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„Bad und Küchen-Hype sind vorbei“Das sind die Design-Trends auf den Kölner Passagen 2026

6 min
Ribbon Chair von Pierre Paulin

Passagen 2026: In der Design Post an der Deutz-Mülheimer Straße gibt es Klassiker des Designs zu sehen, wie den Ribbon Chair von Pierre Paulin aus den 60er-Jahren. Hier wird das Luxussegment bedient. Doch die Luxusmarken sind in der Krise.

Ehrenfeld, Belgisches Viertel oder Schäl Sick. Rund 90 Ausstellungen drehen sich vom 16. bis 22. Januar um die Welt des Designs.

Lampen aus salzgezüchteten Kristallen, kreative Kissen aus alten Textilien, Möbel aus Massivholz und eine künstlerische Installation aus kleinen Papierfiguren: Im Design treffen alltagstaugliche Einrichtungsgegenstände, künstlerische Ansätze und Handwerk aufeinander. Die 37. Ausgabe des Passagen-Festivals findet vom 16. bis 22. Januar statt. In Geschäften, Galerien, Studios und Ausstellungshallen kann man rund 90 Ausstellungen sehen und an Events teilnehmen.

Auch das Museum für Angewandte Kunst ist mit seiner Schmuck-Ausstellung Teil der Passagen; mit dabei sind auch die Handwerkskammer Köln und die Hochschule Macromedia. Designstudierende der TH Köln hinterfragen in der Passage am Ebertplatz außergewöhnliche Alltagsobjekte aus dem Archiv des Kunstmuseum Kolumba.

Stark vertreten sind traditionell Ehrenfeld und das Belgische Viertel, auch in der Innenstadt gibt es Events. Auf der rechten Rheinseite bündeln sich die Ausstellungen an zwei Orten: In der Design Post an der Deutz-Mülheimer Straße und im Machwerkhaus an der Dillenburger Straße in Kalk.

Sabine Voggenreiter ist Leiterin und Erfinderin des Kölner Kölner Design-Festivals Passagen

Sabine Voggenreiter ist Leiterin und Erfinderin des Kölner Kölner Design-Festivals Passagen

Passagen 2026: „Nie so viele Besuche wie nach Corona“

Sabine Voggenreiter, Leiterin und Erfinderin der Passagen, hält am traditionellen Januar-Termin für das Kölner Festival fest: Als vergangenes Jahr die Möbelmesse IMM komplett abgesagt wurde, ließ sie zunächst offen, ob das beliebte, quirlige Designfestival ebenfalls den angestammten Platz im Januar verlassen soll. Aber der Januar sei einfach ein sehr guter Zeitpunkt. „Nach den Feiertagen sind die Leute kulturell ausgehungert und wollen wieder etwas erleben, es ist die erste größere Veranstaltung im Jahr“, sagt Voggenreiter.

Ob Fachleute wie Architekten, Hersteller oder breites, kulturinteressiertes Publikum: Der Termin sei so verinnerlicht, dass er auch ohne die Möbelmesse IMM funktioniere, die in diesem Jahr vom 20. bis 23. Januar mit verändertem Konzept ausschließlich für Fachpublikum geöffnet sein wird. Seit Ende der Pandemie stellt Voggenreiter sogar einen Aufschwung für die Passagen fest: „Es waren noch nie so viele Besucher wie nach Corona. Wir haben unser eigenes Publikum.“ Etablierte Designer und Designerinnen und Hersteller mit historischen Design-Ikonen sind ebenso vertreten wie aufstrebende und junge Akteure, die möglichst nachhaltig und lokal produzieren.

Luxussegment in der Krise

Jan Kath bei den Passagen 2026 mit eigenem Showroom an der Venloer Straße 16

Jan Kath bei den Passagen 2026 mit eigenem Showroom an der Venloer Straße 16

„Es gibt nicht mehr so viele Luxushersteller, die sich präsentieren“, sagt Voggenreiter. Die allgemeine Wirtschaftskrise sei auch in Köln spürbar, die Unternehmen aus dem High-End-Bereich seien auf dem Rückzug. Mit der Ausstellung in der Design Post an der Deutz-Mülheimer Straße jedoch decken die Passagen dieses Segment ab. Hier werden Klassiker der Designgeschichte in vier Themenräumen präsentiert: Meilensteine, Material und Handwerk, Innovation und Avantgarde sowie Licht und Atmosphäre.

Diese Hersteller und Exponate sind mit dabei: Thonet, Tecta, Arco, Artifort, Spectrum, Swedese, Montana, Moroso World, Moooi, Andreu World und andere. Auch die hochwertigen Teppiche des deutschen Designers Jan Kath sind wieder in einem eigenen Showroom an der Venloer Straße 16 zu sehen. Das Markanto Depot in der Südstadt legt einen Schwerpunkt auf Aluminium, das zum beliebten Werkstoff in den 20er und 30er-Jahren wurde.

Designer produzieren immer öfter selbst

Fachakademie für Raum und Objektdesign GarmischPartenkirchen

Die Fachakademie für Raum und Objektdesign GarmischPartenkirchen präsentiert sich auch in der Pattenhalle Ehrenfeld in der Christianstraße.

Früher habe es eine klarere Trennung zwischen Design und Produktion gegeben: Designer entwarfen Objekte und Hersteller setzten sie um. Doch die Krise der großen Hersteller sei mit einer der Gründe für den aktuellen Trend, dass Designer und Designerinnen immer häufiger selbst ihre Produkte produzieren und die Grenze zum gestalterischen Handwerk fließender seien, so Voggenreiter. „Die jüngeren Designer heute werden immer mehr selbst zu Herstellern. Diese unterstützen wir als Passagen gerne“, sagt Voggenreiter. 

