Olympia in NRWVor Ende des Bürgerentscheids: Umfrage zeigt klare Tendenz

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ARCHIV - 19.01.2026, Nordrhein-Westfalen, Köln: Ein Plakat mit dem Schriftzug „Ja“ hängt beim Start der Kampagne für die Bewerbung der Region Rhein-Ruhr, mit Köln als "Leading City", um Olympische und Paralympische Spiele an der Lanxess-Arena. (zu dpa: «Olympia in NRW: Was dafür spricht und was dagegen») Foto: Rolf Vennenbernd/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Plakat an der Kölner Lanxess-Arena wirbt für ein Ja im Bürgerentscheid zur Olympiabewerbung der Region Rhein/Ruhr. Köln ist als „Leading City“ beteiligt.

Der aktuelle NRW-Check bringt kurz vor Ende der Abstimmungsphase eindeutige Ergebnisse. Doch entschieden ist noch nichts. 

Wenige Tage vor dem Ablauf der Frist für den Bürgerentscheid über eine Olympiabewerbung der Region Rhein/Ruhr zeigen sich deren Bewohner mit deutlicher Mehrheit aufgeschlossen für das Vorhaben. Im „NRW-Check“, einer repräsentativen Umfrage des Instituts Forsa im Auftrag des „Kölner Stadt-Anzeiger“ und 37 weiterer NRW-Tageszeitungen , sprechen sich 54 Prozent der Befragten in den 17 beteiligten Städten – darunter auch Köln als „Leading City“ sowie Pulheim, Leverkusen und Monheim – dafür aus, die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 nach Nordrhein-Westfalen zu holen. 38 Prozent der Menschen in der Bewerberregion sind dagegen. Nur 8 Prozent zeigen sich unentschlossen oder haben keine Meinung.

Diese Werte sprechen für eine vergleichsweise hohe innere Beteiligung der Menschen, die von der Entscheidung über eine Olympiabewerbung an ihrem Wohnort direkt betroffen wären. In der Bewerberregion leben etwa ein Drittel aller Einwohner des Landes NRW.

Ministerpräsident Wüst: Köln ist bereit für die Spiele

Landesweit fällt die Zustimmung zur Olympiabewerbung im „NRW-Check“ verhaltener aus. Weniger als die Hälfte aller Wahlberechtigten (48 Prozent) stellen sich hinter das Projekt. Der Anteil der Ablehnenden ist allerdings mit 39 Prozent nur geringfügig höher als in der Bewerberregion. Der Anteil der Unentschlossenen ist auf NRW-Ebene mit 13 Prozent entsprechend größer. Noch bis Sonntag können sich alle hier ansässigen Deutschen und EU-Staatsbürger ab 16 Jahren an der sogenannten Ratsbürgerentscheidung über die Olympia-Bewerbung beteiligen. In Köln sind das rund 814.000 Personen.

Bei ihnen warb Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) zum Schluss der Entscheidungsphase offensiv um ein positives Votum: „Die Menschen in Köln haben es selbst in der Hand. Ihre Stimme kann Olympische und Paralympische Geschichte schreiben“, sagte Wüst dieser Redaktion. Köln und NRW seien bereit für Olympia. „Wir machen das Angebot für die kompaktesten, nachhaltigsten und spektakulärsten Spiele. Mit Köln als Leading City gewinnt unsere Bewerbung internationale Strahlkraft.“ Wüst verwies auf die Bedeutung Kölns als Sport- und Medienstadt sowie auf ihre Weltoffenheit und Begeisterungsfähigkeit.

Forsa-Chef warnt voreiligen Schlüssen

Forsa-Geschäftsführer Peter Matuschek warnte davor, aus dem „NRW-Check“ voreilige Schlüsse zum Ausgang des Bürgerentscheids zu ziehen. „54 Prozent Ja-Stimmen sind kein Riesenvorsprung“, sagte Matuschek dieser Redaktion. Frühere Bürgerbefragungen hätten gezeigt, dass am Ende der Grad der Mobilisierung von Befürwortern und Gegnern den Ausschlag gebe – und ein zuvor erhobenes Stimmungsbild auch noch ins Gegenteil verkehren könne. Beim Bürgerentscheid ist nur ein Ja oder ein Nein möglich. Es handelt sich um eine reine Briefwahl.

