Abo

Frustration in HolweideBürgervereine beklagen Stillstand und Desinteresse der Stadt

4 min
Auf einer mehrspurigen Straße stehen Autos an einer Ampelkreuzung.

Der Verkehr auf der Bergisch Gladbacher Straße ist ein Thema, das Bürger im Viertel umtreibt. 

In Holweide setzen sich engagierte Bürgerinnen und Bürger für den Stadtteil ein, doch politische Beschlüsse warten auf ihre Umsetzung.

„Es gibt ganz viele tolle Vereine und engagierte Bürgerinnen und Bürger in Holweide“, sagt Harald Borchers, CDU-Ratsmitglied für den Wahlkreis Köln-Holweide. „Ich wünsche mir, dass auch die Verwaltung etwas für den Stadtteil tut.“ Vereine und Zusammenschlüsse wie die Bürgervereinigung, der Förderverein und der Runde Tisch setzen sich regelmäßig dafür ein, Holweide lebenswerter zu gestalten. Politische Beschlüsse warten jedoch seit Jahren auf ihre Umsetzung. Ein Blick mit dem Ratsmitglied und aktiven Bürgern ins Veedel. 

Ein Mann mit grauem Haar und Brille steht auf einer Rasenfläche. Im Hintergrund liegt ein Spielplatz.

Ratsmitglied Harald Borchers (CDU) ärgert sich, dass Beschlüsse der Politik in Holweide Jahre auf ihre Umsetzung warten.

Ein ewiges Thema in Holweide sei der Verkehr. „Es sind viele Bedürfnisse, die da zusammengebracht werden müssen, aber im Moment ist es primär chaotisch, da muss sich was tun“, sagt Hans-Werner Bartsch vom Förderverein Holweide. Besonders an der Bergisch Gladbacher Straße gibt es einige Problemstellen.

Köln-Holweide: Bergisch Gladbacher Straße ist ein großes Thema

Vor allem die Einmündungen von und zur Steyler Straße sind problematisch. „Durch die Geschäfte und den Bau des Rewe-Marktes sind sie ein tägliches Nadelöhr geworden“, sagt Thomas Gladisch von der Bürgervereinigung Holweide. „Hier kommt es regelmäßig zu langen Staus und unübersichtlichen, gefährlichen Situationen.“ Um die Situation zu entschärfen, gab es bereits mehrere Beschlüsse der Bezirksvertretung (BV) Mülheim. Zuletzt wurde eine Erweiterung der westlichen Einmündung vorgeschlagen, um den Verkehr zu entzerren.

Auch eine Einbahnstraßenlösung wurde vorgeschlagen. Diese sei laut Stadt nun geprüft und bestätigt worden, sodass die Steyler Straße als Einbahnstraße von West nach Ost eingerichtet werden soll. „Die Straßenplanung befindet sich derzeit in der Entwurfsphase. Die Einholung eines Baubeschlusses ist für die zweite Jahreshälfte 2027 vorgesehen“, teilt die Stadt Köln auf Anfrage dieser Zeitung mit. 

Auch der Fahrradverkehr an der Bergisch Gladbacher Straße beschäftige den Stadtteil, weil der Fahrradweg immer wieder unterbrochen ist. „Das ist einfach eine Frage der Sicherheit“, sagt Willy Vögeli vom Runden Tisch Holweide, „es braucht einen durchgehenden, gesicherten Radweg an dieser viel befahrenen Straße.“ Auch hier hat die BV mehrfach zur Verbesserung aufgerufen, aber bisher ist nichts passiert.

Marktplatz Holweide wartet auf Verschönerungsmaßnahmen

Die Stadt Köln teilt mit, dass der Auftrag in das Arbeitsprogramm der Verwaltung aufgenommen worden sei und sich in der Bearbeitung befinde. „Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich – unter anderem aufgrund finanzieller Kapazitäten – noch kein konkreter Umsetzungstermin nennen“, heißt es aber weiter.

Die finanzielle Lage scheint auch bei weiteren Themen momentan die Bremse zu sein. So steht schon seit Langem der Marktplatz ganz oben auf der Wunschliste. Er wurde laut Borchers auch in das Stadtverschönerungsprogramm aufgenommen. „Der Marktplatz ist seit 2008 unser zentraler Holweider Treffpunkt, aber die Infrastruktur und Außenwirkung hinken weiter hinterher“, sagt Thomas Gladisch von der Bürgervereinigung. Besonders die Dixi-Toilette sei ein Störfaktor.

„Wir brauchen hier für Veranstaltungen und den Wochenmarkt eine hochwertige Toilette, die Bürgerinnen und Bürger haben etwas Besseres verdient, als ein Dixiklo, das häufiger umfällt“, betont Harald Borchers. Doch auch hier fehle laut Stadt das Geld: „Zur optischen Verbesserung können Dixi-Toiletten mit einer Einhausung aus Holz versehen werden. Eine derartige Einhausung ist jedoch derzeit aufgrund der Haushaltslage nicht finanzierbar.“ Gleiches gilt für den Bewegungsparcours, der 2024 von der BV beschlossen wurde. Zu teuer, nicht umsetzbar. All diese Themen seien frustrierend. „Es gibt nicht nur Problemzonen in Holweide, aber es gibt sie eben“, sagt Harald Borchers, „und es wäre schön, wenn die Stadt sich diesen annimmt.“

Beschlüsse in Köln-Holweide werden jahrelang nicht umgesetzt

Auch die Baumwollbleicherei, die eigentlich in ein urbanes Wohngebiet umgebaut werden sollte, beschäftigt den Stadtteil immer wieder, denn das Projekt stockt seit Jahren, weil die zuständige Projektleitung immer wieder gewechselt hat. Zuletzt hat BUWAG, ein Tochterunternehmen von Vonovia, ein grundsätzliches Festhalten am Bauprojekt bekundet. Inwiefern es umgesetzt wird, ist aber weiterhin unklar. „Es wäre ein absoluter Traum für Holweide, wenn das Projekt umgesetzt werden würde“, betont Hans-Werner Bartsch vom Förderverein, „die Frage ist nur, wann und wie.“

Ein altes Industriegelände mit Backstein-Fabrikgebäuden und Schornstein liegt hinter einem Bauzaun.

Die alte Baumwollbleicherei ist eine stillgelegte Baustelle. Wann es hier weitergeht, ist vollkommen unklar.

Neben den negativen Themen sei immer wieder zu betonen, wie viel die Bürgerinnen und Bürger für ihr Veedel tun, sind sich alle einig. „Ein absolut positiver Aspekt in Holweide ist das Vereinsleben“, sagt Thomas Gladisch klar. „Wir haben im Vergleich zu anderen Stadtteilen eine sehr hohe Dichte an aktiven Ehrenamtlern, die gemeinsam sehr viel auf die Beine stellen. Dieses Engagement hält den Stadtteil zusammen und sorgt für Leben im Veedel. Allerdings stößt man bürokratisch oft an Grenzen.“