von ihrem steinernen Sockel zu stemmen. Doch sie war nicht die einzige weibliche Figur, auf die es die Täter abgesehen hatten.

Diebe versuchten, drei Bronzefiguren zu entwenden

Auch die 195 Zentimeter hohe Bronzeplastik „Assunta“ von Georg Kolbe aus dem Jahr 1921 sei an diesem Morgen leicht verschoben gewesen, sagt die Stadtsprecherin. Ihr Standort befindet sich im großen Blumenhof im Zentrum des Rheinparks unweit der Stelle, wo Metalldiebe Ende Mai die Tierplastik „Zwei Störche“ von Philipp Harth gestohlen hatten. Kurz darauf war Anfang Juni die Bronzefigur „Panther“ von Fritz Behn aus dem Südpark in Marienburg entwendet worden.

Die Bronzeplastik „Assunta“ von Georg Kolbe.

Die Bronzeplastik „Assunta“ von Georg Kolbe im Kölner Rheinpark.

Am 18. Juni haben die Täter im Rheinpark laut Stadt auch versucht, die Bronze „Gaea“ von Gerhard Marcks vom Sockel zu lösen. Die 1965 gegossene lebensgroße Figur einer Frauengestalt mit Umhang stellt die  personifizierte Erde als Urmutter allen Lebens dar. Seit 2007 steht diese Skulptur im Rosengarten des Rheinparks, 2015 war sie restauriert worden. Hätten die Diebe Erfolg gehabt, hätte der Rheinpark drei weitere seiner bedeutendsten Kunstwerke verloren. „Die Täter sind vermutlich gestört worden“, erklärt die Stadtsprecherin.

Nach dem versuchten Diebstahl zog die Stadt Köln Konsequenzen. Neben der „Sinnenden“ wurden am folgenden Tag die beiden letzten Originalkunstwerke, die sich noch im Rheinpark befanden, nämlich die „Gaea“ sowie die „Sitzende“ von Kurt Lehmann, abgebaut und wie die restlichen Originale in einem Depot eingelagert. Sämtliche Skulpturen, die jetzt noch im Park stehen, sind Abgüsse und keine Originale mehr. Eine traurige Entwicklung, denn die ursprüngliche Idee des zur Bundesgartenschau 1957 eröffneten Rheinparks besteht darin, die Gartenkunst mit Architektur und bildender Kunst zu vereinen.

Die Bronzeplastik „Gaea“ von Gerhard Marcks.

Die Bronzeplastik „Gaea“ von Gerhard Marcks steht seit 2007 im Kölner Rheinpark.

Aktuell stehen nur noch neun Bronzefiguren im Rheinpark, elf sind eingelagert. Es sei geplant, die entwendeten Skulpturen wieder als Abgüsse aus Bronze aufzustellen, erläutert die Stadtsprecherin. Erst müsse jedoch die Finanzierung sichergestellt werden. Überlegungen, die Bronzen durch Kopien aus anderen Materialien wie Stein, Holz oder Kunstharz zu ersetzen, damit Metalldiebe das Interesse verlieren, gab es nicht. „Mit der Präventionsstelle der Polizei und gegebenenfalls der Versicherung werden Möglichkeiten des erweiterten Diebstahlsschutzes geprüft.“

Metalldiebe habe es oft nur auf den Materialwert abgesehen

Häufig haben es die Täter beim Diebstahl von Kunstwerken aus Metall lediglich auf den reinen Materialwert abgesehen. Werke von hohem künstlerischem Wert verscherbeln sie auf Schrottplätzen im In- und Ausland. Für Bronze werden nach Branchenangaben zurzeit je nach Qualität rund fünf bis sieben Euro pro Kilogramm bezahlt, Kupfer bringt rund sieben bis zehn Euro pro Kilogramm. Viele gestohlene Bronzen landen in Schmelzöfen und werden für immer zerstört.

Die Bronzefigur „Panther“ von Fritz Behn wurde Anfang Juni aus dem Südpark in Marienburg gestohlen.

Die Bronzefigur „Panther“ von Fritz Behn wurde Anfang Juni aus dem Südpark in Marienburg gestohlen.

