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Mit Drachen und Klebreis ins neue Jahr

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Beim Neujahrsfest tanzte der Drache auf der Bühne des Schulzentrums am Hardtgenbuscher Kirchweg.

Ostheim – Das Têt-Fest ist der höchste vietnamesische Feiertag, das Fest des neuen Jahres nach dem Mondkalender. Drei Tage lang werden die Familie, Freunde und Tempel besucht, Kinder ziehen ihre neuen Kleider an und bekommen kleine Geldgeschenke in roten Umschlägen. Und auch die kölschen Vietnamesen feierten ihre Tradition im Ostheimer Schulzentrum am Hardtgenbuscher Kirchweg.

Das Neujahrsfest hat in der asiatischen Kultur einen hohen Stellenwert, vergleichbar mit dem christlichen Heiligabend – und auch die Rituale sind ähnlich. „Wir kommen mit der gesamten Familie zusammen, denken an unsere Vorfahren und versammeln uns alle zusammen am Tisch“, erklärt der zweite Vorsitzende des Vereins Van Bat Dao. An diesem besonderen Tag wird passend ein ganz spezielles Essen aufgetischt: Banh Chung, ein traditioneller Kuchen, bestehend aus Klebreis, Bohnen und Fleisch. Er wird mit Bananenblättern ummantelt und als Geschenk gereicht, wenn die Familien einander besuchen.

Das ist – ganz traditionell – aber erst am zweiten Tag der Feierlichkeiten erlaubt, der erste Tag wird nur im Kreise der engsten Familie verbracht, die Straßen in großen Städten sind dann meist menschenleer und viele Geschäfte haben geschlossen. Insgesamt dauern die Festlichkeiten drei Tage an.

Neben dem traditionelle Kuchen („Banh Chung“) aus Klebreis gab es weitere asiatische Spezialitäten.

Dabei folgt der Zyklus der Vietnamesen einer eigenen Zeitrechnung: Die zwölf Tierkreiszeichen kehren nicht monatlich, sondern jährlich wieder. Das heißt, jedes Jahr trägt den Namen eines Tieres, 2020 steht im Zeichen der Ratte.

Gläubige Vietnamesen sagen den in Jahren der Ratte Geborenen nach, sie seien kontaktfreudig, diplomatisch und humorvoll. Doch wird diese Überzeugung heute kaum mehr gelebt, so Dao. „Die jüngere Generation setzt sich damit nicht mehr so viel auseinander“, schätzt Dao. „Die Älteren können die Zwölf-Jahres-Zyklen aber immer noch mitzählen und wissen im Kopf, welches Jahr welchem Tier zugeordnet wird.“

Beim Fest in Ostheim konnten noch viele weitere Traditionen bestaunt werden. Neben kulturellen Musik- und Kampfkunstvorstellungen, einer Tombola und vielen Köstlichkeiten sorgte vor allem die Drachentanz-Aufführung der befreundeten belgischen Vovinam-Schule für Begeisterung. Zwei als Drachen verkleidete Jungen tanzten und liefen begleitet von traditioneller Musik durch die Menge, bis sie sich mit der Kinderschar auf der Bühne versammelten. Die Erwachsenen überreichten den Kindern danach Neujahrsgrüße.

Der Verein der vietnamesischen Flüchtlinge in Köln wurde 1982 von den sogenannten „Boatpeople“ gegründet. Sie waren Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre während des Vietnamkrieges vor dem kommunistischen Vietcong geflüchtet. Heute setzen sich die rund 20 aktiven Mitglieder vor allem dafür ein, die Kultur ihres Heimatlandes zu bewahren, Austausch zu fördern und Hilfestellung bei der Integration zu leisten. „Meistens macht die Sprache Probleme“, erklärt Dao. „Arbeit zu finden, Behördengänge, Wohnungssuche – solche Dinge sind am Anfang sehr schwierig, wenn man Deutsch noch nicht so gut versteht. Da helfen und übersetzen wir viel, auch was so in der Politik passiert, was Angela Merkel macht, und was hier in Köln los ist.“

So ließ es sich auch die Lokalpolitik nicht nehmen und schaute für ein kurzes Grußwort vorbei. SPD-Fraktionsvorsitzender Christian Joisten war bereits zum sechsten Mal dabei: „Ich freue mich immer wieder, hier zu sein und diese bunte, vielfältige Feier miterleben zu dürfen“, sagte er.

Während er die gelungene Integration lobte, blieb noch ein wenig Platz für Kritik. „Verglichen mit vielen anderen Städten hat Köln schon ein hohes Maß an Integration erreicht, aber sie ist noch lange nicht abgeschlossen“, so der kommissarische integrationspolitische Sprecher der Fraktion.

„In der Politik und Verwaltung müssen wir weiterhin die individuelle Vielfalt fördern, und beispielsweise mehr für die Unterstützung von Zweisprachlern tun.“

Er sehe immer wieder, dass vor allem in den größeren Communitys sowohl Deutsch als auch die Muttersprache gesprochen und so am Ende beide nicht einwandfrei beherrscht würden. „Hier müssen wir noch mehr Förderung in den Schulen und vermehrt Sprachkurse anbieten, das liegt auch in der Verantwortung der Stadt, sonst wird sich das über die nächsten Generationen weiter fortsetzen.“

Da bieten Feierlichkeiten wie diese beste Voraussetzungen, um miteinander ins Gespräch zu kommen und Brücken zu bauen.

Christian Joisten,

SPD-Fraktionsvorsitzender

Van Bat Dao, Vorsitzender

des Vereins