Nach Matuscheks Worten könnte das einen Ausgang im Sinne der Olympia-Befürworter begünstigen. So sei es zum Beispiel beim Bürgerentscheid 2025 in München gewesen. „Es bedeutet ein Mehr an Engagement und Energie, sich für eine Abstimmung in ein Wahllokal zu begeben“, sagte Matuschek. „Nach unseren Erfahrungen sind dazu eher diejenigen bereit, die eine ablehnende Haltung einnehmen. Befürworter sind da in der Regel weniger aktivistisch. Ein Ja auf dem Stimmzettel und ab damit zur Post – das ist vergleichsweise schnell erledigt.“

Abstimmung bis zum 19. April möglich

Nach Angaben der Stadt Köln müssen die ausgefüllten Stimmzettel der Kölnerinnen und Kölner am 19. April bis spätestens 16 Uhr im Auszählzentrum Deutz vorliegen. Die Antwort mit den meisten Stimmen ist dann das Ergebnis. Sie muss aber zugleich von einem bestimmten Anteil aller Einwohner gegeben worden sein. Das soll sicherstellen, dass nicht die Meinung einer sehr kleinen Minderheit den Ausschlag für eine Positionierung gibt, die nicht dem Willen der Bürgerinnen und Bürger insgesamt entspricht. In Köln und den anderen beteiligten Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern liegt das erforderliche Quorum bei 10 Prozent aller Bürger, in den kleineren Kommunen bei bis zu 20 Prozent. Das Ergebnis wirkt wie ein Ratsbeschluss, ist also für die Lokalpolitik jeweils bindend.

Im nächsten Schritt legt sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) im September auf einen der deutschen Bewerber – Berlin, Hamburg, München oder Rhein/Ruhr – fest. Wann danach das Internationale Olympische Komitee (IOC) entscheidet, ob es die Spiele nach Deutschland vergibt, ist offen. Die Rede ist vom Frühjahr 2027. 

Hoffnung auf Verbesserungen

Etliche gute Gründe sprechen aus Sicht der Menschen in Nordrhein-Westfalen dafür, dass sich die Region Rhein/Ruhr mit Köln als „Leading City“ um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewirbt. So stehen für die Bewohnerinnen und Bewohner der beteiligten Städte Image-Erwartungen, die Hoffnung auf größere Bekanntheit und touristischen Zulauf sowie auf Verbesserungen in den Bereichen Infrastruktur, öffentlicher Nahverkehr (ÖPNV) und Stadtbild klar im Vordergrund.

Jeweils 44 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner, die die Olympia-Bewerbung ihrer Stadt im Verbund mit Kommunen der Region befürworten, gaben im „NRW-Check“ diese Gründe für ihr positives Votum zu Olympia an Rhein und Ruhr an. 29 Prozent nannten die Aussicht auf wirtschaftlichen Aufschwung und Arbeitsplätze. 23 Prozent argumentierten mit dem Gemeinschaftsgefühl und der Stimmung, die das Großereignis Olympia erzeugen würde. Einen eher technischen Grund, nämlich die bereits vorhandenen Sportstätten, nannten demgegenüber nur 13 Prozent.

Bedenken wegen der Kosten

Dehnt man die Befragung auf die Gesamtbevölkerung NRWs aus, ergibt sich ein ähnliches Bild. Allerdings beurteilen die Menschen landesweit die möglichen Vorteile für die Verkehrssituation oder das Stadtbild als nicht direkt Betroffene deutlich skeptischer. Nur jeweils 30 Prozent versprechen sich hier Vorteile von Olympia. Auch hinsichtlich des Imagegewinns fällt das Votum auf Landesebene mit 41 Prozent etwas verhaltener aus. Dafür spielen Gemeinschaftsgefühl und Stimmung (26 Prozent) für die Gesamtbevölkerung eine etwas größere Rolle als für die Bewohner der Region Rhein/Ruhr.

