Köln – An Karneval fließt das Kölsch nicht nur in den Kölner Kneipen in Strömen – auch auf den Straßen wird jede Menge Alkohol getrunken. Doch auch wenn die Blase drückt: Einfach an die nächste Ecke zu pinkeln, ist ein absolutes No-go. Das findet auch Kölns Ordnungsamtsleiter Engelbert Rummel. Genau aus diesem Grund kümmern sich seine Mitarbeiter und zusätzlich beordertes Sicherheitspersonal während der tollen Tage nicht nur um die Einhaltung von Jugenschutzgesetz und Glasverbot, sondern auch um die sogenannten „Wildpinkler“.
Fündig geworden sind die Einsatzkräfte auch zur Sessionseröffnung am Mittwoch zu Hauf: Insgesamt 221 Männer (2014: 280) und 24 Frauen (2014: 17) wurden im Kölner Stadtgebiet dabei erwischt, wie sie ihre Notdurft im Freien verichteten. Ungestraft kam keiner von ihnen davon: "Gegen sie wurden Verwarngelder zwischen 35 und 75 Euro verhängt", berichtet Rummel. Laut dem städtischen Bußgeldkatalog können seit diesem Jahr sogar bis zu 200 Euro fällig werden. Wie hoch die Strafzahlung ausfällt, hängt laut dem Ordnungsamtsleiter vom Einzelfall ab: "Wir hatten einen Mann am Rathenauplatz, der direkt an einem Kinderspielplatz uriniert hat. Das kostete 40 Euro." Weitaus höhere Beträge seien denkbar, "wenn zum Beispiel jemand an den Dom pinkelt".
„So geht es nicht weiter“
Wirklich abschrecken lassen sich einige Jecken von den Bußgeldern aber offenbar nicht: Dass jedes Jahr aufs Neue unzählige Feiernde einfach in aller Öffentlichkeit ihre Blase entleeren, kann sich Rummel nur „mit einer zunehmenden Enthemmung“ erklären. „Das liegt natürlich auch daran, dass während des Karnevals viele Menschen von außerhalb nach Köln kommen, die schon sehr früh Alkohol konsumieren und schnell betrunken sind.“ Dass diese möglicherweise schlichtweg keine Toilette finden konnten, hält der Ordnungsamtsleiter für unwahrscheinlich.
Schließlich gebe es während des Karnevals eigens entwickelte Toilettenkonzepte für die hoch frequentierten Viertel – dazu gehören der Heumarkt, die Altstadt und das Zülpicher Viertel. „Wir haben überall gut sichtbare Toiletten. Und trotzdem gibt es immer wieder Leute, die eben nicht im, sondern direkt hinter dem Toilettenwagen pinkeln“, berichtet Rummel. Für ihn steht fest: „So geht es nicht weiter!“ Geht es nach dem Ordnungsamtsleiter, so wird es schon in der nächsten Session mehr öffentliche Toiletten und Urin-Rinnen geben. „Wir werden die Toilettenkonzepte gemeinsam mit der Veranstaltern überarbeiten“, kündigt er an.
Ein männliches Phänomen?
Auffällig ist und bleibt, dass es sich bei den Wildpinklern seit Jahren vor allem um Männer handelt. Während in einigen Internetforen mit einem Augenzwinkern darauf verwiesen wird, dass das wohl etwas mit dem maskulinen Territorialtrieb zu tun haben müsse, dürften Wissenschaftler das Bild des Revier markierenden Mannes wohl eher für Unfug halten. Am „Social Cognition Center Cologne“ (Soccco) der Uni Köln zumindest fand man auf Anfrage keine psychologische Erklärung für das Wildpinkeln. Auch in der Abteilung „Gender Studies“ fühlte man sich mit einer möglichen geschlechtspezifischen Begründung überfordert. Das Naheliegendste dürften also rein praktische Gründe sein.