Dieses Schicksal könnte auch den „Panther“ und die „Zwei Störche“ ereilt haben. Von den beiden vor rund acht Wochen gestohlenen Kunstwerken fehlt nach Angaben der Kölner Polizei jede Spur. „Bislang liegen keine konkreten Hinweise auf eine bestimmte Person sowie den Verbleib der Bronzen vor“, erklärt Polizeioberkommissarin Christina Walsemann auf Anfrage. Ob es es einen Zusammenhang zwischen den beiden Taten oder zu anderen Metalldiebstählen im Raum Köln gibt, kann die Polizei nicht sagen. „Dies ist Teil der Ermittlungen. Gesicherte Erkenntnisse hierfür liegen derzeit nicht vor.“ Aus diesen Aussagen wird deutlich: Offenbar haben die Täter keine Fingerabdrücke, DNA-Spuren oder Gegenstände hinterlassen und es gibt auch keine verwertbaren Videoaufnahmen oder Zeugenaussagen.

Auch in Leverkusen schlugen Metalldiebe zu

Sollten sich keine Hinweise auf den Verbleib des „Panther“ und der „Zwei Störche“ mehr ergeben, wird die Staatsanwaltschaft Köln die Ermittlungen vorläufig einstellen. „Jeder Fall wird individuell geprüft“, betont Staatsanwalt Sinan Șengöz. Sollten später noch Hinweise eingehen, werde man die Ermittlungen wieder aufnehmen.

Parallel zu dem versuchten Diebstahl der drei Frauenfiguren im Deutzer Rheinpark schlugen Metalldiebe auch in Leverkusen zu. Dort verschwand ein Schwein aus Bronze aus einer kleinen Grünfläche an der Von-Ketteler-Straße im Stadtteil Bürrig. Die Figur war Teil eines Kunstwerks des in Köln geborenen Bildhauers Kurtz Arentz (1934-2014), das aus zwei lebensgroßen stehenden Schweinen bestand. Seit 1999 standen die Bronzen als Leihgabe des Künstlers auf der Grünfläche. Laut Polizei hat sich dieser Diebstahl in der Zeit zwischen dem 16. Juni, 16 Uhr, und dem 18. Juni, 9 Uhr, ereignet, also womöglich in derselben Nacht wie der Versuch im Rheinpark. Die Stadt Leverkusen hat Anzeige erstattet.

Die Bronzeskulptur „Zwei Störche“ des Bildhauers Philipp Harth wurde Ende Mai aus dem Rheinpark entwendet.

Die Bronzeskulptur „Zwei Störche“ des Bildhauers Philipp Harth wurde Ende Mai aus dem Rheinpark entwendet.

Aus dem Kölner Stadtgebiet liegen der Polizei in diesem Jahr bereits rund 40 Anzeigen zu Metall- und Kupferdiebstahl vor. Im Schnitt wurden in den vergangenen Jahren in Köln rund 100 Metalldiebstähle pro Jahr erfasst. Die Aufklärungsquote ist verschwindend gering. 2025 und 2024  wurde laut Polizei jeweils ein Tatverdächtiger ermittelt, im Jahr 2023 waren es fünf.

Förderverein Rheinpark will Spendenaktion starten

Seit dem Vorfall im Rheinpark hat es nach Angaben der Stadt Köln keine Bronze-Diebstähle in Parks oder Friedhöfen gegeben. Den Diebstahl der „Zwei Störche“ Ende Mai hat die Kunstversicherung inzwischen als  Versicherungsfall anerkannt. „Zur Schadenszahlung und deren Höhe können wir keine Auskunft geben“, so die Sprecherin. Was mit den eingelagerten Originalen passiert, ist unklar. Möglicherweise verschwinden sie  jetzt auf Nimmerwiedersehen im Depot. Es gebe aktuell keine konkreten Pläne, sie an anderer Stelle oder im Rahmen einer Ausstellung zu präsentieren, so die Stadtsprecherin.

Der Förderverein Rheinpark hat seine geplanten Führungen „Skulpturen im Rheinpark“ vorerst abgesagt. Die Entfernung und Einlagerung der Originalkunstwerke an einem sicheren Ort diene „dem Schutz der bedeutenden Kunstwerke und gilt so lange, bis ein dauerhaftes Sicherheitskonzept für ihre Wiederaufstellung umgesetzt werden kann“, teilte der Verein mit. Vandalismus und Metalldiebstähle hätten stark zugenommen.

„Es hat Überlegungen gegeben, den Park einzuzäunen und nachts zu schließen. Aber das geht nicht. Der Zaun wäre innerhalb kürzester Zeit zerstört“, sagt der Geschäftsführer des Fördervereins, Gerhard Böckmann. Man wolle sich weiterhin mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die Kunstwerke dem Rheinpark langfristig erhalten bleiben und Besuchern auch künftig zugänglich gemacht werden. „Wir wollen eine Spendenaktion starten, um Nachgüsse zu finanzieren“, so Böckmann.