Abo

Neues NetzwerkKalk, Merheim und Porz bieten Anlaufstelle für Patienten mit Herzstillstand

5 min
Die Kardiologie-Chefärzte Axel Meissner (Merheim), Marc Horlitz (Porz) und Frank Eberhardt (Kalk) sowie Alex Lechleuthner (von links), der Chef des Kölner Rettungsdienstes, mit einem Ecmo-Gerät im Evangelischen Krankenhaus Köln Kalk.

Die Kardiologie-Chefärzte Axel Meissner (Merheim), Marc Horlitz (Porz) und Frank Eberhardt (Kalk) sowie Alex Lechleuthner (von links), der Chef des Kölner Rettungsdienstes, mit einem Ecmo-Gerät im Evangelischen Krankenhaus Köln Kalk.

Für die Notfall-Versorgung an einer Herz-Lungen-Maschine war in Köln bislang allein die Uniklinik zuständig. Jetzt gibt es ein neues rechtsrheinisches Netzwerk.

Die Krankenhäuser in Kalk, Merheim und Porz bieten dem Kölner Rettungsdienst künftig eine rechtsrheinische Anlaufstelle für Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand, denen mit Hilfe eines Ecmo-Gerätes möglicherweise das Leben gerettet werden kann. Das gaben die Kardiologie-Chefärzte der drei Häuser am Montag bekannt. Bisher wurden diese Fälle nur linksrheinisch in der Kölner Uniklinik entsprechend behandelt.

„Damit werden wir die Versorgung der rechtsrheinischen Patienten substantiell verbessern“, sagte Frank Eberhardt, Chef der Kardiologie im Evangelischen Krankenhaus Köln Kalk (EVKK). Einen an eine Ecmo angeschlossenen Patienten zu versorgen, bedürfe eines sehr hohen personellen Aufwands, ein Team von rund zehn Medizinern und speziell geschulten Fachkräften ist dafür nötig. „Das kann nicht jedes Krankenhaus zu jeder Zeit leisten“, sagte Axel Meissner Chef, der Kardiologie im Krankenhaus Merheim der Kliniken der Stadt Köln. Deshalb sei das Netzwerk so wichtig. Die Rettungskräfte haben eine einheitliche Telefonnummer, über die sie einen entsprechenden Patienten anmelden können. Dann wird ihnen ein freier Ecmo-Platz in einem der Krankenhäuser zugewiesen.

Im Ecmo-Zentrum der Kliniken Köln in Merheim ist man unter der Leitung von Christian Karagiannidis auf die intensivmedizinische Behandlung von Patienten mit schwerem und schwerstem Lungenversagen spezialisiert und sehr erfahren in der Nutzung der Herz-Lungen-Maschinen. Dort soll im Zuge der aktuell laufenden Modernisierungen eine gemeinsame Intensivstation für Lungen- und Herzpatienten entstehen.  

Die Ecmo übernimmt vorübergehend die Arbeit von Herz und Lunge

Die Ecmo ist während der Corona-Pandemie zu trauriger Berühmtheit gelangt, der abgekürzte Name steht für Extracorporeal Membrane Oxygenation. Die deutsche Bezeichnung beschreibt etwas eingängiger die Funktion: Herz-Lungen-Maschine. Es handelt sich um ein Gerät, das beim Menschen vorübergehend die Arbeit von Herz und Lunge übernimmt und das Blut mit Sauerstoff anreichert und verteilt. So wird der Körper – und damit vor allem auch das Gehirn – weiter mit Sauerstoff versorgt, wenn die Lunge (das ist bei einer schweren Corona-Infektion das Problem) oder auch das Herz etwa nach einem Infarkt nicht mehr funktionieren.   

Bei Patienten mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand kommt die Ecmo aber nur in sehr ausgewählten Fällen zum Einsatz. Die wichtigste Voraussetzung ist, dass ihr Zusammenbruch und die anschließende Versorgung unter Beobachtung stattgefunden haben. Nur wenn davon ausgegangen werden kann, dass das Gehirn nahezu durchgehend mit Sauerstoff versorgt wurde, besteht eine realistische Hoffnung, Patienten mit dem Anschluss an eine Ecmo retten zu können. Eine entscheidende Rolle spielt somit, ob die Patienten vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes bereits von Laien reanimiert wurden. Der Anteil derjenigen, die dieses Glück hatten, habe sich in den vergangenen 15 Jahren von rund 10 auf 30 Prozent erhöht, sagte am Montag Alex Lechleuthner, der Chef des Kölner Rettungsdienstes.