Deswegen findet am Donnerstag, 22. Januar, um 16 Uhr ein Symposium für produzierende Designer in der Pattenhalle in Ehrenfeld statt. „Wir möchten ihre Situation verbessern und überlegen, wie man eine Plattform entwickeln kann, auf der man sich zwar zusammenschließen, aber dennoch unabhängig bleiben kann: Wie können produzierende Designer ihren eigenen Stil wahren und sich nicht dem Mainstream unterwerfen?“, sagt Voggenreiter. In der Pattenhalle liegt auch der Schwerpunkt produzierender Designer: Über 30 internationale aufstrebende Akteure zeigen hier ihre Produkte. Auch die Kölner Firma „Rheinwolle“ ist dabei: Mit Wolle von den Schafen, die am Rhein weiden, stellt Martin Hoffmann nachhaltige und naturbelassene Teppiche her.

Innovative Ideen aus Köln: Die „Cartes Blanches“

Weinhandel La Source und Designer Alexander von Dombois präsentieren sich gemeinsam auf den Passagen 2026

Weinhandel La Source und Designer Alexander von Dombois präsentieren sich gemeinsam auf den Passagen 2026

Innovatives Design aus Köln fördern: Das haben sich die Passagen seit 2023 auf die Fahne geschrieben. Köln-Business unterstützt Voggenreiter dabei, angesagte und junge aufstrebende Designer bzw. Designgruppen, die in Köln aktiv sind, sichtbar zu machen. „Hier werden neue Konzepte und Methoden angewandt und das Design vorangebracht“, sagt Voggenreiter. Die zwölf „Cartes Blanches“ seien sehr vielfältig: Alexander von Dombois zeigt etwa funktionale Einrichtungsgegenstände, vorzugsweise Holz, und stellt im Weinhandel La Source in der Simrockstraße 47 aus. Bei „2ndish The Upcycling Factory“ in der Klarastraße 6 werden alte Textilien zu neuen Produkten verwandelt. In der Brüsseler Straße 67 zeigt Elisabeth Seidel Lichtskulpturen aus salzgezüchteten Kristallen.

Design auf der Schäl Sick

Design Post an der Deutz-Mülheimer Straße

Das Machwerkhaus in Köln-Kalk ist zum zweiten Mal Teil des Design-Festivals Passagen.

Auf der „Schäl Sick“ führt die Design-Route zur Design Post und zum Machwerkhaus Kalk an der Dillenburger Straße, das zum zweiten Mal dabei ist. Hier kann man einen Einblick in Ateliers, Schauräume und Werkstätten erhalten. Designer und Kollektive wie Cosmaki, Draufgänger, Julian F. Eckes mit Freunden, MBSY, Paul Müller Production, Naturbaunetzwerk, Moritz Plöns haben gemeinsam, dass sie lokal und unter urbanen Bedingungen produzieren.

Leben und Arbeiten in den eigenen vier Wänden

Die Corona-Pandemie hat das Arbeiten im Homeoffice stark forciert. Designer versuchen, Antworten auf lebenspraktische Fragen zu geben. Wie lässt sich Arbeiten und Leben in den eigenen vier Wänden vereinen? Auch wenn Home-Office in bestimmten Firmen und Branchen wieder rückläufig ist, „wird das Thema nicht abreißen“, so Voggenreiter. Designer denken hier auch oft den technischen Aspekt mit und entwerfen zum Beispiel Möbelstücke, die diverse Kabel kaschieren sollen, oder Möbel, die auf wechselnde Technik flexibel reagieren können. „Der Bedarf ist da“, sagt Voggenreiter.  

Küchen- und Bad-Hype ist vorbei

Videoprojektion auf eine funktionale Küche. Kunstnavigation zeigt mit Odo Rumpf zusammen Videokunst in der Neuen Maastrichter Straße 12-14

Videoprojektion auf eine funktionale Küche. Kunstnavigation zeigt mit Odo Rumpf zusammen Videokunst in der Neuen Maastrichter Straße 12-14

Wohnraum wird immer knapper, Wohnflächen kleiner: Wenn Senioren etwa ihr Haus zugunsten einer kleineren Stadtwohnung verlassen, müssen sie sich verkleinern. Schlafen, Wohnen, Essen: Die Bereiche gehen häufiger ineinander über, sagt Voggenreiter. Entweder sei die Küche so groß, dass sie zur Wohnküche werde; oder der Wohnbereich so ausladend, dass „die Küche nur noch dranhängt“, beide Entwicklungen beobachte sie. „Dadurch, dass Wohnungen kleiner werden und man anders planen muss, braucht man zierlichere Sessel, Regale oder Tische. Dieser Trend wird anhalten. Mehrere größere Schränke gehen nicht mehr“, sagt Voggenreiter. Der Fokus liege weniger auf einzelnen Räumen, als auf den fließenden Übergängen der Bereiche. „Das Thema Bad ist durch. So oft kann man es nicht erneuern, bei der Küche ist es im Grunde auch so“, sagt Voggenreiter.

Infos zum Programm gibt es online.


Qvest the room in der Albertusstraße 18 zeigt drei repräsentative Positionen der Entwicklungen im Grenzbereich von Kunst und Design: Unikate, Objekte, Wandbilder und Hocker des Berliner Duos Analog, Teppiche von Reuber Henning sowie Klassiker aus Metall des Schweizer Herstellers Lehni.