Bei den Gegnern einer Bewerbung dominiert das Bedenken wegen zu hoher Kosten und des finanziellen Risikos. 60 Prozent landesweit und 57 Prozent in der Rhein/Ruhr-Region führen dies als Begründung an. Dass das für Olympia benötigte Geld für dringendere Probleme gebraucht wird, sagen 40 Prozent in der Region, 36 Prozent landesweit. Alle weiteren Gründe für die Ablehnung einer Bewerbung – wie Belastungen für die Bevölkerung, organisatorische Fragen oder ein Mangel an Nachhaltigkeit – haben eher nachgeordneten Charakter.

Junge Generation deutlich positiv

Erst recht fallen Vorbehalte gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC) und dessen Agieren oder die Gefahr einer Politisierung des Sports sowie Sicherheitsbedenken kaum ins Gewicht. Das ist insofern interessant, als gerade diese Themen in der öffentlichen Diskussion über Olympische Spiele und ähnliche sportliche Großereignisse breiten Raum einnehmen.

Bei einer näheren Aufschlüsselung der Befürworter und Gegner einer Olympiabewerbung – hier bezogen auf die Menschen in ganz NRW – fällt ein Ungleichgewicht sowohl im Votum der verschiedenen Altersklassen als auch der politischen Lager auf. Überdurchschnittlichen Zuspruch findet die Idee in der jüngeren und mittleren Generation; am höchsten ist sie mit 55 Prozent bei den 16- bis 29-Jährigen. In der Generation 60 plus überwiegen dagegen die ablehnenden Stimmen (50 Prozent dagegen, 40 Prozent dafür).

Politische Ränder mehrheitlich ablehnend

Am weitesten schlägt die Kurve der Olympia-Befürworter bei den CDU-Anhängern aus: Zwei Drittel (66 Prozent) sagen ja, nur 29 Prozent sagen nein. Auch die Grünen-Klientel ist weit überwiegend (zu 57 Prozent) positiv gestimmt. Die Gegner liegen hier mit einem Anteil von 31 Prozent praktisch gleichauf mit denen in der Union. In der SPD-Anhängerschaft liegt das Verhältnis (54:39) in der Nähe des Durchschnitts.

An den politischen Rändern dominiert die Ablehnung: am stärksten in der AfD (51 Prozent), dicht gefolgt von der Linkspartei (47 Partei). Die Olympiabefürworter sind in der Linkspartei (41 Prozent) und – noch deutlicher – in der AfD (37 Prozent) in der Minderheit. Forsa-Geschäftsführer Peter Matuschek ruft in Erinnerung, dass dieses Ergebnis im „NRW-Check“ früheren Olympiabefragungen entspreche. Die Zahlen, so Matuschek, stützten überdies seine These, dass die Durchführung der Ratsbürgerentscheidung als Briefwahl den Befürwortern Olympischer Spiele in der Region entgegenkommt: „Die Briefwahl ist bei AfD-Anhängern unbeliebt.“ Diese Aversion, rechnet Matuschek vor, könnte sich auf das Ergebnis des Olympia-Entscheids auswirken, da sich das gegnerische Lager überproportional stark aus der AfD-Klientel speist.

Die Städte an Rhein und Ruhr, die sich im Verbund mit der „Leading City“ Köln um die Ausrichtung Olympischer Spiele an Rhein und Ruhr bewerben, sind (in alphabetischer Reihenfolge): Aachen, Bochum, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Herten, Krefeld, Leverkusen, Mönchengladbach, Monheim am Rhein, Oberhausen, Pulheim, Recklinghausen und Wuppertal.


Für den aktuellen „NRW-Check“ befragte Forsa in der Zeit vom 7. bis 14. April insgesamt 1531 wahlberechtigte Bürgerinnen und Bürger Nordrhein-Westfalens im Rahmen des repräsentativen Panels forsa.omninet. Die Ergebnisse sind mit einer demoskopischen Toleranz von plus/minus 2,5 Prozentpunkten auf alle Wahlberechtigten in NRW übertragbar. (jf)