In Deutschland beginnen Laien zu selten mit einer Reanimation

Gut sei das aber noch lange nicht. „Daran müssen wir in Deutschland unbedingt arbeiten, in Skandinavien zum Beispiel liegt die Quote bei 70 bis 80 Prozent“, sagte der Kalker Kardiologe Eberhardt. Er hoffe, dass sich zunehmend Erste-Hilfe-Kurse in Schulen und Sportvereinen etablieren: „So dass wir eine neue Generation bekommen, die sich traut und weiß, was zu tun ist.“ Steht der Herz-Kreislauf eines Menschen länger als fünf Minuten still, ohne dass er reanimiert wurde, tritt der Hirntod ein. 

Der Kölner Rettungsdienst müsse pro Jahr etwa 850 Menschen wiederbeleben, sagte Lechleuthner. Auf zwei Drittel dieser Patienten treffe man linksrheinisch, auf ein Drittel rechtsrheinisch. Die Hälfte dieser Menschen bekomme durch die Reanimation wieder einen Kreislauf. Und von den rund 425 übrigen käme für etwa 50 pro Jahr der Anschluss an eine Ecmo infrage. Wenn es gut läuft, verschafft das den Kardiologen die nötige Zeit und Ruhe, um das Problem am Herzen zu finden und mit einer Herzkatheter-Behandlung oder einem chirurgischen Eingriff zu beheben. „Aber das ist keine Therapie, die Wunder bewirkt“, betonte Eberhardt.  

An der Kölner Uniklinik behandele man an der Ecmo rund 40 Patienten pro Jahr, die mit dem Rettungsdienst „von draußen kommen“, sagte am Montag Stephan Baldus, der Leiter des Herzzentrums, auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“. Während des Telefonats bereitete sein Team gerade eine Ecmo vor. Die Ankunft eines potenziellen Patienten per Rettungshubschrauber war angekündigt worden. 

Das Zeitfenster zum Anschluss an eine Ecmo beträgt 60 Minuten

Baldus begrüßt das neue rechtsrheinische Ecmo-Netzwerk. „Das ist ein so kritisches Krankheitsbild, bei dem es um Minuten geht“, sagt er. Um überhaupt eine Chance zu haben, müssten Patienten innerhalb von 60 Minuten nach ihrem Zusammenbruch an einer Ecmo angeschlossen sein. Der Vorgang selbst dauere bei einem geübten Team rund 15 Minuten. Das heißt: die Patienten müssen innerhalb von 45 Minuten von Rettungskräften wiederbelebt, eingesammelt und bei einem Ecmo-Team abgeliefert werden.

Um das für mehr Menschen in Köln möglich zu machen, habe man eine Kooperation verschiedener Kliniken angeregt. Zum rechtsrheinischen Netzwerk komme noch das Cellitinnen Krankenhaus St. Vinzenz im Kölner Norden dazu, das mit der Uniklinik zusammenarbeitet. „Das gibt es so in keiner anderen deutschen Großstadt“, sagte Baldus, „sonst herrscht unter den Krankenhäusern mehr Konkurrenz als Kooperation.“   

Die Kölner Uniklinik kann knapp jeden dritten Ecmo-Patienten retten

An der Uniklinik können laut Baldus rund 30 Prozent der notfallmäßig eingelieferten Ecmo-Patienten gerettet werden. Die meisten erreichten anschließend wieder eine gute Lebensqualität. Die Zahl entspreche dem internationalen Wert, den auch andere auf diese Art der Behandlung spezialisierte Zentren erreichen. „Wir wollen aber mehr als nur knapp jeden dritten dieser Patienten retten“, sagt Baldus. Mit dem neuen Netzwerk und kürzeren Wegen hoffe man, über den Faktor Zeit die Überlebens-Chancen der Patienten verbessern zu können.   

„Eine falsche Liberalität“ beim Einsatz der Ecmo dürfe aber nicht aufkommen, betonte Baldus. Heißt: der Einsatz dieser Behandlung muss nach strengen Kriterien gehandhabt und jedes Mal gewissenhaft von Experten geprüft werden. Sollte die Überlebensrate der so behandelten Patienten auf unter 30 Prozent sinken, müsse man das Kölner Konzept überdenken. Das wolle man zusammen mit den anderen Kliniken genau beobachten, sagte Baldus. 

„Hinter diesen Fällen stecken wahnsinnige menschliche Schicksale“, sagte der Porzer Kardiologie-Chef Marc Horlitz. „Wenn wir nur einen Patienten retten können, haben wir alles richtig gemacht mit unserem Netzwerk.“